BASF: Chemiekonzern unter neuer Führung
Von Daniel Bernock
Ludwigshafen. Schon als 2010 ein Nachfolger für den damaligen BASF-Chef Jürgen Hambrecht gesucht wurde, hörte man immer wieder den Namen Martin Brudermüller. Der leitete damals von Hongkong aus das Asien-Geschäft. Dem damaligen Aufsichtsrats-Chef Eggert Voscherau, so hört man, habe es jedoch gestört, dass Brudermüller mit Blick auf den Chef-Posten zu siegesgewiss aufgetreten sei. Und so erhielt sein interner Konkurrent Kurt Bock, damals Finanzvorstand, das Mandat, den größten Chemiekonzern der Welt als Vorstands-Chef zu leiten.
Mit dieser Vorgeschichte scheint der am gestrigen Donnerstag bekannt gegebene Schritt wenig überraschend: Mit Ablauf der Hauptversammlung am 4. Mai 2018 wird der bisherige stellvertretende Vorstandsvorsitzende und Technologie-Chef, Brudermüller (56), das Amt als Vorsitzender des Vorstands von Bock übernehmen. Damit soll ermöglicht werden, so die BASF, dass Bock nach einer zweijährigen Pause - die sogenannte "Cooling-Off-Periode" - im Jahr 2020 in den Aufsichtsrat ziehen und dort die Nachfolge von Jürgen Hambrecht (71) als Aufsichtsrats-Chef übernehmen kann.
Unerwartet für Beobachter des Unternehmens ist hingegen der Zeitpunkt des Wechsels an der Vorstands-Spitze. Die Amtszeit Bocks (59) wäre noch bis 2021 gelaufen. Erst im Sommer 2015 hatte das Unternehmen den Vertrag des gebürtigen Westfalen um fünf Jahre verlängert.
"Der Wechsel im nächsten Jahr ist Teil der langfristigen Nachfolgeplanung für Aufsichtsrat und Vorstand der BASF", sagte Jürgen Hambrecht gestern laut Mitteilung. In den vergangenen sieben Jahren habe Bock die BASF "entscheidend geprägt und erfolgreich weiterentwickelt", so der Aufsichtsratsvorsitzende.
Kurt Bocks Amtszeit war in der zweiten Hälfte vor allem durch die niedrigen Ölpreise geprägt, die der BASF zu schaffen machten. Der Verkauf der Erdgashandelsaktivitäten an den russischen Gaskonzern Gazprom sorgte ebenfalls für einen niedrigeren Umsatz und Gewinn. Das Geschäft mit Basis-Chemikalien läuft dank der robusten Weltwirtschaft hingegen gut. In die Amtszeit von Bock fällt auch das schwere Unglück im Landeshafen Nord im Oktober 2016 mit fünf Toten, das durch einen Mitarbeiter einer Fremdfirma verursacht wurde, der bei Revisionsarbeiten eine falsche Leitung angesägt hatte. Unter Bock hat die BASF auch eine neue TDI-Anlage in Ludwigshafen in Betrieb genommen - mit Kosten in Höhe von einer Milliarde Euro war das die größte Investition am Standort. Zuletzt hatte die Anlage jedoch immer wieder für Probleme gesorgt und war mehrfach ausgefallen.
Bocks Nachfolger Brudermüller ist promovierter Chemiker und dürfte sich mit der Produktseite des Konzerns besser auskennen als Bock, der eher in der Finanzwelt zuhause ist. Es wird sich zeigen, ob Brudermüller strategisch einen neuen Weg einschlägt. Die Chemiebranche ist jedenfalls derzeit so stark im Wandel wie lange nicht. Zuletzt hatte es mehrere große Deals gegeben, etwa die Monsanto-Übernahme durch Bayer oder die Fusion von Dow Chemical und DuPont.
Mit der Besetzung Brudermüllers ist sich die BASF in einer Sache treu geblieben: Der Ludwigshafener Konzern rekrutiert Vorstands-Chefs stets aus den eigenen Reihen. Fast 30 Jahre arbeitet Brudermüller bei BASF.