Vergewaltigungs-Prozess: Betäubt, vergewaltigt, gefilmt? - Prozess gegen 39-Jährigen
Missbrauch, von dem Videos im Internet kursieren, ist längst kein Einzelfall mehr. In Hannover beginnt nun ein neuer Prozess. Die Dimensionen der Vorwürfe sind erschreckend.
In mehr als 100 Fällen und über mehrere Jahre soll ein Mann aus Hannover seine Freundin betäubt, vergewaltigt und die Taten gefilmt haben. Die Videos soll er weitergeleitet und im Internet hochgeladen haben. Am Donnerstag beginnt in der niedersächsischen Landeshauptstadt der Prozess gegen den 39-Jährigen.
Mit fünf Zeilen informierte das Landgericht Hannover vorab über den Prozess. Demnach soll der Angeklagte seiner damaligen Freundin zwischen November 2021 und März 2026 in 103 Fällen in der gemeinsamen Wohnung in Ronnenberg ein Schlafmittel oder Ketamin verabreicht haben, um sie zu betäuben. Als die Frau das Bewusstsein verloren hatte, soll der Mann sexuelle Handlungen an ihr vorgenommen haben.
Anklage: Missbrauch-Videos verteilt und hochgeladen
Der Angeklagte soll die Taten gefilmt und die Videos an andere Menschen weitergeleitet und auf Internetplattformen hochgeladen haben. Für den Prozess gegen den 39-Jährigen ist nach dem Auftakt am Donnerstag nur ein Fortsetzungstermin am Freitag, 25. September, geplant. Ob dann schon ein Urteil möglich ist, blieb zunächst unklar. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Der Fall weckt Erinnerungen an den Missbrauchsskandal um Gisèle Pelicot. Die Französin wurde von ihrem damaligen Ehemann über knapp zehn Jahre mit Medikamenten betäubt, missbraucht und Dutzenden Fremden zur Vergewaltigung angeboten. Neben ihrem Ex-Mann wurden 50 Mittäter im Jahr 2024 zu langen Haftstrafen verurteilt.
Schlag von internationalen Fahndern gegen Netzwerk
In diesem Sommer gingen internationale Ermittler erstmals gezielt gegen Online-Netzwerke von Männern vor, die ihre Partnerinnen betäuben, dann sexuell missbrauchen und Aufnahmen davon ins Netz stellen. 156 mutmaßliche Opfer und Täter seien identifiziert worden, teilte Europol damals in Den Haag mit. An dem „Projekt Medusa“ waren maßgeblich das Bundeskriminalamt (BKA) und das Hamburger Landeskriminalamt beteiligt.
Erst vor wenigen Wochen räumte ein 68-Jähriger vor dem Landgericht Berlin ähnliche Übergriffe auf 14 Frauen ein. Er war nach einem Hinweis der Polizei in Verden an der Aller in Niedersachsen ins Visier geraten. Die Vorwürfe gegen ihn lauten unter anderem Vergewaltigung, gefährliche Körperverletzung und Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs.