Globaler Engpass bei Harnstoff: Düngemittelpreise steigen deutlich
Der Weltmarkt für Harnstoff steht unter spürbarem Druck. Das wichtigste stickstoffhaltige Düngemittel mit einem Stickstoffgehalt von 46 Prozent verteuert sich seit Wochen dynamisch und erreicht neue Mehrjahreshöchststände. Die Landwirtschaft trifft die Entwicklung in einer Phase, in der vielerorts die Aussaat vorbereitet wird.
Am 15. April 2026 lag der globale Referenzpreis bei rund 720 US-Dollar pro Tonne. Damit hat sich Harnstoff gegenüber dem Vorjahr um etwa 80 Prozent verteuert.
Auch im Monatsvergleich zeigt sich ein klarer Anstieg von rund 20 Prozent. In Europa bewegen sich die Importpreise teilweise bereits über 800 Euro pro Tonne, in einzelnen Ausschreibungen werden vereinzelt noch höhere Niveaus genannt.
Harnstoff ist nicht nur ein landwirtschaftlicher Input. Er wird auch in der chemischen Industrie, in der Kosmetikproduktion sowie in der Herstellung von AdBlue für Abgasnachbehandlungssysteme verwendet. Diese breite industrielle Nutzung erhöht die Preissensibilität, sobald das Angebot unter Druck gerät.
Belastet wird der Markt vor allem durch die Lage im Nahen Osten sowie durch Einschränkungen zentraler Transport- und Handelsrouten.
Selbst gebaute Krise: Der Iran-Krieg als Auslöser
Die Straße von Hormus, über die ein erheblicher Teil der globalen Düngemittel- und Energieexporte abgewickelt wird, ist derzeit nur eingeschränkt nutzbar.
Mehrere Produzenten im Persischen Golf können ihre Exportmengen nur reduziert oder unregelmäßig ausführen. Viele Tanker bleiben faktisch in den Häfen oder vor der Passage liegen.
Zusätzlich wirkt die Kostenstruktur der Produktion preistreibend. Erdgas ist der zentrale Rohstoff für die Herstellung von Harnstoff und macht einen erheblichen Teil der Gesamtkosten aus.
Die anhaltende Unsicherheit durch Zölle, Handelsbeschränkungen und den Iran-Konflikt in Kombination mit logistischen Störungen verstärkt den Druck auf die Produktionsmargen und damit auf die Endpreise.
Düngemittel gehören zu den größten variablen Kosten in der Pflanzenproduktion. Viele Betriebe überlegen bereits, wie viel sie noch ausbringen können, reduzieren die Mengen oder passen ihre Anbaupläne an – etwa indem sie auf weniger düngerintensive Kulturen umstellen oder schwächere Flächen vorerst ruhen lassen.
Für die Landwirtschaft hat diese Preisentwicklung spürbare Konsequenzen
Die Folgen für die Erträge zeigen sich meist erst mit Verzögerung, oft erst bei der nächsten Ernte. Und was auf dem Feld weniger wächst, kann sich später auch in den Regalen und an den Lebensmittelpreisen bemerkbar machen.
Der Markt steht derzeit unter starkem Druck. Die saisonal hohe Nachfrage vor der Pflanzsaison trifft auf bereits sinkende Lagerbestände. Gleichzeitig haben der Iran-Konflikt sowie die durch Zollkonflikte und Inflation ausgelösten Unsicherheiten die Preissteigerung zusätzlich deutlich beschleunigt.
Ob sich die Lage kurzfristig stabilisiert, ist unklar. Energie- und Dieselpreise steigen weiter, während die Regierungen sich eher um Benzinpreise für Verbraucher kümmern als um die Belastungen der Bauern. Ein Ende des Preisdrucks ist nicht in Sicht, der Markt dürfte volatil bleiben.
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