ARD History: Babylon Berlin – Die Doku: Die politischen Hintergründe des "Babylon Berlin"-Finales
Seit 10. September läuft die finale Staffel "Babylon Berlin" in der ARD-Mediathek. Am Samstagabend, 19. September, füllen die ersten vier Folgen die Primetime im Ersten. Es ist eine hochpolitische Staffel, denn 1933 findet die Machtübernahme der Nazis statt. Die Doku erläutert die Hintergründe.
Es ist ein langer Weg, den eine der größte Serien, die je in Deutschland produziert wurden, zurückgelegt hat. Er dauerte länger als jene Zeitspanne, die in Volker Kutschers Romanverfilmungen rund um die Fälle von Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch) und Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) im Berlin der Weimarer Republik ins Land gezogen ist. Am 13. Oktober 2017 startete die historische Krimiserie beim Bezahlsender Sky. Rund ein Jahr später folgte die Ausstrahlung bei Koproduzent ARD. Die Handlung beginnt im April 1929, das Finale (Romanvorlage: "Märzgefallene") spielt nun zwischen Januar und März 1933, direkt im Umfeld von Reichstagsbrand und Machtübernahme der Nazis. Die Doku "ARD History: Babylon Berlin – Die Doku" erläutert nun die wahren Hintergründe.
Seit 10. September laufen die acht Folgen der fünften und letzten Staffel "Babylon Berlin" in der ARD-Mediathek (Sky ist mittlerweile ausgestiegen). Am Samstagabend, 19. September, füllen die ersten vier Folgen zudem die lineare Primetime im Ersten. Es ist die politischste Staffel, denn 1933 findet die Machtübernahme der Nazis statt.
Berlin, Anfang 1933: Innerhalb weniger Wochen reißen die Nationalsozialisten die Weimarer Demokratie nieder. Demokratische Institutionen werden entmachtet, politische Gegner und Juden verfolgt, Recht und Gesetz außer Kraft gesetzt. Die begleitende Dokumentation von Christian Jakob beleuchtet jene erste Wochen des NS-Regimes anhand von sieben Einzelschicksalen. Während Menschen wie die Journalistin Gabriele Tergit oder Kommunistenführer Ernst Thälmann rasch zu Opfern des NS-Terrors werden, treiben andere den Aufbau der Diktatur voran und machen dabei Karriere – etwa der Finanzfachmann Hjalmar Schacht oder der neue Berliner Polizeipräsident Magnus von Levetzow.
Das Ende der Demokratie in sieben Wochen
Anhand des Schicksals der sieben Protagonisten, zu denen auch der kritische Journalist Carl von Ossietzky ("Die Weltbühne") oder der Reichstagsabgeordnete und spätere Bundespräsident (1949-1959) Theodor Heuss zählt sowie NSDAP-Propagandaminister Joseph Goebbels, werden jene Schicksalswochen erzählt, in denen ein demokratisches System komplett in eine Diktatur verwandelt wurde. Mithilfe nachkolorierten Archivmaterials und aufwendiger Animationen lässt die Dokumentation das Berlin des Jahres 1933 lebendig werden. Selten war die Serie "Babylon Berlin" übrigens so dicht an der politischen Realität dran wie in der finalen Staffel.
"ARD History: Babylon Berlin – Die Doku" wandelt präzise mithilfe von Interviews mit Historikern und anderen Forschern auf den Auslöschungsspuren der ersten deutschen Demokratie: Am 30. Januar 1933 ernennt Reichspräsident Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Seine Partei, die NSDAP, verfügte damals über keine Mehrheit. Am 27./28. Februar folgt der Reichstagsbrand. Er dient als Vorwand für die Reichstagsbrandverordnung, die zentrale Grundrechte außer Kraft setzt. Am 5. März finden die letzten formal noch relativ freien Reichstagswahlen statt, die aber bereits einen stark repressiven Charakter hatten. Die NSDAP holt den Sieg und kann mit einem kleinen Partner, der DNVP (Deutschnationale Volkspartei), regieren. Am 23. März wird das "Ermächtigungsgesetz" verabschiedet – der Reichstag entmachtet sich selbst. Hitler kann fortan ohne Parlament und Reichspräsident Gesetze erlassen.
ARD History: Babylon Berlin – Die Doku – Mo. 21.09. – ARD: 22.50 Uhr