Weniger Aktien, mehr Anleihen und ein neuer Blick auf Europa: Die Profis haben umgeschichtet. Was Privatanleger daraus für ihr eigenes Depot ableiten können. Die Anlagestrategien großer Vermögensverwalter wirken auf viele Privatanleger wie ein Kompass im unübersichtlichen Marktgeschehen. Das erscheint zunächst logisch, denn professionelle Investoren verfügen über eigene Research-Teams, umfangreiche Daten und viel Erfahrung. Ihre Entscheidungen zeigen, wie sie auf veränderte wirtschaftliche und politische Bedingungen reagieren. Daraus lassen sich auch Erkenntnisse für den langfristigen Vermögensaufbau ableiten. Eine der wichtigsten lautet: Hektisches Kaufen und Verkaufen in unruhigen Marktphasen verbessert die Rendite nicht – im Gegenteil. Vermögensverwalter richten ihre Portfolios neu aus Der "Trendmonitor Vermögensverwaltung 2026" des Instituts für Vermögensaufbau (IVA) und des WealthTech-Unternehmens QPLIX zeigt: Deutsche Vermögensverwalter haben ihre Portfolios 2025 deutlich umgebaut. Nach mehreren Jahren mit steigenden Aktienquoten legte der Aktienboom erstmals eine Pause ein. Gleichzeitig gewannen Anleihen wieder an Bedeutung. Auch innerhalb der Aktienportfolios veränderten die Vermögensverwalter ihre Schwerpunkte. Sie erhöhten ihre Investitionen in Technologieunternehmen nicht mehr pauschal, sondern wählten gezielter aus. Zugleich setzten sie wieder stärker auf große deutsche und europäische Unternehmen. Weniger Aktien, mehr Anleihen und Liquidität Der Studie zufolge zeigt sich bei den großen Anlageklassen im Vergleich zum Vorjahr eine klare Trendwende. 2024 hatte der Aktienanteil mit 62,8 Prozent einen neuen Höchststand erreicht. Der Anteil von Anleihen lag damals bei 21,2 Prozent. 2025 sank die Aktienquote auf 59,7 Prozent. Der Anteil von Anleihen stieg dagegen auf 23,2 Prozent. Zusammen mit einer Liquiditätsquote von 11,6 Prozent entfiel damit wieder mehr als ein Drittel des durchschnittlichen Portfolios auf Anleihen und frei verfügbares Geld. SpaceX-Aktie unter Druck: Starinvestor sieht das größere Risiko woanders Kein Tesla , kein SpaceX: US-Anbieter startet ungewöhnliche Anti-Musk-ETFs Kai Linde , CEO von QPLIX, ordnet die Entwicklung so ein: "Vermögensverwalter haben Aktien zwar nicht grundsätzlich infrage gestellt, aber sie haben die starke Gewichtung der Vorjahre nicht einfach fortgesetzt. Für 2026 bleibt daher weniger die Frage entscheidend, ob Aktien oder Anleihen 'gewinnen', sondern wie flexibel Portfolios zwischen Renditechancen, laufenden Erträgen und Liquidität austariert werden." US-Aktien verlieren Gewicht, Europa holt auf Auch innerhalb der Aktienportfolios verschoben sich 2025 die Gewichte. Der Anteil US-amerikanischer Unternehmen in den Depots mit Einzelaktien sank zeitweise von 41,2 auf 35,5 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil deutscher Einzelaktien um 3,3 Prozentpunkte. In der Rangliste der beliebtesten Einzelaktien rückten mehrere Dax-Konzerne nach vorn. Der Dax bildet die Entwicklung der größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland ab. Insgesamt kamen im Schnitt in den von den Vermögensverwaltern verwalteten Depots 14 der 20 beliebtesten Einzelunternehmen aus Europa. Damit kehrte sich der Trend des Vorjahres zumindest zeitweise um. 2024 hatten US-Aktien und Anlagen in US-Dollar noch deutlich dominiert. 2025 begrenzten deutsche Vermögensverwalter regionale Klumpenrisiken wieder stärker. Ein Klumpenrisiko entsteht dann, wenn ein großer Teil des Vermögens von einer einzelnen Region, Branche oder Anlage abhängig ist. Entscheidende Phase beginnt erst: KI treibt die Börsen – doch wie lange noch? Gefährliche Parallelen zu 2000: Dieses Börsen-Warnsignal ging allen großen Crashs voraus "Gerade nach Jahren wachsender US-Dominanz wird regionale Diversifikation wieder stärker verhandelt", erklärt Linde. Ob daraus ein dauerhafter Strukturbruch entsteht, lasse sich aus den Daten nicht ableiten. Klar sei jedoch, dass der deutsche Heimatmarkt 2025 wieder deutlich bessere Argumente für die Zusammenstellung von Portfolios geliefert habe. Häufiges Handeln kostet messbar Rendite Viele Anlegerinnen und Anleger wissen es bereits: Häufige Käufe und Verkäufe verursachen Kosten und können die Rendite schmälern. Mithilfe eines erstmals eingesetzten statistischen Auswertungsmodells untersuchte der Trendmonitor, welche Faktoren die tatsächliche Wertentwicklung der professionell gemanagten Portfolios beeinflussten. Das Ergebnis: Portfolios mit einem höheren Anteil an Einzelaktien, direkt gehaltenen Anleihen und kostengünstigen ETFs erzielten im Durchschnitt eine jährliche Mehrrendite von 1,74 Prozent gegenüber Portfolios, die vollständig mit aktiv gemanagten Fonds umgesetzt wurden. Besonders hohe Handelsaktivität wirkte sich dagegen negativ aus. Depots, in denen besonders häufig gekauft und verkauft wurde, verloren dem Modell zufolge im Durchschnitt 1,03 Prozentpunkte an Wertentwicklung. Der Einsatz komplexer Finanzprodukte wie Derivate oder Zertifikate verringerte die Performance sogar um 2,01 Prozentpunkte. IVA-Vorstand Andreas Ritter warnt deshalb davor, aktive Steuerung mit ständigem Umschichten zu verwechseln: "Erfolgreich sind vor allem Portfolios, die transparent, kosteneffizient und diszipliniert umgesetzt werden. Hektischer Aktivismus und unnötig komplexe Produkte kosten dagegen messbar Rendite." Was Sie daraus für Ihr Depot mitnehmen können Die Daten zeigen, dass auch professionelle Vermögensverwalter ihre Portfolios an veränderte Marktbedingungen anpassen. Sie verabschieden sich jedoch nicht vorschnell von einzelnen Anlageklassen. Stattdessen verändern sie die Gewichtung von Aktien, Anleihen, Regionen und Liquidität. Für Privatanlegerinnen oder Privatanleger liegt die wichtigste Erkenntnis deshalb nicht darin, jede Bewegung der Profis nachzuahmen. Entscheidend sind eine breite Streuung, überschaubare Kosten und eine langfristige Strategie. Wer in hektischen Marktphasen ständig handelt oder schwer verständliche Produkte einsetzt, riskiert dagegen messbare Renditeverluste. Methodik: Der "Trendmonitor Vermögensverwaltung 2026" basiert auf 55.801 realen Kundenportfolios von 121 unabhängigen Vermögensverwaltern. Der Median des Depotvolumens lag 2025 bei rund 178.000 Euro. Der rechnerische Durchschnitt betrug 546.000 Euro. Rund 10,9 Prozent der analysierten Portfolios hatten ein Volumen von mehr als einer Million Euro. Die Untersuchung zählt zu den größten datengestützten Analysen professioneller Portfoliostrukturen im deutschsprachigen Raum.