G20 statt G7: Russland-Ausschluss als Knieschuss für das traditionelle Format
Ein Jahr nach der Ausladung unternimmt Russland keinerlei Versuche, in den Club zurückzukehren. So mancher Westpolitiker wird sich wohl verkalkuliert haben, falls er dachte, man könne mit dem Ausschluss und der vagen Perspektive einer erneuten Rückkehr einen zusätzlichen Hebel für die Steuerung der russischen Politik schaffen. Mit einer solchen Einstellung muss man Putin wenig zugehört haben, als dieser bereits bei diversen Gelegenheiten seinen Standpunkt zu solchen Gipfeltreffen erklärte. Das vermeintliche Prestige, das mit der Teilnahme an der G8 verbunden ist, ist für Russland kein Selbstzweck. Wegen dem angeblichen "Privileg, daneben sitzen zu dürfen", werde Russland nicht seine Politik in den für das Land lebenswichtigen Bereichen ändern, so wie das die anderen Teilnehmer erwarten. Gute Beziehungen zum Westen und eine oberflächliche Akzeptanz seien in den letzten 24 Jahren nur durch ständiges Nachgeben Russlands möglich gewesen, doch das könne so nicht weitergehen.
Schon jetzt ist deutlich, dass die angestrebte internationale Isolation Russlands dem Westen nicht gelingt. Russland hat seine Zusammenarbeit mit den BRICS-Staaten vertieft und orientiert seine Wirtschaft, darunter auch die Energiewirtschaft, nach Asien um. Zusammen mit anderen Staaten arbeitet Russland an der Gründung alternativer Strukturen für die globale Wirtschaft, wie etwa eine Entwicklungsbank und eine Ratingagentur. Im bilateralen Handel wird immer mehr auf nationale Währungen umgestellt. Im Inland wird verstärkt auf Importersatz und eigene Zahlungssysteme gesetzt. In der Praxis führen die Schritte des Westens, die auf eine Manifestierung der westlichen Dominanz abzielen, unfreiwillig zu mehr Multipolarität und Autarkie.
Ein weiteres sichtbares Merkmal dieser Entwicklung ist, dass die G20 der G8/G7 immer mehr den Rang abläuft. Im Rahmen der G20 lassen sich Lösungen für globale Probleme viel effizienter diskutieren und hier hat Russland deutlich mehr Gleichgesinnte. Der Westen wird immer mehr lernen müssen, dass die Zeiten des einseitigen Diktats vorbei sind und man nur durch ehrlichen Interessensausgleich auf der Weltbühne weiterkommt. Sonst wird man eben auf langweiligen "Prestige"-Veranstaltungen wie der G7 ergebnislos schaulaufen.