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WM 2026: Nach Skandal im Africa-Cup will Marokko gegen Brasilien punkten

Marokko müsste als afrikanischer Kontinentalmeister bei der WM eigentlich mit breiter Brust antreten. Doch der Skandaltitel hat das Team erschüttert. Der amtierende Sieger des Afrika-Cups im Winter müsste eigentlich mit breiter Brust nach Nordamerika reisen. Doch der Titel war kein Triumph, sondern ein Skandal und wenig dazu angetan, den "Atlaslöwen" Selbstvertrauen einzuhauchen. Das Finale im eigenen Land gegen Senegal geriet zur Farce. Nach einem umstrittenen Elfmeter für Marokko in der Nachspielzeit diskutierten die Spieler Marokkos und des Senegal minutenlang mit dem Schiedsrichter, es kam zu Rudelbildungen, das Spiel stand mehrfach still. Parallel eskalierten Szenen abseits des Balls: Marokkanische Balljungen und Spieler griffen Senegals Torwart Édouard Mendy an, nahmen dessen Handtuch weg. Ersatzkeeper Yehvann Diouf wurde bedrängt, ging zu Boden. Das Spiel kippte, der Senegal verließ den Platz und kehrte erst nach langer Bedenkzeit zurück. Brahim Díaz vergab den gegebenen Strafstoß kläglich, der Senegal gewann die Partie in der Verlängerung. Wochen später bestrafte der afrikanische Fußballverband den Senegal für den Eklat und die zwischenzeitliche Weigerung, das Spiel fortzusetzen. Marokko wurde Afrikameister, aber nicht auf dem grünen Rasen, sondern am grünen Tisch. Ein Titel der Schande. Diese Bilder trafen den Kern der Mannschaft. Der Halbfinalist von 2022 hatte sich über Disziplin, Kompaktheit und klare Rollen definiert. Im wichtigsten Spiel fehlte all das. Die Diskussionen hielten an, intern wie öffentlich. Wenige Wochen später trat Trainer Walid Regragui zurück. Mit Mohamed Ouahbi übernimmt ein Coach aus dem eigenen Verband. Kein großer Name, sondern ein Analytiker. Die Mannschaft bleibt individuell stark – viele Profis spielen bei Topklubs in Europa. Doch die Stabilität ist nicht mehr selbstverständlich. Marokko reist voller Zweifel zur WM . Marokko bei der WM: Die Qualifikation Die Qualifikation war kein Durchmarsch für Marokko. Es gab Momente, die viel über diese Mannschaft erzählen. In Tansania reicht eine Szene, um das Spiel zu entscheiden. Ballgewinn im Zentrum, ein kurzer Blick von Amrabat, dann der Pass in die Tiefe. Hakimi startet aus dem Rücken seines Gegenspielers, nimmt Tempo auf, flache Hereingabe, Tor. Danach zieht sich Marokko zurück, verdichtet das Zentrum, lässt kaum noch etwas zu. Kein Druck, kein Risiko – nur Kontrolle. In Sambia wird es unruhig. Ein langer Ball hinter die Abwehr, einmal unsauber abgestimmt – Rückstand. Für einen Moment wirkt die Mannschaft unsicher. Die Antwort kommt nicht aus dem Spiel heraus, sondern über eine Standardsituation. Ziyech bringt die Ecke scharf an den ersten Pfosten, der Ball wird verlängert, Ausgleich. Kurz vor Schluss folgt ein Umschaltmoment, wie er typisch ist: Ballgewinn, zwei Kontakte, Abschluss. Das Spiel gegen Niger fühlt sich anders an. Marokko hat den Ball fast durchgehend. Doch es passiert wenig. Der Gegner steht tief, verschiebt diszipliniert, nimmt die Räume zwischen den Linien weg. Minutenlang wirkt das Spiel statisch. Dann ein Distanzschuss, abgefälscht – Tor. Plötzlich öffnen sich Räume, weil der Gegner reagieren muss. Diese Qualifikation zeigt ein klares Profil: Marokko gewinnt Spiele nicht, indem es sie dominiert, sondern indem es sie kontrolliert. Marokkos Vorrundengegner in der WM-Gruppe C Marokko trifft in Gruppe C auf Brasilien, Haiti und Schottland, Brasilien – 13. Juni, East Rutherford, 18 Uhr (deutsche Zeit): Brasilien ist natürlich der klare Favorit, die Mannschaft ist gespickt mit Stars wie Reals Vinícius Júnior. Der zieht von links nach innen, bindet Gegenspieler und öffnet Räume. Für Marokko bedeutet das Dauerarbeit auf der rechten Seite. Gleichzeitig liegen genau dort die Chancen: Wenn Brasilien den