Neuer iXS Carve 1.0 Mips im ersten Test: Halbschalen-Helm für Trail-Carver
iXS Carve 1.0 Mips im ersten Test: Der Schweizer Protektoren-Spezialist iXS stellt mit dem Carve 1.0 Mips einen neuen Trail-Helm vor, der mit allen gängigen Features wie Mips, Fidlock-Verschluss, verstellbarem Visier und Brillengarage an der Front keine Wünsche offenlassen soll. Dazu gibt’s noch ein aus der Masse herausstechendes Design mit Gitterstruktur – wir haben den Trail-Helm bereits einem ersten Test unterzogen.
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iXS Carve 1.0 Mips: Infos und Preise
Der Name iXS wird schnell mit der bekannten internationalen Downhill-Serie in Verbindung gebracht – tatsächlich bieten die Schweizer jedoch ein umfassendes Portfolio an Trail-Bekleidung an. Neuster Wurf ist der Carve 1.0 Mips-Halbschalen-Helm, der mit 219 € eher im hochpreisigen Segment angesiedelt ist, allerdings auch alle gängigen Features bietet. So kann das Visier in 3 Stufen verstellt werden, darunter ist Platz für die Sonnenbrille im Anstieg. Ein Mips Air Node-System ist ebenso am Start wie ein Fidlock-Verschluss, Drehrädchen zur Weitenverstellung und das patentierte Head Guard-System. Dieses soll einen Aufprall über eine weitere Fläche im Helm verteilen und so die Sicherheit erhöhen. Wir konnten den Helm auf einigen Frühjahrstouren bereits testen.
- Größen S (53–56 cm), M (56–59), L (59–62)
- Farben Schwarz, Weiß, Rot, Olive
- Gewicht 436 g (Größe M, gewogen)
- Besonderheiten Mips Air Node-System, verstellbares Visier, Head Guard Aufprallschutzverstärkung, FidLock-Verschluss, Brillengarage
- Sicherheit EN 1078 und CPSC-zertifiziert
- www.ixs.com
- Preis 219 € (UVP) | Bikemarkt: iXS Carve 1.0 Mips kaufen
Im Detail
An Features mangelt es dem iXS Carve 1.0 wahrlich nicht. Das Mips Air Node-System gehört mittlerweile zum absoluten Standard – es soll Rotationskräfte beim Aufprall verringern und so Kopf und Nacken zusätzlich schützen. Interessant ist das hauseigene, patentierte Head-Guard-System: Dabei soll es sich um Verstärkungen im EPS-Schaum handeln, die Schläge auf eine größere Fläche im Helm verteilen, ohne sich negativ auf die Belüftung oder Optik auszuwirken. Zudem sind die drei Außenschalen mit dem EPS-Schaum verschmolzen, was ebenfalls der Sicherheit sowie dem Gewicht und Aussehen zugutekommen soll. Die Sicherheit ist EN 1078 und CPSC-zertifiziert – ein Virginia Tech-Testergebnis gibt es nicht.
Der Carve 1.0 Mips ist in drei Größen für Kopfumfänge von 53–62 cm erhältlich. Der Helm kann zudem über das 360° ErgoFit-System, ein Drehrädchen, in der Größe angepasst werden. Am Hinterkopf kann zudem die Höhe in drei Positionen verstellt werden, was eine sehr übliche Lösung ist. Zusätzlich kann das Fit-System vorn in verschiedenen Positionen, sprich Weiten, eingehängt werden. Der Kinnriemen wird mit einem magnetischen FidLock-Verschluss verbunden, dazu gibt’s recht breite Gurtteiler unter dem Ohr. Ein praktisches Feature ist zudem die Brillengarage an der Front – die Bügel können in zwei dafür vorgesehene Belüftungsöffnungen gesteckt werden. Das Visier passt sich in der untersten Position perfekt ins Design ein, kann allerdings um zwei spürbare Klicks nach oben verstellt werden. Mit 436 g Gewicht ist der Carve 1.0 allerdings eher auf der schwereren Seite.
