Ausgerechnet als Donald Trump erstmals beim White House Correspondents' Dinner erscheint, endet die Gala mit Panik und Schüssen. Es ist mehr als ein Schockmoment. Ein Land blickt in seine eigenen Abgründe. Bastian Brauns berichtet aus Washington Vielleicht hat hier alles angefangen. Mit einer öffentlichen Demütigung. Zumindest soll Donald Trump es damals so empfunden haben. Vor 15 Jahren war er beim legendären White House Correspondents' Dinner im Hilton Hotel – als Privatgast. Denn US-Präsident war 2011 noch Barack Obama . Vor der versammelten medialen und politischen Elite des Landes stichelte Obama auf der Bühne gegen den im Publikum sitzenden Trump. Denn der hatte ihm öffentlich mit rassistischen Tönen unterstellt, in Wahrheit gar nicht in den USA geboren worden zu sein und deshalb unrechtmäßig Präsident zu sein. Obama präsentierte daraufhin seine Geburtsurkunde und gab Donald Trump einen sarkastischen Rat mit: Er sollte sich doch besser um die wirklich wichtigen Dinge kümmern. Etwa um die Verschwörungstheorie, nach der die Amerikaner die Mondlandung gefälscht hätten. Zwischenfall bei Dinner: Donald Trump und Melania nach Schüssen evakuiert "Absolut inakzeptabel": Politiker reagieren auf Anschlag bei Dinner mit Trump Anlässlich des Gelächters im Saal soll Trump damals seinen Entschluss gefasst haben, es der von ihm so verhassten Elite des Landes so richtig zu zeigen und selbst als Präsident zu kandidieren. In seiner ersten und auch in seiner zweiten Amtszeit hatte Trump sich als einziger moderner Präsident dann geweigert, an diesem bekannten Dinner teilzunehmen. Trumps Rückkehr – und das jähe Ende An diesem 25. April 2026 sollte es nun so weit sein. Trump kommt tatsächlich erstmals zum White House Correspondents' Dinner – gemeinsam mit der First Lady Melania, seinem Vizepräsidenten JD Vance und der gesamten Kabinettsmannschaft aus Ministerinnen und Ministern. Fast die komplette US-Regierung versammelt sich in einem Raum mit Hunderten Hauptstadtjournalisten. Wohl kaum eine Veranstaltung in Washington dürfte je ein solcher Albtraum für die Sicherheitsbeamten des Secret Service sein. Doch schon nach wenigen Minuten findet diese Veranstaltung ihr jähes Ende. Dumpf knallen mehrere Schüsse, Schreie von Sicherheitskräften hallen durch den Saal. Mit Maschinengewehren im Anschlag rücken sie an, durchkämmen die eng angeordneten Stuhlreihen. Journalisten und Politiker suchen Schutz unter den bereits eingedeckten Esstischen. Erst ungläubig, dann verwirrt, dann alarmiert sitzt Donald Trump neben seiner Frau auf dem Podium an einem Tisch. Sekunden der Panik und alle Mächtigen versammelt Dann werden er und auch der Vizepräsident JD Vance von Beamten des Secret Service niedergerungen und abgeschirmt im Kriechgang evakuiert. Es sind Szenen, die an das Attentat in der Stadt Butler während Trumps Wahlkampf 2024 erinnern. Oder an die Schüsse auf den rechten Aktivisten Charlie Kirk an der Universität in Utah im Jahr 2025. Verletzt wird dieses Mal niemand. Doch der Schock sitzt bei vielen Anwesenden tief. Trump erzählt später, er habe den Abend weiterlaufen lassen wollen. Es wäre eine Geste der Stärke gewesen, wie seine hochgereckte Faust damals in Butler, als die MAGA-Menge "Fight, Fight, Fight" gerufen hatte. Doch das Sicherheitsprotokoll und die ermittelnden Behörden setzen sich durch. Das Dinner wird abgebrochen und soll innerhalb der kommenden 30 Tage neu angesetzt werden. Trump spricht von "kranker Person" Trump will