Meinung: Kölner Dom und Elphi wollen jetzt Eintritt – ist das fair?
Der Erhalt besonderer Gebäude kostet viel Geld. Der Kölner Dom nimmt deshalb nun Eintritt, macht aber eine entscheidende Ausnahme. Die jedoch ist problematisch.
Seit gut 780 Jahren steht er, in verschiedenen Stufen der Komplettierung, im Zentrum der Stadt: der Kölner Dom. Er ist ihr imposantes Wahrzeichen, das man schon von weitem sehen kann. Aber nicht nur die Kölner lieben ihn – sondern auch die Touristen. Viele, viele Touristen. Rund sechs Millionen sind es jedes Jahr. Und für die kostet der Dom ab heute Eintritt. Wer hingegen zum Beten kommt, darf kostenlos rein.
Klingt erst einmal fair. Schließlich sollte eine Kirche niemanden aus finanziellen Gründen vom Gebet ausschließen. Gleichzeitig öffnet die Regelung aber ein ziemlich offensichtliches Schlupfloch: Wer kontrolliert eigentlich, ob jemand wirklich beten möchte? Da setzt man auf Gottvertrauen.
Die Versuchung dürfte beachtlich sein. Einfach sagen, man käme zum Beten, und dann gratis durch das beeindruckende Innere schlendern oder die Reliquien der heiligen drei Könige bestaunen. Zwölf Euro gespart. Vermutlich wird sich beim Einlass kaum jemand trauen, die Frömmigkeit eines Besuchers infrage zu stellen. Die Frage ist: Trauen sich Besucher, in einer Kirche über ihren angeblichen Wunsch zu beten, zu lügen?
Der Kölner Dom und das Eintritts-Problem
Dass der Unterhalt des Doms teuer ist, versteht sich von selbst. Millionen Menschen besuchen das betagte Bauwerk jedes Jahr, und die Kosten für Erhalt und Restaurierung sind enorm. Trotzdem wirkt die Trennung zwischen „Touristen“ und „Gläubigen“ etwas fragwürdig. Vielleicht zündet ein Tourist tatsächlich eine Kerze an. Vielleicht genießt ein gläubiger Mensch einfach nur die Architektur.
Moralisch mag es daneben sein, Frömmigkeit vorzutäuschen, nur um zwölf Euro zu sparen. Andererseits lädt die Regelung ja fast dazu ein. Wer eine Ausnahme schafft, die sich praktisch nicht überprüfen lässt, darf sich kaum wundern, wenn sie ausgenutzt wird.
Eine bessere Idee für den Gratis-Zugang?
Eine vielleicht bessere und definitiv leichter zu überprüfende Regelung wäre eine gewesen, die aktuell in Hamburg viele Bürger fordern: Lasst die Bewohner der jeweiligen Stadt umsonst rein, nehmt von auswärtigen Besuchern Eintritt. In Hamburg entspringen die Diskussionen der Entscheidung, den Besuch der Aussichtsplattform auf der Elbphilharmonie kostenpflichtig zu machen. Was bisher gratis war, soll bald fünf Euro pro Person kosten. Die Hansestädter sind nachvollziehbarerweise angesäuert: Der Bau des Konzerthauses war extrem teuer und wurde zu nicht unerheblichen Teilen durch Steuergelder der Bürger finanziert. Und jetzt sollen sie zahlen, nur um von oben runtergucken zu dürfen?
Der Kölner Dom fällt da zwar in eine etwas andere Art Gebäudekategorie, aber auch die Kölner helfen mit ihren Steuergeldern beim Erhalt der riesigen Kirche. Und sie kennen die beeindruckende Silhouette der spitzen Türme von Kindesbeinen an. Wenn jemand gratis das Wahrzeichen der Stadt betreten können sollte – dann doch die Städter? So jedenfalls würde man mehr Identifikation der Einwohner mit ihren Städten und deren Symbolen schaffen und nachvollziehbaren Missmut verhindern.