„Tatort“ mit Ballauf und Schenk: Endzeitstimmung im Atombunker – beklemmender Krimi aus Köln
Ein junger Mann ist tot, seine Schwester verschwunden: Der „Tatort“ aus Köln spielt im Prepper-Milieu und führt die Kommissare in Bunkeranlagen des Kalten Krieges.
- 3 von 5 Punkten
- Ein Krimi, der den Spagat zwischen fiktiver Bedrohungslage und echtem Mordfall versucht
Worum geht’s in diesem „Tatort“?
In einem Park in der Kölner Innenstadt wird die Leiche von Linus Makris gefunden. Dem jungen Mann wurde die Kehle aufgeschlitzt. Auf dem Handy des Opfers finden die Ermittler Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) eine Sprachnachricht von Makris’ Schwester, Elara Schmidtke (Katharina Schüttler). Die hat verzweifelt versucht, ihren Bruder zu erreichen, und am Ende nur auf die Mailbox gesprochen. Dort ist zu hören, wie Schmidtke mit zittriger Stimme sagt: „Ich schaff’ das nicht ohne dich. Wir wissen doch beide, dass der gefährlich ist. Ich habe solche Angst.“ Die ersten Ermittlungen führen Ballauf und Schenk in das private Umfeld der Geschwister. Die Kommissare finden heraus, dass Schmidtke ein Survival-Training bei dem Überlebensexperten Moritz Zechmann (Florian Stetter) gebucht hat. Der Workshop findet in einem Bunker statt. Wo genau der sich befindet, ist geheim. Ballauf und Schenk ist aber klar, dass Elara Schmidtke nach dem Tod ihres Bruders ebenfalls in Gefahr schwebt.
Warum lohnt sich der Fall „Die letzten Menschen von Köln“?
Für die Handlung des Krimis wählten die Macher (Regie: Marcus Weiler, Drehbuch: Eva und Volker A. Zahn) einen außergewöhnlichen Schauplatz: den ehemaligen Zivilschutzbunker in Köln‑Kalk. Die weitläufige Anlage wurde Ende der Siebziger während des Kalten Krieges gebaut und sollte im Fall eines Atomangriffs rund 2400 Menschen für maximal zwei Wochen Schutz bieten. Im „Tatort“ sitzen nun fünf Menschen unter der Erde und trainieren das Überleben nach einem möglichen russischen Atomangriff. „Wir sind die letzten Menschen von Köln“, bläut Survival-Experte Moritz Zechmann den Teilnehmenden ein. Und, dass man im Notfall auch töten müsse, um zu überleben.
Die beengten Verhältnisse und das gegenseitige Misstrauen innerhalb der Gruppe sorgen dafür, dass die Situation immer angespannter wird. Was als Experiment begann, wird am Ende zum realen Überlebenskampf. Dabei glänzt vor allem Schauspielerin Katharina Schüttler (als Elara Schmidtke) durch ihr eindringliches Spiel. Für die 46-Jährige ist es ein Comeback beim Kölner „Tatort“. 1997 verkörperte sie in der Episode „Bombenstimmung“ eine Schülerin, die ihren Lehrer der Vergewaltigung beschuldigt.
Spannend sind auch die szenischen Wechsel zwischen Ober- und Unterwelt. Während im Bunker der Weltuntergang geprobt wird, sorgt an der Oberfläche eine gefundene Weltkriegsbombe für echte Herausforderungen.
Was stört?
Es gab schon so einige Sonntagskrimis, die sich mit Preppern beschäftigt haben, und die Erzählung ist oft die gleiche: Es handelt sich um irre Spinner, die den Bezug zur Realität vollkommen verloren haben. Eine neutrale Auseinandersetzung mit der Szene scheint kaum möglich. Auch die Geschichte in diesem „Tatort“ ist am Ende arg konstruiert und deshalb über weite Strecken unglaubwürdig. So stark das Setting auch sein mag, die Schwächen des Drehbuchs kann es nicht vollständig wettmachen.
Die Kommissare?
Ballauf und Schenk blicken eher skeptisch auf die Prepper-Szene und amüsieren sich über gehortete Dosensuppen und haltbares Brot im Keller. Als Schenk berichtet, dass er einen Kumpel habe, der einen Bunker als Weinkeller nutze, kontert Ballauf: „Das ist doch eigentlich eine ganz gute Idee: sich das Ende schön zu saufen.“ Ihre Arbeit erledigen die Kommissare mit gewohntem Eifer und Engagement, während ihr Assistent Norbert Jütte (Roland Riebeling) wieder im Büro ausharrt und in aller Seelenruhe vom Schreibtisch aus ermittelt.
Ein- oder ausschalten?
Erst die Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern, dann Untergangsstimmung im „Tatort“. Wer sich am Sonntagabend nicht die Laune verderben will, lässt den Fernseher lieber aus – oder schaut im ZDF das Gegenprogramm. Dort läuft die heile Welt von „Inga Lindström“.