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Energieversorger hören auf: Energiewende für Stadtwerke ein Milliardengrab

Die Energiepreise steigen wieder, erste Strom- und Gasversorger müssen den Betrieb einstellen. Noch dazu kommen Milliardenkosten für die Energiewende. Ob es alle schaffen werden, ist offen. Für viele werden gerade die Erinnerungen aus der Energiekrise 2022 wieder wach, als plötzlich eine Welle an Insolvenzen durch die Energiebranche rollte. Vor allem traf es damals sogenannte Energie-Discounter, die durch riskante Beschaffungsstrategien sehr niedrige Strom- und Gaspreise anbieten und den plötzlichen Preisanstieg dann nicht mehr stemmen konnten. 2026 steht die Welt vor einer neuen Energiekrise – und es kommen wieder Meldungen von Energieversorgern, die ihr Geschäft aufgeben . Doch so wie vor vier Jahren wird es diesmal nicht, das kann man ziemlich sicher sagen. Dafür könnte eine andere Krise bevorstehen. Auch Stadtwerke geben Energielieferung auf Gemäß Daten der Bundesnetzagentur haben bis Ende September 14 Strom- und Gaslieferanten das Ende der Belieferung angezeigt. Besonders viele Schlagzeilen machte zuletzt der Ökostromanbieter Grüüün , der Kunden mit einer zehnjährigen Festpreisgarantie gelockt hatte – und jetzt den Betrieb einstellen will. Unter den Energielieferanten, die 2026 aufgehört haben oder aufhören wollen, sind aber auch Stadtwerke und kommunale Versorger – Unternehmen also, die für viele Bürger als besonders verlässlich gelten. Viele sind auch bereit, kommunalen Versorgern höhere Preise zu zahlen. Doch wohin wendet man sich, wenn sogar der eigene kommunale Versorger nicht mehr weitermachen kann? Auch wenn der Eindruck durch mediale Aufmerksamkeit täuschen mag: Die Zahl der Energieversorger, die ihren Betrieb einstellen, ist nach Angaben der Bundesnetzagentur (BNetzA) in den letzten Monaten nicht signifikant gestiegen. Zwar haben sich die Meldungen zuletzt wieder etwas gehäuft, bestätigt ein Sprecher auf Anfrage. "Es ist regulär so, dass zum Jahresende etwas mehr Lieferanten ihre Tätigkeit beenden als im Laufe des Jahres", schränkt er ein. Bei den Stadtwerken ist es zum Teil auch so, dass der Betrieb nicht ganz eingestellt wird, sondern sich zwei oder mehr kleine Stadtwerke zu einem zusammentun. So etwa bei der in Dresden ansässigen Drewag, die mit der Energie Sachsen Ost fusionierte und jetzt SachsenEnergie heißt. Dieser Prozess wurde im Sommer 2026 abgeschlossen – weshalb das Stadtwerk Drewag in der Liste der BNetzA für dieses Jahr aufgeführt wird. Ähnliche Fusionen sind aktuell im ganzen Land zu beobachten: In Rheinland-Pfalz fusionierten dieses Jahr drei kleine Stadtwerke, in Schleswig-Holstein entschieden sich die drei Werke Schleswig, Rendsburg und Eckernförde für ein Kooperationsmodell. Energiewende kostet Versorger 100 Milliarden Euro im Jahr Begründet werden solche Zusammenschlüsse häufig damit, dass die Herausforderungen für kleine Stadtwerke einfach zu groß geworden sind. In Deutschland gibt es über 850 Netzbetreiber, viele von ihnen sehr kleinteilig, die jetzt vor Milliardeninvestitionen in die Energiewende stehen. Auf Anfrage sagt ein Sprecher des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), dass man zwar keinen "Trend zur umfassenden Konsolidierung bei Stadtwerken" sehe. Aber die Energiewirtschaft als Ganzes müsse jetzt jedes Jahr 100 Milliarden Euro für die Energiewende aufbringen. "Generell übersteigen solche Investitionsvolumina oft die Innenfinanzierungskraft und Verschuldungskapazitäten der Unternehmen", so der Sprecher. Diese Investitionen auf den Staat und die Verbraucher umzuwälzen, sei auch kaum eine langfristig tragfähige Lösung. Der