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WM 2026: Julian Nagelsmann – Gründe für das Scheitern mit der DFB-Elf

Nach dem deutschen Aus im WM-Sechzehntelfinale steht Julian Nagelsmann im Zentrum der Kritik. Der Bundestrainer ist bei seiner Titelmission krachend gescheitert. Die Gründe dafür sind vielfältig. Aus Winston-Salem berichtet William Laing Eines machte Julian Nagelsmann bereits unmittelbar nach dem WM-Aus klar: Als Bundestrainer zurücktreten will er nicht. "Ich bin keiner, der wegläuft", sagte der 38-Jährige auf der Pressekonferenz nach der Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gegen Paraguay im Sechzehntelfinale (4:5 nach Elfmeterschießen) in Foxborough. Kurz darauf wurde er noch deutlicher: "Wenn der DFB möchte, dass ich weitermache, dann mache ich auch weiter. Und wenn er das nicht möchte, dann darf er mir das sagen." Das könnte der Verband übereinstimmenden Medienberichten zufolge tatsächlich schon bald tun. Immerhin hatte Nagelsmann direkt nach dem Viertelfinal-Aus bei der Heim-EM 2024 vollmundig den Angriff auf den WM-Titel angekündigt. Es sollte aber bei der Ankündigung bleiben. Deutschland schied im Sechzehntelfinale aus. Passend dazu wabert bereits seit Längerem der Name "Jürgen Klopp" durch die deutsche Fußballlandschaft – als potenzieller Nachfolger für Nagelsmann als Bundestrainer. Der 59-Jährige soll nicht abgeneigt sein, den Job zu übernehmen. Die Lage spitzt sich für Nagelsmann dementsprechend zu. Argumente für eine Weiterbeschäftigung beim DFB hat er nur noch wenige. Zu lang ist die Mängelliste seiner Amtszeit. Unter der Torwartdebatte litt die Glaubwürdigkeit Nagelsmanns wohl größtes Problem in seiner bisherigen Zeit als Bundestrainer war unweigerlich seine Kommunikation – intern und extern. Das Paradebeispiel bildete in diesem Zusammenhang schon im Vorfeld des Turniers die Debatte um den Platz zwischen den Pfosten. Ohne Not schuf Nagelsmann eine Baustelle, unter der seine Glaubwürdigkeit massiv litt. Im März legte der Bundestrainer sich zunächst auf Oliver Baumann als deutsche Nummer eins bei der WM fest. Der Hoffenheimer, der bereits alle Spiele in der Qualifikation absolviert hatte, sollte den verletzten Stammtorhüter Marc-André ter Stegen auch beim Turnier in Übersee vertreten. Doch Nagelsmann rückte unmittelbar vor Beginn der WM von seinem Vorhaben ab, beorderte den nach der EM zurückgetretenen Weltmeister Manuel Neuer zurück ins Tor und degradierte Baumann zur Nummer zwei. Die Entscheidung sei für den 36-jährigen Schlussmann "ein Schlag gewesen", gab Nagelsmann später zu und entlarvte damit sein Missmanagement der Situation selbst. Denn über Monate hatte er, genauso wie übrigens auch Neuer, eine Rückkehr des Bayern-Torwarts in das Reich der Fabeln verwiesen. Als sich dann doch die Anzeichen verdichteten, dass es zu einer Kehrtwende kommen könnte, verpasste Nagelsmann es, sowohl hinter den Kulissen als auch öffentlich Klartext zu reden. So ging Baumann sogar noch am letzten Bundesligaspieltag Mitte Mai von einem WM-Stammplatz aus. "Er hat mir das Vertrauen ausgesprochen, Punkt", sagte Baumann unmittelbar nach dem abschließenden Saisonspiel. Kurz darauf gab Nagelsmann ihn dann durch die Neuer-Nominierung im Grunde der Lächerlichkeit preis, nannte ihn eine "Weltklasse-1b-Lösung". Dass Neuer den Vorzug erhalten werde, begründete der Bundestrainer mit dessen "Aura". Von der war beim Turnier letztlich aber nichts zu sehen. Das Kommunikationsdesaster war dementsprechend zwecklos und demonstrierte letztlich nur, wie Nagelsmann rund