Ball verliert, ist die Restverteidigung angreifbar. Haiti – 19. Juni, Philadelphia, 21 Uhr (deutsche Zeit): Haiti, der Außenseiter aus der Karibik, verteidigt tief und kompakt. Fünf Spieler im Mittelfeld, wenig Risiko, klare Konterwege. Für Marokko wird das zur Geduldsprobe. Ohne Bewegung zwischen den Linien droht ein Spiel mit viel Ballbesitz, aber wenigen klaren Abschlüssen. Schottland – 24. Juni, Miami Gardens, 18 Uhr (deutsche Zeit): Schottland bringt Wucht. Viele lange Bälle, viele Flanken, viel Druck auf zweite Bälle. Gegen Marokko werden die Zweikämpfe entscheidend sein. Wer die zweiten Bälle kontrolliert, kontrolliert das Spiel. Gut möglich, dass hier der Gruppenzweite ermittelt wird. Die Reisestrapazen bleiben überschaubar. Marokko startet im Nordosten der USA (New Jersey), wechselt dann nach Philadelphia und reist zum Abschluss nach Florida . Das bedeutet mehrere Inlandsflüge über teils mehr als 1.500 Kilometer. Entscheidend wird sein, wie schnell sich die Mannschaft an die Bedingungen in Miami anpasst. Hohe Luftfeuchtigkeit heißt: andere Spielintensität. Das sind Marokkos wichtigste Spieler Achraf Hakimi (Paris Saint-Germain, ca. 80 Millionen Euro): Mit 27 Jahren ist Hakimi im besten Fußballeralter und einer der besten Außenverteidiger auf dem Planeten. Der Ex-Dortmunder treibt Marokko über den Flügel nach vorn, hat viele Ballkontakte, überläuft Gegenspieler im Vollsprint und flankt präzise. Aber wehe, er rückt zu weit auf: Dann entstehen Räume hinter ihm. Brahim Díaz (Real Madrid, ca. 35 Millionen Euro): Der 26-Jährige ist der kreative Unterschiedsspieler im Kader. Bei Real Madrid wird er oft als Rotationsspieler eingesetzt, für Marokko ist er einer der Hoffnungsträger. Díaz sucht im Halbraum das Eins-gegen-Eins, kann sich auf engem Raum drehen und Chancen selbst kreieren. Im marokkanischen Spiel ist er derjenige, der festgefahrene Ballbesitzphasen auflösen soll. Schwäche: Er verliert in engen Situationen auch Bälle, was gegen starke Gegner sofort gefährlich werden kann. Bilal El Khannouss (VfB Stuttgart, ca. 35 Millionen Euro): Der in Belgien geborene offensive Mittelfeldspieler kann sowohl als Zehner als auch auf einer Achterposition eingesetzt werden. Er ist schnell, trickreich und torgefährlich. Beim VfB entwickelte er sich zuletzt so stark, dass die Schwaben ihn nach einer Leihe fest unter Vertrag nahmen. Kurioses Aufsehen erregte er unter anderem, als er sich zuletzt einmal während eines Spiels übergab. Bei der WM 2026 soll er die Verbindung zwischen Mittelfeld und Angriff herstellen und mit seinen Pässen die schnellen Offensivspieler um Achraf Hakimi, Brahim Díaz oder Youssef En-Nesyri in Szene setzen. Sein Marktwert liegt aktuell bei rund 35 Millionen Euro. Sofyan Amrabat (Fenerbahçe Istanbul, zuletzt ausgeliehen an Betis Sevilla , ca. 10 Millionen Euro): Auf den 30-jährigen Sechser ist Verlass. Er schiebt Passwege zu, organisiert die Staffelung und hält das Team kompakt. Am Ball bleibt er konservativ, spielt oft quer oder zurück. Das stabilisiert, bremst aber auch das Tempo im Aufbau. Seine berufliche Zukunft ist ungeklärt, zuletzt war er von Fenerbahçe an Real Betis Sevilla ausgeliehen. Die Andalusier wollen ihn aber nicht fest verpflichten. Ob "Fener" weiter Verwendung für ihn hat, steht in den Sternen. Yassine "Bono" Bounou (Al-Hilal, ca. 3 Millionen Euro): Mit 34 Jahren ist Bounou der unumstrittene Rückhalt. Seine Stärke liegt im Stellungsspiel und im Eins-gegen-Eins, besonders bei tief stehender Abwehr. Er bleibt lange stehen, wenn gegnerische Angreifer auf ihn zustürmen. Schwächen zeigt er im Spielaufbau unter Druck. Das ist der Trainer Mohamed Ouahbi ist ein Trainer der leisen Töne. Kein Motivator auf der großen Bühne, sondern ein Arbeiter im Detail. Seine Karriere als Spieler verlief ohne große Schlagzeilen, er spielte professionell vor allem in Belgien. Danach entwickelte er sich im