Auf dem Trail
Ich konnte den iXS Carve 1.0 Mips-Halbschalen-Helm etwa eine Woche lang auf Enduro-Ausfahrten auf meinen Hometrails tragen. Dabei war es durchgängig sonnig und mild, allerdings im Schatten unter 20°. Bei einem Kopfumfang von 59 cm bin ich genau auf der Grenze zwischen M und L und habe mich für M entschieden. Die Größenangaben erscheinen mir sehr realistisch, denn ich bin wirklich genau am Limit und musste ein paar Verstellungen vornehmen, um den Helm bequem aufsetzen zu können: Das ErgoFit-System in eine weitere Position und nach ganz unten hängen und den Kinnriemen fast ganz aufziehen.
Letzterer könnte tatsächlich etwas länger sein, da auch Menschen mit kleinem Kopfumfang einen hohen Kopf oder dicken Hals haben können und ich bereits fast am absoluten Limit bin. So sitzt der Helm allerdings sehr bequem und umschließt meinen Kopf gut. Mit meinen eher schmalen Schläfen bin ich zudem froh, nicht zur L gegriffen zu haben – breitere Helme erzeugen bei mir schnell einen Pilz-Look.
Mit über 400 g Gewicht und einer recht dicken Polsterung ist der Carve 1.0 auf dem Kopf deutlich wahrnehmbar, allerdings nicht störend. Das Brillenstaufach wirkt durchdacht: Man benötigt beide Hände, um die Bügel in die entsprechenden Öffnungen zu stecken. Dann klappt es ohne viel Übung allerdings sehr gut. Zudem habe ich meine Oakley Sutro meist kopfüber geparkt, da sie sonst etwas tief in mein Sichtfeld hängt.
Verbesserungswürdig sind die beiden ringförmigen Kunststoff-Polster am unteren Hinterkopf: Diese haben bei mir innen, wo der Steg sitzt, schnell mal gedrückt. Hier wäre eine etwas nachgiebigere Befestigung sinnvoll. Dadurch habe ich den iXS-Helm bergauf teils etwas lockerer gedreht, wobei ich ihn für einen guten Sitz ohnehin nicht super eng stellen muss.
Das Visier habe ich stets in der untersten Position gelassen – das sieht meiner Meinung nach am schicksten aus und ragt nicht ins Sichtfeld rein. Auch im Frühjahr habe ich die Belüftung als eher warm empfunden, schwitze aber zugegebenermaßen sehr schnell am Kopf. Das dicke vordere Polster saugt sich dann auch gern mal voll und tropft auf die Brille. Wer wie ich schnell einen sehr heißen Kopf bekommt, sollte im Sommer also zu einem luftigeren Helm greifen.
Im Vergleich
Mein Go-to-Helm der letzten Monate ist der Fox Speedframe Pro (Test), ebenfalls in Größe M. Dieser ist etwas leichter und umschließt meinen Kopf noch etwas mehr als der iXS-Helm. Die Brillengarage finde ich bei iXS gelungener, dafür sitzt der Kinnriemen am Fox etwas angenehmer. Die Unterschiede sind nicht riesig, der Fox-Helm trägt sich allerdings etwas unauffälliger und ist etwas besser belüftet.
Fazit – iXS Carve 1.0 Mips
Sitzt, passt, wackelt nicht und hat Luft! Im ersten Test hat sich der iXS Carve 1.0 Mips gut an meine Kopfform anpassen lassen und größtenteils bequem gesessen – lediglich die beiden Kunststoff-Polster am Hinterkopf haben leicht gedrückt und könnten nachgiebiger befestigt sein. Lob gibt's für die praktisch ausgeführte Brillengarage an der Front und den sicheren Sitz, die Belüftung könnte allerdings besser ausfallen.
