Sauerkraut-Markt 2019: Dieses Fest ist Helmstadt heilig
Von Tim Kegel und Friedemann Orths
Helmstadt-Bargen. Mit dem seit Urzeiten bewährten Drittelmix aus Landleben, Sommerfrische und schierem Chaos ist der Sauerkrautmarkt am gestrigen dritten Augustmittwoch wieder über das kleine Helmstadt-Bargen hereingebrochen. Tausende Besucher, brodelnde und brutzelnde Vereinsküchen und gut 130 fliegende Markthändler machten das Fest zu dem, was es immer noch ist: ein kleines Phänomen.
Für einmal rundrum braucht man ungefähr so viel Zeit wie Besenbinder Thomas Megerle, wenn er einen Besen bindet: "bis zu zwei Stunden". Das Händler-Geschäft, "lief schon mal besser", es gebe aber "zur Zeit einen Trend für Wertarbeit und Nachhaltiges", sagt er.
Das mag so sein. Es kommen aber auch auf jeden Qualitätsanbieter fünf weitere mit Ramsch. Bemerkt hat’s Hans-Peter Kottner, ein Helmstadter: "25 bis 30 Klamottenstände braucht kein Mensch. Dadurch wird’s langweilig." Trotzdem gibt der Sauerkrautmarkt jedes Jahr "den Startschuss" für Kottners Sommerurlaub. Viele Helmstadter machen das so.
Oder: Sie brechen früher aus dem Süden in die Heimat auf, um Krautduft - dieses Jahr, wie Kenner sagten "besonders pfeffrig" - zu atmen: Michael Keitel und seine Frau Claudia schafften es vor einigen Jahren "vormittags noch am Gardasee" und am Abend zurück in der Rabanstraße zu sein. Der Sauerkrautmarkt - er hat sie regelrecht heimgezogen.
Doch jeder Helmstadter weiß: "Der heimliche Sauerkrautmarkt ist dienstags". Dann nämlich, wenn aufgebaut ist, steigen die Einheimischen-Feten in Hauseinfahrten und Höfen. Morgen, am Mittwoch, hat eh kaum einer Zeit.
Wie im Wirbel vergeht die Zeit beim Sauerkrautmarkt - ruckzuck ist Abend, ruckzuck ist Nacht. Um 22 Uhr komprimierte sich das Geschehen im Rathausviertel, es gab Livemusik, eine rauschende, friedliche Party. Gegen 1 Uhr in der Frühe leerten sich die Gassen. Aber ruckzuck ist auch wieder August.