Verband setzt sich daher schon seit Jahren für neue Finanzierungsmodelle ein. Der VKU lehnt allerdings die Einordnung ab, dass die Vielzahl an kleinen Unternehmen ein Problem sei. "Seit Jahren wird die kommunale Stadtwerke-Struktur kritisch diskutiert. Ein gängiges Vorurteil lautet, sie sei zu kleinteilig, zu ineffizient, zu fragmentiert. Die Forderung folgt oft reflexhaft: weniger Unternehmen, größere Einheiten, mehr Konsolidierung", so der Sprecher des Verbands. Eine vom VKU beauftragte Studie habe diese Logik allerdings widerlegt, sagt er. Viele Stadtwerke wollen kooperieren – oder fusionieren Vielmehr brauche es gezielte Zusammenarbeit zwischen den Stadtwerken, damit die Energiewende gelingen könne. "Kommunale Netzbetreiber kennen ihre Regionen, ihre Gewerbegebiete, ihre Wohnquartiere und die Bedürfnisse der Menschen und Unternehmen vor Ort. Diese Nähe ist kein sentimentaler Standortvorteil, sondern ein Effizienzfaktor." Die Finanzierung bleibt aber ein Problem – und auch eines, das einige Stadtwerke bedrohen kann. In einer Studie des Branchenverbands BDEW und der Wirtschaftsprüfer EY teilten 92 Prozent der befragten Stadtwerke mit, dass sie "eingeschränkt bis gar nicht" in der Lage seien, die notwendigen Investitionen zu stemmen. 89 Prozent gaben an, sich um die wirtschaftliche Tragfähigkeit ihres Kerngeschäfts Sorgen zu machen. 73 Prozent glauben daher auch, dass in den nächsten zwei bis drei Jahren Kooperationen, Allianzen und Fusionen an Bedeutung gewinnen werden. Der Trend zeichnet sich laut VKU also bisher nicht ab. Aber die Stadtwerke selbst sehen die Welle schon kommen – ob es sich am Ende um "Kooperationen" oder "Fusionen" handelt, entscheidet sich dann vor Ort. Strom und Gas kommen immer bei Verbrauchern an Für Verbraucher bedeutet das zwar eine Umstellung, Grund zur Sorge gibt es aber nicht. Auch wenn ein Versorger den Betrieb einstellt, gibt es sehr strenge Regeln, wie dies vonstattenzugehen hat – und Verbraucher müssen zu jeder Zeit mit Strom und Gas versorgt werden . Die Politik hat auch aus der Discounter-Krise von 2022 gelernt und die Regeln noch einmal verschärft: Wer Haushaltskunden mit Strom oder Gas beliefert, muss heute strengere Absicherungsstrategien nachweisen als früher. Die BNetzA kann auch frühzeitig eingreifen und Sanktionen verhängen, sollte sie missbräuchliches Verhalten erkennen. Im Fall von Grüüün, der gerade Schlagzeilen macht, greift die BNetzA deshalb auch schon ein und hat ein Verfahren gegen den Stromanbieter eingeleitet. Der Ökoanbieter hat sich bei der Ankündigung, die Belieferung von Kunden bis Ende Oktober einzustellen, nicht an die Fristen gehalten. Wer die Energiebelieferung einstellen will, muss dies drei Monate vorher bei der BNetzA anzeigen. Dasselbe gilt grundsätzlich auch bei der Gasversorgung, wobei diesbezüglich gerade Änderungen im Bundestag diskutiert werden. Denn für viele Gasversorger könnte dieses Geschäftsmodell künftig wirtschaftlich unattraktiv werden. Viele Eigentümer steigen derzeit von der Gasheizung auf die Wärmepumpe um, in Städten soll die Fernwärme mehr in den Fokus rücken. Deshalb sollen Stadtwerke und Gasnetzbetreiber künftig das Recht haben, ihre Netze stillzulegen , wenn sich abzeichnet, dass viele Kunden aussteigen und der Betrieb nicht mehr sinnvoll ist. Das entsprechende Gesetz liegt schon seit Monaten im Bundestag – wegen der Verzögerung hat die EU sogar ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet . Für viele Stadtwerke ist dieses Gesetz dringend notwendig, um sich finanziell besser aufstellen zu können – und dann den Betrieb auch langfristig aufrechtzuerhalten.



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