„New Glenn“: Eine Explosion, lauter als Tschernobyl
Im Mai gab es eine Explosion der Rakete von Amazon-Gründer Jeff Bezos. Nun werten Forscher aus: Die Schallwellen waren noch über 1000 Kilometer entfernt hörbar.
Sie sollte nicht einmal starten und trotzdem ging etwas gehörig schief: Als eine „New Glenn“-Rakete des Start-ups Blue Origin am 28. Mai in Cape Canaveral in Florida als Test ein Triebwerk zünden wollte, stiegen plötzlich Flammen auf. Nur wenige Sekunden später verwandelte sich die Rakete in einen gewaltigen Feuerball. Die Explosion färbte den Himmel orange.
Es war ein Rückschlag für die Raumfahrtambitionen des Milliardärs und Amazon-Gründers Jeff Bezos, der hinter Blue Origin steht. Die Explosion selbst aber beschäftigt Wissenschaftler bis heute. Denn sie schickte Schallwellen bis zu 1600 Kilometer weit. Selbst in Texas war die Explosion vernehmbar, wenn auch in Frequenzen unterhalb des menschlichen Hörvermögens. Zu diesem Schluss kommt zumindest eine Studie der Physiker Elizabeth Silber und Logan Scamfer, die nun im Fachjournal „The Seismic Record“ veröffentlicht wurde.
Explosion durch ein gestörtes Sauerstoffventil verursacht
Die Sprengkraft der Explosion beziffern die Forscher auf 0,131 Kilotonnen TNT. Das wäre etwas mehr als die Anfangsexplosion des Kernkraftwerks in Tschernobyl. Dort explodierte am 26. April 1986 um 01.23 Uhr der Kernreaktor des Blocks 4. Die Auswirkungen erstreckten sich durch radioaktiven Regen über ganz Europa.
Bei der „New Glenn“-Rakete wurde die Explosion offenbar durch ein gestörtes Sauerstoffventil verursacht. „Die Störung ging vom Hauptsauerstoffventil eines der BE-4-Triebwerke aus, was später durch die Bergung der Hardware und entsprechende Untersuchungen bestätigt wurde“, schrieb Dave Limp, CEO von Blue Origin, im August auf der Plattform X. Im Nachgang habe man umfangreiche Tests durchgeführt.
Mit Blue Origin will Jeff Bezos eigentlich Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX Konkurrenz machen. Die Explosion brachte dabei allerdings einiges durcheinander. Medienberichten zufolge wird allein die Reparatur der Startvorrichtung über ein Jahr dauern. Ob noch einmal eine „New Glenn“-Rakete abheben soll, ist unklar.