wieder kommen. Schließlich hat er eine gesalzene Rede vorbereitet, wie er wenig später im Presseraum des Weißen Hauses sagt. Diebisch scheint er sich gefreut zu haben, denn die Rede, sagt er, wäre wohl als ziemlich "unangemessen" empfunden worden. Fast wirkt es so, als habe der mutmaßliche Täter, ein 31 Jahre alter Mann aus Kalifornien , ihm letztlich an diesem Abend schlicht den Spaß verdorben. Er soll aus Kalifornien kommen: Dieser 31-Jährige ist der mutmaßliche Schütze Der Umstand, dass es sich womöglich bei dem Vorfall um ein weiteres Attentat auf gehandelt haben könnte, wischt der Präsident beiseite. "Die Leute sind verrückt", sagt er im Weißen Haus. Eine mögliche politische Motivation, die sich gegen seine Politik richten könnte – davon will er an diesem Abend wenig wissen. Schließlich seien in dem Saal Demokraten, Republikaner und alle möglichen Journalisten gewesen. Der Täter ist für ihn zur Stunde nicht mehr und nicht weniger als eine "kranke Person". Ein "einsamer Wolf", der allein gehandelt habe. "Ich lasse nicht zu, dass diese kranken Menschen, diese Verbrecher, diese abscheulichen Menschen unser Leben verändern." Er hasse es, zuzugeben, dass er sich dadurch sogar "geehrt fühle", so Trump. Aber er habe nun mal viel geleistet. "Wenn man etwas bewirkt, wird man verfolgt...Wenn man nichts bewirkt, lassen sie einen in Ruhe", sagt der Präsident. Versöhnliche Worte für verstörtes Landes Trump gibt sich kurz nach dem vereitelten Anschlag politisch auffällig versöhnlich. Er lobt die Präsidentin der White House Correspondents' Association und auch Medien für ihre angemessene Berichterstattung. Er selbst hält sich in diesen Stunden hingegen nicht an das in solchen Gewaltsituationen gewöhnliche Prozedere. Noch bevor er vor die Presse tritt, verbreitet Trump zwei Fotos, die den tatverdächtigen Mann am Boden liegend und gefesselt zeigen. Dazu das Video einer Überwachungskamera aus dem Hotel, bei dem der Moment zu erkennen ist, in dem der Täter durch die Sicherheitskontrolle stürmt. Der Präsident wirkt bei seinem Auftritt beinahe zu Scherzen aufgelegt. Er habe vorher nicht gewusst, was für ein gefährlicher Job es sei, Präsident zu sein. "Hätte ich das gewusst, wäre ich vielleicht nicht angetreten", sagt Trump etwa. Darum sei sein im Bau befindlicher, kugelsicherer Ball ja so notwendig. Damit so etwas nicht vorkommen könne, so Trump. Nach Schüssen bei Dinner: Trump wirbt nach Schüssen für Ballsaal Tatsächlich leben gerade US-Präsidenten ziemlich gefährlich. Schon mehrere wurden in der 250. Jahre langen Geschichte des Landes ermordet oder versucht zu ermorden, darunter Abraham Lincoln und John F. Kennedy . Das Hilton ist überdies jenes Hotel in Washington, vor dem der Attentäter John Hinckley Jr. im Jahr 1981 versucht hat, den damaligen Präsidenten Ronald Reagan zu ermorden. In den sozialen Netzwerken kennt die Wut vieler Trump-Anhänger nun kaum Grenzen. Einmal mehr werden Demokraten und Medien dafür verantwortlich gemacht, den Hass auf Trump zu säen und darum auch für solche Taten verantwortlich zu sein. In dem politisch tief gespaltenen Land bedeutet dieser erneute Anschlag wenig Gutes. Zwar gab es dieses Mal keine Opfer. Doch die anwesende politische und mediale Prominenz hebt den Vorfall auf neues Niveau. Der Besuch von politischen Veranstaltungen dieser Art ist in den USA im Zweifel lebensgefährlich. Die Entgrenzung mutmaßlicher politischer Gewalt geht weiter. Ihre Normalisierung ist Amerikas große Gefahr.