Nachwuchsbereich zum Spezialisten für Struktur und Ausbildung. Im Verband galt er als jemand, der Abläufe präzise analysieren und vermitteln kann. Seine Berufung ist eine direkte Folge des Afrika-Cups. Der Verband wollte keinen externen Impuls, sondern Stabilität von innen. Ouahbi kennt die Mannschaft, kennt die Prinzipien – und soll sie neu ordnen. Seine Herausforderung liegt weniger im System als im Umgang mit der Mannschaft. Viele Spieler sind Führungsspieler bei Topklubs. Sie erwarten klare Ansprache und Orientierung. Genau das muss Ouahbi liefern. Spielsystem und Taktik Marokko verteidigt meist im 4-1-4-1, das sich ohne Ball sehr eng staffelt. Der Ansatz passt zu einer Fußballkultur, die stark über Struktur, taktische Disziplin und Anpassungsfähigkeit kommt. Genau diese Mischung aus afrikanischer Intensität und europäischer Organisation ist eine Besonderheit des marokkanischen Fußballs. Auffällig ist das Verhalten auf den Außenbahnen. Marokko attackiert dort nicht sofort. Erst schiebt der Achter heraus, dann stellt der Außenverteidiger den Gegner. So nimmt die Mannschaft Tempo aus der Aktion und zwingt den Ballführenden in enge Räume. Das ist kein wildes Pressing, sondern kontrollierter Zugriff. Die größte Stärke liegt im Umschalten. Viele Profis sind in europäischen Topligen geschult, treffen schnelle Entscheidungen und können verschiedene Rollen ausfüllen. Nach Ballgewinn sucht Marokko häufig sofort den vertikalen Pass – oft über Hakimi auf rechts oder über Brahim Díaz im Halbraum. Díaz ist dabei wichtig, weil er auf engem Raum Gegner bindet und festgefahrene Ballbesitzphasen auflösen kann. Im eigenen Ballbesitz bleibt das Spiel aber weniger variabel. Die Innenverteidiger zirkulieren, Amrabat sichert, die Außenverteidiger geben Breite. Gegen tief stehende Gegner fehlt häufig Bewegung zwischen den Linien. Dann hängt viel an Einzelaktionen von Díaz oder an Hakimis Läufen aus der Tiefe. Standards sind ein zentraler Faktor. Offensiv sucht Marokko häufig den ersten Pfosten, mit Blocks und klaren Laufwegen. Defensiv steht die erste Linie stabil, doch zweite Bälle bleiben ein Risiko, gerade wenn das Spiel hektisch wird. So hat Marokko bei früheren WMs abgeschnitten Marokkos WM-Geschichte hat ihre Höhepunkte, aber auch ihre Durststrecken. 1970 war das Team erstmals dabei, blieb ohne Sieg. 1986 folgte der erste große Moment: Marokko gewann seine Gruppe vor England und Portugal und wurde damit zur ersten afrikanischen Mannschaft, die ein WM-Achtelfinale erreichte. Das Aus gegen Deutschland fiel knapp aus und prägte eine ganze Generation. Das Versprechen, das dieser Erfolg zu sein schien, wurde in den darauffolgenden Jahrzehnten jedoch selten gehalten. 1998 schieden die sogenannten "Atlaslöwen" trotz vier Punkten in der Gruppenphase aus – bis heute ein Turnier, das als verpasste Chance gilt. Das Jahr 2018 brachte die Rückkehr auf die große Bühne, aber keinen Sieg. Der Wendepunkt kam 2022. Marokko spielte sich mit klarer Struktur und Disziplin bis ins Halbfinale. Siege gegen Belgien, Spanien und Portugal machten das Team zum ersten afrikanischen Halbfinalisten der WM-Geschichte. Dieses Turnier ist auch 2026 der Maßstab – und die Last zugleich. Warum eigentlich "Atlaslöwen"? Der Name "Les lions de l'Atlas" geht auf den Atlas- oder Berberlöwen zurück, der einst im Atlasgebirge lebte, das sich über Tunesien, Algerien und eben Marokko erstreckt. Er galt als widerstandsfähig, anpassungsfähig und schwer zu stellen. Genau diese Eigenschaften wurden bewusst auf die Nationalmannschaft übertragen. Heute beschreibt der Name nicht nur eine Idee, sondern ein Spielprinzip. Marokko ist kein Team, das Gegner dominiert. Aber eines, das Räume eng macht, geduldig bleibt und im richtigen Moment zuschlägt. Der Atlaslöwe ist allerdings seit den 1940er-Jahren in freier Wildbahn ausgestorben.


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