Nußlocher Karnevalclub: Jeder weiß: America first, Nußloch förster
Von Agnieszka Dorn
Nußloch. Mit schicker Frisur tauchte plötzlich Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Festhalle auf. Sie hatte gehört, dass in Nußloch gleich im ersten Wahlgang ein neuer Rathauschef gewählt worden war. Vielleicht kann Angie von den Nußlochern noch einiges lernen, denn bekanntlich hat das Land vier Monate nach der Wahl immer noch keine neue Regierung. Bei der Prunksitzung des Karnevalclubs Nußloch (KCN) stand am Samstag jedenfalls neben Merkel die gesamte Berliner Politprominenz auf der Bühne der Festhalle.
Bei diesem Klamauk, den die "Durstigen Amigos" auf die Bühne brachten, blieb kein Auge trocken. FDP-Chef Christian Lindner kam mit einem verletzten Bein, weil der Anliegerverkehr rund um die Schillerschule "ein Graus" war: Ein Schüler habe ihn mit einem Tretroller angefahren, beschwerte sich Lindner. Mit königlichem Mantel, passender Krone und einer Maß Bier in der Hand stieß CSU-Chef Horst Seehofer dazu. "Servus Mutti", begrüßte er Angie etwas flapsig. Von den Grünen kam Cem Özdemir auf einem leuchtenden E-Bike. Und zum Schluss tauchte auch noch der SPD-Vorsitzende Martin Schulz auf. Das sei typisch, stellte Angie Merkel kopfschüttelnd über die Verspätung fest - bei allen wichtigen Kämpfen sei er immer der Zweite.
Was machte die politische Prominenz aber in der Mondspritzergemeinde? Sie alle waren zum Seminar "Mehrheiten finden leicht gemacht" eingeladen. Denn bei den Schlappen, die die Parteien bei der letzten Bundestagswahl einstecken mussten, war es mehr als notwendig, die Gunst der Wähler wieder zu gewinnen. Das Seminar leitete ganz in Grün gekleidet der Nußlocher Förster - bekanntlich gilt "America first und Nußloch förster". Gemeint war damit aber nicht nur der Chef des Waldes, sondern auch der neu gewählte Rathauschef Joachim Förster.
Apropos Verwaltungschef: Mit Dreitagebart, einem Cowboyhut und gut gelaunt saß Noch-Bürgermeister Karl Ruhl unter den Narren. Seine Amtskette hatte Rühl gegen einen blitzeblank polierten Sheriffstern getauscht.
Die Festhalle war proppenvoll, die Stimmung gigantisch. Auch Vertreter der Kirchen waren da. Auf der Bühne saß der Elferrat, durch die Prunksitzung führte Sitzungspräsident Gerald Kraus. Zudem gab es einen Gast-Elferrat: Die benachbarte Karnevalsgesellschaft aus Wiesloch, die KG Blau-Weiß, war mit ihren Sitzungspräsidenten dabei.
Auf der Bühne stellten die Spitzenpolitiker fest, dass Angies "biologisches Minderheitsdatum" nach zwölf Jahren an der Macht schon längst abgelaufen sei. Aber dass Seehofer als Kanzler gekürt werden soll, dafür waren sie auch nicht. Weiterhin bekamen die Fastnachter im Publikum erklärt, wofür SPD steht: "Schulz pinkelt daneben".
Zwischen den Büttenreden sorgten verschiedene Garden für tolle Stimmung: Die Minigarde begeisterte mit dem Schautanz "Hinter Gittern" und die Kleinsten, die Superminis, legten einen tollen Pippi-Langstrumpf-Tanz hin. In die Welt des bezaubernden Kindermädchens Mary Poppins entführten Mia Vogt, Lukas Harms und Moritz Keller mit einem Tanz zum Lied "Supercalifragilisticexpialidocious". Tanzmariechen Leonie brachte ihre Beine in schier unglaubliche Höhen. Mit tollen Tänzen brachten die Junioren-, Mini- und Präsidentengarde die Halle zum Beben, Auftritte hatten auch die Gajemänndl, die Schautanztruppe und das Männerballett. Und natürlich sorgten Büttenreden, etwa die von Christian Barth oder von Claudia Rensch sowie Sandra Siehl-Schmidt, die über das Leid der Wechseljahre klagten, für Lacher. Vergeben wurden auch die Jahresorden.