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Waffenstillstand mit Iran bedeutet nicht, dass "Risikoaufschlag" bei Ölpreisen sofort wegfällt

Von Georgi Bowt

Der Krieg gegen Iran erschütterte die Weltwirtschaft, insbesondere die Energiemärkte. Selbst bei einem positiven Ausgang der US-amerikanisch-iranischen Verhandlungen (dessen Erfolg keineswegs garantiert ist) wird es nicht gelingen, schnell aus dieser Situation herauszukommen.

Für die russische Wirtschaft bringt die Situation kurzfristig zusätzliche Einnahmen für den Staatshaushalt mit sich. Dies ist besonders aktuell nach dem Rückgang der Öl- und Gaseinnahmen zu Jahresbeginn aufgrund gesunkener Weltmarktpreise, des Sanktionsdrucks und der Angriffe auf die Exportinfrastruktur (im Zeitraum Januar bis März betrug der Rückgang im Jahresvergleich etwa 45 Prozent und belief sich auf 1,44 Billionen Rubel). Vor dem Hintergrund steigender Weltmarktpreise und einer vorübergehenden Lockerung der US-Sanktionen kam es ebenfalls zu einem Preisanstieg für russisches Öl der Sorte Urals (im März lag der Durchschnittspreis bei 77 US-Dollar pro Barrel gegenüber den im russischen Haushalt für 2026 veranschlagten 59 US-Dollar; im Februar hatte er weniger als 50 US-Dollar betragen). Die Blockade der Straße von Hormus trug dazu bei, die auf dem Meer gelagerten russischen Ölvorräte zu realisieren.

Allein durch die Steuer auf die Gewinnung von Bodenschätzen sollten sich die Einnahmen des russischen Staatshaushalts bereits im April verdoppeln (auf etwa 700 Milliarden Rubel; für das gesamte Jahr 2026 sind im Haushalt 7,9 Billionen Rubel Steuereinnahmen vorgesehen, wobei diese Steuer unabhängig vom Export bereits in der Förderphase erhoben wird), was den Druck auf den Haushalt verringern würde. Rechnerisch kann man davon ausgehen, dass bei einem Preis von 65 US-Dollar pro Barrel Öl der Sorte Urals und einem Rubelkurs von etwa 90 Rubel pro US-Dollar der Haushalt zusätzlich bis zu 700 Milliarden Rubel pro Jahr einnehmen könnte. Bei einem Ölpreis von über 80 US-Dollar und einem Wechselkurs von 90 Rubel würden sich die Einnahmen auf bis zu 3,5 Billionen Rubel belaufen. Bei 100 US-Dollar pro Barrel (und einem Wechselkurs von 90 Rubel) wären es fast sechs Billionen Rubel, was das Problem des Haushaltsdefizits lösen würde.

Wie schnell werden sich die Lieferungen von Öl und Flüssigerdgas (LNG) aus dem Nahen Osten normalisieren? Vor dem Krieg flossen etwa 20 Prozent des weltweiten Öl- und LNG-Verbrauchs durch die Straße von Hormus. Im Falle einer vollständigen Wiederaufnahme der Ölexporte könnten die Preise unter 60 bis 70 US-Dollar pro Barrel fallen. Sollte das US-Exportembargo für iranisches Öl aufgehoben werden, kämen zusätzlich 1,5 bis zwei Millionen Barrel pro Tag auf den Markt, was die geltenden Beschränkungen im Rahmen der OPEC+ untergraben könnte (seit Mai wurde die gesamte Quotenmenge um symbolische 206.000 Barrel pro Tag erhöht).

Doch selbst, wenn es zu einem Waffenstillstand im Krieg mit Iran käme, würde dies nicht sofort zu einem Wegfall des "Risikoaufschlags" bei den Ölpreisen führen (die Gefahr einer erneuten Eskalation besteht weiterhin), vor allem, wenn Teheran die Kontrolle über die Straße von Hormus behält. Mit anderen Worten: Es wird nicht zu einer drastischen Senkung der Ölpreise kommen. Die OPEC+ wird den Markt nicht sofort mit Öl überschwemmen, sondern sich zunächst vergewissern, dass die Lieferungen durch die Straße von Hormus stabilisiert sind. Zudem verfügen nur Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate über große freie Kapazitäten.