um die WM durch fehlende Klarheit selbst unnötige Probleme und Unruhe erzeugte. Fataler Umgang mit Undav: Nagelsmann verliert den Draht Nicht nur in der Torwartdebatte lief Nagelsmanns Kommunikation unglücklich ab. Im Fall Deniz Undav wurde ihm sein "Rollenprofil" zum Verhängnis. Nagelsmann hatte sich vor der EM 2024 vom damaligen Basketball-Bundestrainer Gordon Herbert inspirieren lassen, der mit einer klaren Rollenaufteilung den WM-Titel geholt hatte. Was 2024 unter Nagelsmann bei der Heim-EM noch funktioniert hatte, wurde jedoch in diesem Jahr undurchsichtig. Denn Nagelsmann legte sich schon im Frühjahr fest – und beharrte auf seinen Entscheidungen. Dadurch manövrierte sich der Bundestrainer wiederholt in Zwickmühlen. Aus diesen versuchte er sich im Anschluss wortgewandt zu befreien, wirkte in seinen Reaktionen auf Nachfragen der Medien jedoch oft gereizt – und vergriff sich dann sogar seinen eigenen Spielern gegenüber im Ton. Dem besten deutschen Torjäger Deniz Undav beispielsweise schob er lange eine Jokerrolle zu, obwohl dessen Konkurrenten Kai Havertz und Nick Woltemade über Monate verletzt oder nicht in Form waren. Nachdem der Stuttgarter dann im Testspiel gegen Ghana im März (2:1) nach Einwechslung das Siegtor erzielt und darauf im TV-Interview vorsichtig die Hoffnung geäußert hatte, bei der WM vielleicht noch eine prominentere Rolle spielen zu können, reagierte Nagelsmann im TV und auf der folgenden Pressekonferenz mit patziger Kritik an ihm. Was folgte, war ein öffentlicher Sturm der Entrüstung. An dessen Ende sah der Bundestrainer sich offenbar genötigt, noch einmal in einem TV-Interview klarzustellen, dass er sich bei Undav entschuldigt habe. Der Schaden war jedoch schon angerichtet. In der Wahrnehmung vieler Deutscher hatte sich bei Nagelsmann bereits längst das Bild des "Undav-Hassers" zementiert. Auch wenn beide öffentlich ein gutes Verhältnis betonten, half es dem Bundestrainer nicht, dass er in Undav weiterhin in erster Linie einen Einwechselspieler sah. Auch nach Undavs fünf Torbeteiligungen in den ersten zwei WM-Spielen blieb er dabei und ließ Undav entgegen dem öffentlichen Druck gegen Ecuador auf der Bank. Dabei war Undavs Einsatz in der Startelf laut "Bild" sogar vorher im Trainerteam diskutiert und dabei selbst Sportdirektor Rudi Völler zurate gezogen worden. Doch Nagelsmann entschied sich erneut gegen den 29-Jährigen. Das habe auch die DFB-Profis, die teilweise selbst erst während der Pressekonferenz vor dem Spiel davon erfuhren, sehr überrascht, heißt es. Die daraus resultierende Erkenntnis: Den Draht zu seiner Mannschaft schien der Bundestrainer im Turnierverlauf schrittweise zu verlieren – wenn nicht sogar schon weit vorher. Nach Wagner-Aus: Nagelsmann schafft emotionale Distanz Als wichtiger Kommunikator unter Nagelsmann galt nämlich lange Sandro Wagner . Der Ex-Bayern-Stürmer kehrte der Nationalelf als Assistent von Nagelsmann aber im vergangenen Sommer den Rücken, wollte selbst einen Chefposten übernehmen. Mit ihm brach dem Bundestrainer eine wichtige Brücke zur Mannschaft weg. Nachfolger Benjamin Hübner konnte "Spielerflüsterer" Wagner, der sich aufgrund seiner Authentizität auch in der deutschen Öffentlichkeit einen guten Ruf erarbeitet hatte, nie ganz ersetzen. Die Folge: Nagelsmann fehlte ein wichtiger Impulsgeber und sein Sprachrohr zum Team. Wagner galt zudem als Emotionsbündel, verkörperte neben dem oft verkopft wirkenden Analytiker Nagelsmann ein insbesondere von Fans wohlwollend aufgenommenes Maß an Leidenschaft und Empathie. Zwar zeigte