Lieferungen ab 2028 geplant: SA Raffinerie Leuna baut Technik für Fernwärme nach Leipzig
Die Arbeiten in der TotalEnergies-Raffinerie in Leuna laufen. Wann fließt die Abwärme nach Leipzig – und können Verbraucher dadurch auf niedrigere Fernwärmepreise hoffen?
In der Raffinerie Leuna laufen derzeit die Bauarbeiten für ein neues Wärmesystem, das künftig bislang ungenutzte Abwärme für Leipzigs Fernwärmenetz nutzbar machen soll. Das interne System umfasse rund 15 Kilometer Rohrleitungen und zahlreiche Wärmetauscher, teilte der französische Öl- und Gaskonzern TotalEnergies auf Anfrage mit. Die Stadtwerke Leipzig sehen das Projekt nach eigenen Angaben im Zeitplan.
Der Einbau der Wärmetauscher soll im ersten Quartal 2027 beginnen. Die endgültige Einbindung in die Raffinerie und der Anschluss an die Übergabestation der Stadtwerke sind während eines geplanten vorübergehenden Raffinerie-Stillstands im Herbst 2027 vorgesehen. Danach sollen Tests und die Inbetriebnahme folgen. Die erste Wärme soll nach Angaben von TotalEnergies Anfang 2028 fließen. Die Stadtwerke planen die Aufnahme der Lieferung im ersten Halbjahr.
Wärme aus Leuna soll Kohle ersetzen
Ein großer Teil der Leipziger Fernwärme stammt bislang aus dem Braunkohlekraftwerk Lippendorf. Dessen Stilllegung ist für 2035 vorgesehen. Die Abwärme aus Leuna soll einen Teil der Wärmeversorgung übernehmen. Nach früheren Angaben der Stadtwerke könnte sie rund 40 Prozent des derzeitigen Fernwärmebedarfs decken - rechnerisch genug für etwa 100.000 Haushalte.
Das Gesamtprojekt war im September 2025 mit mehr als 230 Millionen Euro beziffert worden. Damals war eine Förderung des Bundes von mehr als 90 Millionen Euro angekündigt. Die Stadtwerke beziffern ihre Investitionen in der aktuellen Planungsphase auf rund 200 Millionen Euro.
Heizkosten bleiben offen
Ob die Abwärme die Heizkosten für Leipziger Verbraucher senken wird, ist unklar. Die Verbraucherzentrale Sachsen verweist auf bundesweite Untersuchungen, nach denen Fernwärme mit sehr hohen Anteilen von Abwärme und erneuerbaren Energien für Kunden etwas günstiger sein könne. Für Leipzig schätzt sie das Einsparpotenzial als gering ein. Mit der Abwärme aus Leuna werde ein Anteil von 38 Prozent erneuerbarer Energien erreicht.
Mögliche Kostenvorteile könnten nur dann bei den Kunden ankommen, wenn die Stadtwerke ihre Preisformeln anpassten. Diese orientierten sich derzeit vor allem am Gas.
Die Leipziger Stadtwerke hingegen erwarten, dass der neue Energiemix die Abhängigkeit von schwankenden fossilen Märkten verringert und steigende CO2-Kosten anteilig abfedert. Die ab dem 1. Januar 2027 geltenden Fernwärmepreise wollen die Stadtwerke Anfang November bekanntgeben. Die erste Wärme aus Leuna soll dann ein Jahr später geliefert werden.