Der amtierende Europameister ist wohl einer der heißesten Anwärter auf den WM-Titel. Nach dem verlorenen Nations-League-Finale ist jedoch klar: Spanien ist nicht unschlagbar. 16 Jahre sind vergangen, seitdem die spanische Nationalmannschaft das letzte Mal bei einer WM über das Achtelfinale hinausgekommen ist. Das war 2010, als sie ihren ersten und bisher einzigen Weltmeisterschaftstitel gewinnen konnten. Obwohl der Erfolg bei den vergangenen drei Turnieren ausblieb, zählen die Iberer zu den Topfavoriten. Als amtierender Europameister gehen sie an den Start, und die Erwartungen der gesamten Nation sind dementsprechend hoch. Lediglich die Niederlage im Finale der Nations League verpasste der spanischen Nationalmannschaft unter Trainer Luis de la Fuente einen der wenigen Dämpfer. Zudem sind noch einige Personalfragen zu klären, die unter anderem durch verletzungsbedingte Ausfälle entstehen. Auf dem Papier ist die spanische Mannschaft jedoch wohl eine der stärksten des Turniers. So hat sich Spanien für die WM qualifiziert Durch einen Gruppensieg in der Vorrundengruppe E konnte sich "La Roja", "die Rote", im November 2025 qualifizieren. Das 2:2 am letzten Spieltag gegen die Türkei war letztlich nur reine Formsache. In diesem Spiel kassierten die Spanier die einzigen beiden Gegentore in der gesamten Qualifikationsphase und untermauerten so schon früh ihre Ambitionen als Titelkandidat der WM. Die Spanier ließen nicht nur defensiv wenig zu, sondern zeigten auch offensiv ihre Qualitäten. Mit 21 Toren schossen sie die meisten Tore aller Teams, die Teil einer Vierergruppe der Qualifikationsphase waren. Zum Vergleich: Deutschland erzielte in der Gruppe A 16 Treffer. Das sind die Vorrundengegner Spaniens bei der WM 2026 Spanien ist als Gruppenkopf der Gruppe H gesetzt, das sind die Gegner: Kap Verde – 15. Juni, Atlanta, 18 Uhr (MEZ): Kap Verde konnte sich das erste Mal in der Geschichte des Landes für eine WM qualifizieren. Für die Spanier wird es zum Auftakt dennoch keineswegs ein leichtes Spiel. Gegen eine in erster Linie leidenschaftliche und dennoch disziplinierte Mannschaft des Inselstaats ist von Beginn an höchste Konzentration gefordert. Saudi-Arabien – 21. Juni, Atlanta, 18 Uhr (MEZ): Mit Saudi-Arabien hat Spanien auch im zweiten Spiel ein Bollwerk zu knacken. Trainer Hervé Renard, der schon bei zwei Weltmeisterschaften an der Seitenlinie stand und im vergangenen Turnier sogar Argentinien schlagen konnte, lässt mit einer klaren Ordnung seine Mannschaft kompakt gegen den Ball arbeiten. Mit der Mischung aus erfahrenen Spielern, gepaart mit ambitionierten Neulingen, ist der Kader des Wüstenstaats nicht zu unterschätzen. Uruguay – 27. Juni, Guadalajara, 02 Uhr (MEZ): Uruguay ist der am stärksten einzuschätzende Gegner Spaniens. Trotz einiger europäischen Topstars wird der Kader in der Breite zwar etwas dünner, aufpassen sollten die Spanier in diesem Duell aber allemal. Mit ihrem physischen Spiel werden die Uruguayer alles hineinwerfen und versuchen, die Spanier aus ihrem Spielrhythmus zu bringen. Alles andere als der Gruppensieg Spaniens wäre eine Überraschung – und für das Land selbst eine Riesenenttäuschung. Dennoch wird das für "La Roja" kein Spaziergang. Gegen kompakte und defensiv disziplinierte Mannschaften müssen sie ihre Geduld unter Beweis stellen, um dem Druck, durch die hohen Erwartungen der eigenen Nation, am Ende standzuhalten. Schlüsselspieler der Spanier Rodri (Manchester City, Marktwert rund 130 Millionen Euro): Rodri ist die zentrale Figur im Mittelfeld der Spanier. Der Kapitän leitet das Spiel und verteilt die Bälle aus dem Zentrum heraus. Er agiert mit Ruhe, ist der Taktgeber des Teams. Auch defensiv ist er sich für keinen Zweikampf zu schade und kann somit auch als Abräumer Angriffe des Gegners unterbinden. Diese defensive Stabilität lässt die Spieler neben ihm, Pedri vom FC Barcelona oder Fabian von Paris Saint-Germain, offensiver und kreativer agieren. Lamine Yamal (Barcelona, Marktwert rund 180 Millionen Euro): Der erst 18-jährige Flügelspieler ist das offensive Aushängeschild der Spanier. Der Linksfuß ist im Eins-gegen-Eins nahezu unaufhaltsam und dazu auch torgefährlich, wenn er von Rechtsaußen nach innen zieht. Somit beansprucht er in vielen Fällen die Aufmerksamkeit von mehreren Verteidigern und kreiert freie Räume für seine Mitspieler. Mit gefährlichen Pässen in die Schnittstellen bespielt er diese freien Räume und legt Tore auf. Sein Spiel wird immer abwechslungsreicher und er sucht inzwischen auch vereinzelt den Weg in Richtung Grundlinie, um nicht immer nur mit dem Ball nach innen zu dribbeln. Ein Yamal in Topform ist nicht zu verteidigen. Nico Williams (Athletic Bilbao, Marktwert rund 70 Millionen Euro): Bei der EM 24 bildete er zusammen mit Yamal auf der Gegenseite