auch der Bundestrainer sowohl an der Seitenlinie als auch bei medialen Auftritten häufig Emotionen, kam dabei aber nicht immer sympathisch rüber. Bei seinen Pressekonferenzen beispielsweise verfestigte sich immer häufiger der Eindruck des Besserwissers, dessen Plan für die Mannschaft nur er, aber kein anderer verstehen könne. So schuf Nagelsmann mit der Zeit eine sich stetig vergrößernde emotionale Distanz zwischen sich auf der einen Seite und den Fans, den Spielern und den Medien auf der anderen Seite. Der Rückhalt in der Heimat bröckelte auf diese Weise auch während der WM immer weiter. Während Nagelsmann es im Verbund mit Wagner bei der Heim-EM 2024 noch geschafft hatte, das über Jahre beschädigte Verhältnis der Nationalmannschaft zu ihren Fans zu kitten, ist die Beziehung nun erneut belastet. Auch, weil es dem Bundestrainer nie wieder gelang, das Land emotional anzuzünden – erst recht nicht im Laufe der Weltmeisterschaft . Dabei hätte gerade das seiner Mannschaft gutgetan; bei den Profis in schwierigen Spielen wie gegen Paraguay womöglich die entscheidenden letzten Prozent an Leistungsfähigkeit freigesetzt. Doch dazu sollte und konnte es unter den gegebenen Umständen nicht mehr kommen. Nagelsmann beraubt sich der essenziellen Korrektur Als problematisch erwiesen sich bei Nagelsmann zu guter Letzt auch ganz grundlegende Dinge: die Taktik und die Personalwahl. Kapitän Joshua Kimmich musste als Rechtsverteidiger auflaufen, obwohl er als Schlüsselspieler vom FC Bayern normalerweise im zentralen Mittelfeld agiert. Dort wäre seine Präsenz nach den schwachen Auftritten von Aleksandar Pavlović auch dringend nötig gewesen. Doch Nagelsmann hatte Kimmich bereits fest auf der rechten Defensivseite eingeplant und nicht einmal eine echte Alternative nominiert. So beraubte er sich während der WM einer eigentlich essenziellen Korrektur seines Fehlers. Bei anderen Spielern fand Nagelsmann in seiner Einschätzung zudem nie eine Linie. Im September sortierte er etwa den von Fans und Experten viel kritisierten Leroy Sané nach dessen Wechsel in die Türkei zunächst aus, forderte ihn zu Topleistungen auf, da die türkische Liga vom Niveau nicht mit der Bundesliga mithalten kann. Nur, um ihn kurz darauf wieder zu nominieren, obwohl die Topleistungen ausgeblieben waren, und im Anschluss bei jeder Gelegenheit trotz durchwachsener Auftritte zu verteidigen. Dass Nagelsmann letztlich auch Sané, aber nicht den formstarken Kölner Saïd El Mala für die WM berücksichtigte, nahmen ihm einige übel. Angelo Stiller wiederum berief er trotz einer überragenden Saison bereits im März nicht in den Kader, weil dieser nur ein Spieler für die Startelf sei, aber keiner für die Bank. Nach dem Ausfall von Pavlović und Felix Nmecha holte er ihn dann aber doch ins Aufgebot, nominierte ihn letzten Endes auch für die WM. Dort fand Stiller sich dann aber genau da wieder, wo Nagelsmann ihn ursprünglich nicht haben wollte: auf der Bank. Die inkonsequenten Handlungen des Bundestrainers führte in Fan- und Fachkreisen zu wachsendem Unverständnis. Zudem schienen auch die Spieler mit dem Hin und Her ihres Vorgesetzten nur bedingt klarzukommen, wirkten seit Monaten entsprechend verunsichert. Vom bei der WM viel zitierten Teamgeist war auf dem Platz wohl auch deshalb wenig zu sehen. Eine Stammelf ließ Nagelsmann vor Turnierbeginn auch nicht einspielen. Dass die Mannschaft schon im Sechzehntelfinale ausschied, war das logische Ergebnis, das den Bundestrainer nun den Job kosten dürfte.




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