Mehr Auswahl klingt nach einem Vorteil, kann Anlegerinnen und Anleger aber schnell überfordern. Wie Sie im ETF-Dschungel den Überblick behalten und worauf es bei der Auswahl wirklich ankommt. In Deutschland kommen jedes Jahr etwa 250 bis 300 neue ETFs auf den Markt – das entspricht rund 20 bis 25 Neuerscheinungen im Monat. Weltweit wächst das Angebot noch schneller: Im Rekordjahr 2025 wurden laut dem unabhängigen Marktforschungs- und Beratungsunternehmen ETFGI insgesamt 2.759 neue ETFs aufgelegt. Doch damit steigt auch das Risiko, den Überblick zu verlieren. Weltweit gibt es inzwischen mehr als 16.000 ETFs, in Deutschland sind rund 3.000 handelbar. Die enorme Auswahl kann Anlegerinnen und Anleger überfordern und die Entscheidung für ein Produkt unnötig kompliziert machen. Dabei lässt sich die Auswahl mit einer einfachen Filterstrategie erheblich verkleinern. Zu viel Auswahl: Warum 3.000 ETFs die Entscheidung erschweren ETFs sind bei deutschen Anlegerinnen und Anlegern längst kein Nischenprodukt mehr. Das zeigt eine repräsentative Civey-Umfrage im Auftrag des Finanzratgebers "Finanztip" unter 5.000 Befragten. Fast zwei Drittel der ETF-Anlegerinnen und -Anleger, 64 Prozent, sind demnach in den vergangenen sechs Jahren eingestiegen. Doch mit der Beliebtheit wächst auch das Angebot – und damit ein Problem, das nach dem Psychologen Barry Schwartz als "Paradox of Choice", auf Deutsch: Auswahlparadox, bekannt ist. Je mehr Möglichkeiten zur Verfügung stehen, desto schwerer fällt die Entscheidung. Gleichzeitig steigt das Risiko, im Nachhinein mit der eigenen Wahl unzufrieden zu sein. Trend Geldmarkt-ETFs: So kommen dauerhaft Zinsen auf Ihr Konto Nicht alles auf eine Karte: Deshalb sollten Sie Ihr Geld nie nur in ETFs investieren Das spiegelt sich in der Umfrage wider: 22 Prozent der Menschen, die ETFs kennen, halten sie für schwer vergleichbar. Kein anderer genannter Nachteil wird häufiger angeführt. 17 Prozent finden, ETFs eigneten sich eher für erfahrene Anleger, und 15 Prozent meinen, sie bergen zu viele Risiken. Grundsätzlich fällt das Urteil über ETFs dennoch positiv aus. Mehr als die Hälfte der Befragten, 55 Prozent, hält sie für geeignet, um langfristig Vermögen aufzubauen. 64 Prozent sehen vor allem die breite Streuung über viele Unternehmen, Länder und Währungszonen als Vorteil. Timo Halbe, Experte für Geldanlage bei "Finanztip", beobachtet deshalb eine Verschiebung bei den Fragen der Anleger: "Vor wenigen Jahren stand noch die Frage im Vordergrund, was ETFs überhaupt sind. Heute fragen viele: Welcher ETF passt zu mir?" 3.000 ETFs – aber längst nicht 3.000 unterschiedliche Lösungen Die gute Nachricht: Sie müssen nicht wissen, für welche Anlageziele alle 3.000 in Deutschland handelbaren ETFs stehen. Denn ein großer Teil der Auswahl besteht aus ähnlichen Produkten. Allein für bekannte Indizes wie den MSCI World gibt es Dutzende ETFs unterschiedlicher Anbieter, darunter iShares, Xtrackers, Vanguard und Amundi . Sie bilden jeweils denselben Index ab. Gleichzeitig kommen fortlaufend hochspezialisierte Themen-ETFs auf den Markt. Sie setzen beispielsweise auf Cybersecurity, Wasserstoff oder KI-Aktien. Hinzu kommen Produkte wie gehebelte ETFs. Solche Anlagen verhalten sich eher wie riskante Einzelaktien als wie breit gestreute Vermögensanlagen. Wer langfristig Vermögen aufbauen möchte, kann deshalb einen großen Teil des ETF-Angebots bereits zu Beginn der Suche ausblenden. Welcher ETF aus 3.000 passt zu Ihnen? Für den langfristigen Vermögensaufbau reicht in vielen Fällen bereits ein kostengünstiger Aktien-ETF, der weltweit investiert, erklärt Timo Halbe. "Finanztip" hat aus der Vielzahl der angebotenen Produkte 35 ETFs herausgefiltert, die einen weltweit streuenden Aktienindex abbilden. 