das wohl beste Flügelduo des Turniers. Geplagt in erster Linie von Verletzungen, konnte er seitdem jedoch nicht an seinen Topleistungen aus dem EM-Jahr anknüpfen. Für Spanien könnte er mit seinem Tempo und den Qualitäten im Abschluss dennoch ein essenzieller Faktor bei der WM werden. Voraussetzung dafür wird aber sein, dass er bis dahin fit und in Form kommt. Pau Cubarsí (FC Barcelona, Marktwert rund 70 Millionen Euro): Der Innenverteidiger ist mit seinen 19-Jahren einer der vielen jungen Spieler, die eine zentrale Rolle bei der WM spielen könnten. Bei der vergangenen EM und Nations League verweilte er lediglich auf der Bank, spielte sich jedoch mit seinen Passfähigkeiten im Spielaufbau in den Fokus des Trainers. Auch wenn ihm der klassische "Innenverteidigerkörper" in puncto Größe und Gewicht etwas fehlt, zeichnet ihn sein hervorragendes Stellungsspiel aus. Er wird vermutlich an der Seite von Aymeric Laporte stehen, nachdem Robin Le Normand seinen Stammplatz verloren hat und noch um seine WM-Teilnahme bangt. Auch Dean Huijsen hat bei Real Madrid wiederholt Spiele verpasst und wird wohl eine Bankrolle einnehmen. Unai Simón (Athletic Bilbao, Marktwert rund 28 Millionen Euro): Die medial wohl umstrittenste Position der Spanier ist die des Torhüters. Für Trainer De la Fuente ist jedoch klar, Unai Simón hat sein Vertrauen. Das stößt bei einigen Fans und Medien auf Unverständnis, da er womöglich zwei Torhüter, die statistisch eine bessere Saison spielen, draußen lässt. Joan García und David Raya müssen also wahrscheinlich auf der Bank verweilen. Schwer zu glauben, dass der Trainer seine Meinung bis zur WM noch ändert, sollte Simon das Vertrauen jedoch nicht mit Leistung zurückzahlen können, wird die Unruhe um die Position nicht leiser. Luis de la Fuente: Der Trainer, der Spanien wieder stabilisierte Nachdem der spanische Fußballverband sich nach dem Ausscheiden im Achtelfinale der WM 2022 endgültig von Luis Enrique getrennt hatte, installierten sie Luis de la Fuente als langfristige Lösung. Erfahrung brachte der heute 63-Jährige genug mit. Sowohl als Spieler als auch als Trainer war er in der La Liga für Athletic Bilbao und Deportivo Alavés im Einsatz, ehe er dann für mehr als zehn Jahre in der Jugendabteilung Spaniens aktiv war. Auch Erfahrungen als Trainer vor einem Weltpublikum hat Luis de la Fuente zu bieten. Bei den Olympischen Spielen in Tokyo 2021 führte er das Aufgebot der Spanier bis ins Finale. In diesem unterlagen sie knapp Brasilien. Seit der Ernennung zum Cheftrainer der A-Nationalmannschaft 2023 stabilisierte er "La Roja" zunehmend und erlebte mit dem EM-Titel 2024 seinen persönlichen Karrierehöhepunkt. Spielsystem und Taktik De la Fuente blieb weiterhin in den Grundstrukturen 4-2-3-1 und 4-3-3. Systeme, die insgesamt sehr flexibel sind und dadurch gut an den jeweiligen Gegner angepasst werden können. Dennoch ist eine Entwicklung weg von dem typisch spanischen "Tiki-Taka"-Fußball zu erkennen, der sich besonders durch Ballbesitz und Spielkontrolle durch ein schnelles und direktes Kurzpassspiel auszeichnet. In der Grundidee ist Spanien aber immer noch auf Ballbesitz fokussiert, nach Ballgewinn soll es jedoch schnell in die Tiefe gehen. Die Außenspieler wie Yamal und Williams werden so in Eins-gegen-Eins-Situationen gebracht. Mit Tempo können sie dann eigenständig den Strafraum attackieren und Abschlüsse suchen oder die nachrückenden Spieler im Strafraum in Szene setzen. Auch im eigenen Ballbesitz soll das Spiel mehr in die Länge und Breite gezogen werden, um Dynamik zu kreieren. Außerdem ist Spanien unter de la Fuente auch bereit, Ballbesitz abzugeben. War Spanien in der Vergangenheit oft auf pure Dominanz über die vollen 90 Minuten aus, ist das Team inzwischen bereit, situativ etwas tiefer zu verteidigen, kompakt zu verschieben und bewusst auf Konterchancen zu warten. Flexibilität ist das neue spanische Stichwort. So gewann De la Fuente auch 2004 den Europameisterschaftstitel. Spanien wirkt reifer und bereit, auch bei der WM einen Angriff auf den Titel zu starten. So hat Spanien bisher bei Weltmeisterschaften abgeschlossen Insgesamt 16 WM-Teilnahmen stehen schon in den Geschichtsbüchern von "La Roja". In dieser Zeit gelang es jedoch nur ein einziges Mal, den Titel zu gewinnen, bei allen anderen Teilnahmen schafften es die Spanier nie übers Viertelfinale hinaus. Historischer Tiefpunkt war das Turnier 2014, als sie als amtierender Welt- und Europameister starteten, jedoch schon in der Gruppenphase scheiterten. Warum eigentlich "La Roja"? Übersetzt bedeutet "La Roja" "Die Rote" und bezieht sich hauptsächlich auf die Trikotfarbe der Spanier. Geprägt wurde der Spitzname Anfang der 2000er-Jahre und stellt eine Abwandlung des früheren Spitznamens "La Furia Roja"("die rote Furie") dar.