Auch die Schäden für die Ölindustrie der Golfstaaten werden nicht ohne Folgen bleiben. Nach Schätzungen von Rystad Energy belaufen sich die Gesamtkosten für die Instandsetzung der beschädigten Energieinfrastruktur in dieser Region bereits auf 25 Milliarden US-Dollar; betroffen sind Raffinerien, Kraftstoffterminals, Gasanlagen sowie weitere Öl- und Gastrukturen. Die Lage in Saudi-Arabien scheint am stabilsten zu sein: Saudi Aramco verfügt über eine eigene Service- und Reparaturbasis; dort wird die Behebung der nicht schwerwiegenden Schäden nur wenige Wochen in Anspruch nehmen, sofern die Sicherheit der Exportrouten wiederhergestellt wird. Auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Kuwait und im Irak sind die Zerstörungen größtenteils mäßig. Am problematischsten ist die Lage in Bahrain, wo Iran die BAPCO-Sitra-Raffinerie angriff, wobei zwei Anlagen der Primärölraffination und der Öltankpark beschädigt wurden; hier dürfte die Wiederherstellung viel Zeit in Anspruch nehmen. Insgesamt haben die OPEC+-Mitgliedsländer im Nahen Osten ihre Ölförderung im Zeitraum von Februar bis März 2026 um 38 Prozent oder 7,9 Millionen Barrel pro Tag reduziert.

Was LNG betrifft, ist die Lage jedoch weitaus ernster. Der katarische Komplex Ras Laffan – der weltweit größte LNG-Exportkomplex – wurde besonders hart getroffen, was zu einer Verringerung der Kapazitäten um 17 Prozent oder etwa 12,8 Millionen Tonnen pro Jahr führte. Seine vollständige Wiederherstellung könnte drei bis fünf Jahre in Anspruch nehmen. Ras Laffan ist ein systemrelevanter Lieferant von LNG nach Asien und Europa. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass Europa seine Importe von russischem LNG bereits deutlich erhöhte. Im ersten Quartal dieses Jahres bezog die EU 69 von 71 Ladungen aus dem Projekt Jamal LNG, davon 25 im März. Insgesamt stiegen die Exporte von Jamal LNG im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent. Bislang gibt es jedoch keine Anzeichen dafür, dass die EU das geplante Einfuhrverbot für russisches LNG, das 2027 in Kraft treten soll, überdenken will. Für Kurzzeitverträge gilt dieses Einfuhrverbot bereits. Jedoch ist dies nicht das Ende, sondern erst der Anfang dieser Geschichte: Die Gaspreise könnten nicht nur aufgrund von Lieferausfällen (aus Katar), sondern auch aufgrund von Unsicherheiten hinsichtlich der Dauer der Marktstabilisierung auf einem hohen Niveau bestehen bleiben.

Der Krieg wirkte sich auch auf eine Reihe anderer Produktionszweige aus, wo die Golfstaaten eine wichtige Rolle spielen. So wurden die Lieferketten für Stickstoff- und Phosphatdünger beeinträchtigt, da die Golfregion für die Versorgung mit Harnstoff, Ammoniak, Phosphaten und Schwefel – den wichtigsten Rohstoffen für Phosphatdünger – von entscheidender Bedeutung ist. In Katar selbst führten Betriebsstörungen im Gasverarbeitungskomplex bereits zur Beeinträchtigung der Stickstoffdüngemittelproduktion. Die Produktionskapazitäten in Saudi-Arabien – dem wichtigsten Phosphatlieferanten der Region – blieben zwar nahezu unbeeinträchtigt, doch hängt hier vieles von der Geschwindigkeit der Wiederherstellung der Logistikwege durch die Straße von Hormus ab. Die vollständige Normalisierung des regionalen Düngemittelmarktes kann ebenfalls mehrere Wochen bis mehrere Monate in Anspruch nehmen; darüber hinaus sind freier Zugang zu den Häfen und normale Frachtbedingungen erforderlich. Bis dahin kann Russland als einer der weltweit größten Düngemittelexporteure von der günstigen Marktlage profitieren.

Was Aluminium betrifft, ist die Lage noch kritischer. Es kam zu einem doppelten Schlag: Angriffen auf große Werke und der Unterbrechung der Rohstofflieferungen durch die Straße von Hormus. Hiervon betroffen sind Produzenten, die acht bis neun Prozent der weltweiten Primäraluminiumproduktion abdecken. Am stärksten traf es die Werke in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Bahrain. Hinzu kommt, dass die Aluminiumproduktion aus betrieblicher Sicht eine der "anfälligsten" in der Schwerindustrie ist: Es ist schwierig, sie auf sichere Weise stillzulegen, und noch schwieriger, sie wieder in Betrieb zu nehmen. Zudem importieren die Werke am Golf große Mengen an Aluminiumoxid und Bauxit. Die vollständige Wiederherstellung aller Kapazitäten kann bis zu einem Jahr oder länger dauern.

Allerdings basieren all diese Prognosen auf der Annahme, dass sich die USA und Iran auf eine für beide Seiten akzeptable Lösung einigen können. Derzeit scheinen die Verhandlungspositionen jedoch nicht miteinander vereinbar zu sein, sodass die Gefahr eines erneuten Ausbruchs von Kampfhandlungen weiterhin besteht.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 11. April 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung Rossijskaja Gaseta erschienen.

Georgi Bowt ist ein russischer Politologe, Journalist und Radiomoderator.

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