19 davon bewertet die Expertenredaktion als empfehlenswert. Selbst Börsenprofis kaufen: Warum ein einfacher Sparplan oft der erfolgreichste ist Es ist nie zu spät: So holen Sie auch mit 70 das Beste aus Ihrem Geld heraus Die Fonds unterscheiden sich unter anderem beim zugrunde liegenden Index, bei den Kosten und bei der Qualität der Indexnachbildung. Besonders breit streuen sogenannte Alle-Länder-ETFs. Sie bilden Indizes wie den MSCI ACWI IMI , den FTSE All-World oder den MSCI ACWI ab und investieren sowohl in Unternehmen aus Industrie- als auch aus Schwellenländern. Mit einem solchen ETF können Anlegerinnen und Anleger laut Halbe in bis zu 99 Prozent des weltweiten Aktienmarktes investieren. Niedrige Kosten sind wichtig, aber die TER erzählt nicht alles Im nächsten Schritt lohnt sich der Blick auf die Kosten. Ein wichtiges Merkmal ist die Gesamtkostenquote, die sogenannte Total Expense Ratio (TER) . Bei klassischen, breit gestreuten Aktien-ETFs gilt eine Kostenquote von weniger als 0,15 Prozent pro Jahr als sehr gut. Eine TER zwischen 0,15 und 0,30 Prozent pro Jahr gilt als gut. Doch die niedrigste TER macht einen ETF nicht automatisch zum besten Produkt. Entscheidend sei auch, wie gut der Fonds seinen Index langfristig nachbildet, erklärt Halbe. Erst daran zeige sich, welche tatsächlichen Kosten Anlegerinnen und Anleger tragen. Themen-ETFs versprechen Trends und erhöhen das Risiko Bei ETFs, die gezielt auf einzelne Trends oder Branchen wie Künstliche Intelligenz, Wasserstoff oder Cybersecurity setzen, raten die Experten von "Finanztip" zur Vorsicht. Solche Produkte streuen das investierte Geld deutlich weniger breit und sind damit riskanter als weltweit anlegende ETFs. Expertin erklärt: Warum eine Million Euro heute nicht mehr reich macht Zu viel Gier, zu wenig Geduld: Die teuersten Fehler bei der Geldanlage Zudem stehen Fondsanbieter unter Druck, immer wieder neue Trends zu besetzen und frisches Geld von Anlegerinnen und Anlegern einzusammeln, auch wenn sich die entsprechenden Produkte nicht für den langfristigen Vermögensaufbau eignen. Rund 75 bis 80 Prozent der Neuerscheinungen sind derzeit aktive ETFs. Anders als passive ETFs bilden sie keinen Index nach festen Regeln ab, sondern versuchen mithilfe eines aktiven Managements, den Markt zu schlagen. "Finanztip" empfiehlt deshalb passive ETFs, die einen Index nach festen Regeln nachbilden. Das Ziel einer aktiven Strategie, besser als der Marktdurchschnitt abzuschneiden, werde äußerst selten erreicht, erklärt Halbe. Wie stark das Angebot dennoch wächst, zeigt die Entwicklung der aktiven ETFs: In Deutschland sind inzwischen 496 aktive ETFs handelbar. Seit Sommer 2020 hat sich ihre Zahl damit mehr als verzehnfacht. Fazit: Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet die enorme Auswahl deshalb nicht zwangsläufig, dass auch die Geldanlage komplizierter werden muss. Wer für den langfristigen Vermögensaufbau zunächst breit gestreute Welt-ETFs herausfiltert und anschließend Kosten sowie Qualität der Indexnachbildung vergleicht, kann Tausende Produkte von vornherein aus seiner Suche streichen. Gerade bei mehr als 3.000 ETFs kann weniger Auswahl oft zu einer besseren Entscheidung führen.