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Warum MTB-News Helme nicht auf dem Prüfstand testet
Jeder Helm muss verschiedene Tests und Normen bestehen, bevor er auf dem europäischen Markt verkauft werden darf. Die Praxisrelevanz dieser Normen, bei denen die Helme nach einem standardisierten Verfahren auf einem Prüfstand getestet werden, wird teilweise kontrovers diskutiert. Um eine Verkaufserlaubnis für den europäischen Markt zu erhalten, müssen Fahrradhelme bestimmte Standards erfüllen.
Hierzulande besonders relevant ist die Prüfnorm DIN EN 1078. Bei dieser Norm fällt der Helm – inklusive Prüfkopf, dessen Masse zwischen 3,1 und 6,1 kg beträgt – zunächst aus einer Höhe von etwa 150 cm mit einer Aufprallgeschwindigkeit von 19,5 km/h auf eine Stahlplatte. Anschließend fällt der Helm aus einer Höhe von circa 110 cm auf ein dachförmiges Ziel. Die Aufprallgeschwindigkeit beträgt hier 16,5 km/h. Im Prüfkopf befindet sich ein Sensor, der die Beschleunigung misst. Liegt diese unter 250 g, gilt der Test als bestanden und die Norm ist erfüllt.
Die Hersteller der Helme kommunizieren nur, wenn der Helm den Test bestanden hat – nicht jedoch mit einem konkreten Prüfergebnis. Die schwedische Versicherung Folksam hat 2015 mit einem aufwändigen Versuchsaufbau mehrere Helme auf dem Prüfstand getestet und anschließend die Ergebnisse veröffentlicht. Studien aus dem American Football zeigen, dass Gehirnerschütterungen ab einer Einwirkung von 60 bis 100 g auftreten können. Bei einer Einwirkung von 250 g – also dem Höchstwert, den ein Helm bei der DIN EN 1078 aufweisen darf – liegt ein 40-prozentiges Risiko für eine Schädelfraktur vor.
Bei unserem MTB Helm Test haben wir uns gegen einen Test auf dem Prüfstand entschieden. Dieses Thema haben wir vorab redaktionsintern diskutiert und uns dabei unter anderem folgende Fragen gestellt:
- Simuliert man auf dem Prüfstand nur die beiden Situationen, die auch für die Erfüllung der DIN EN 1078-Norm relevant sind?
- Wie relevant ist ein Aufprall aus einer Höhe von 150 cm mit einer Aufprallgeschwindigkeit von 19,5 km/h auf eine Stahlplatte für einen Trail- oder Enduro-Helm?
- Und wie relevant ist ein Aufprall aus einer Höhe von 110 cm auf ein dachförmiges Ziel für einen Trail- oder Enduro-Helm?
- Sollte man nicht auch die auf den Kopf einwirkenden Rotationskräfte messen?
- Wie simuliert man im Labor einen bei einer Trailfahrt typischen Sturz?
- Müsste man nicht mehrere Ausführungen ein und desselben Helmes auf dem Prüfstand testen, um eine Serienstreuung auszuschließen?
- Wie, wo und wann testet man?
- Wie viel Schutz bietet ein Helm, der im Labor hervorragend funktioniert, in der Praxis aber schlecht auf dem eigenen Schädel sitzt?
- Wie viele Helme müsste uns eigentlich jeder Hersteller zuschicken, damit wir jedes Modell sinnvoll im Labor und auf dem Trail testen können?
Die Antwort auf die Frage, weshalb wir die Helme nicht im Labor auf dem Prüfstand getestet haben, ist also komplexer, als man zunächst annehmen würde. Unter idealen Bedingungen hätten wir natürlich gerne jeden Helm auch hinsichtlich seiner konkreten Schutzwirkung möglichst objektiv, reliabel und valide getestet. Generell begrüßen wir es, wenn die Hersteller der Helme den Fokus vor allem auf sicherheitsrelevante Aspekte legen und würden uns eine praxisrelevante Überarbeitung der aktuell für Trail- und Enduro-Helme notwendigen DIN EN 1078 wünschen.
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