Rosenbräu: Auch Eberbach hatte sein eigenes Bier
Von Rainer Hofmeyer
Eberbach. Auf den großen Festen in Eberbach wie dem alljährlichen Kuckucksmarkt war es der Stolz der Bürger: das "Eberbacher Rosenbräu". Es gab viele Gasthäuser in der Stadt im Eigentum der Brauerei. Sie wurde in den 1970er-Jahren von einer größeren übernommen, die dann wiederum von einer noch größeren geschluckt wurde.
Knapp 160 Jahre gab es das "Eberbacher Rosenbräu". Für seine Straußwirtschaft "Rose" erhielt Peter Koch 1823 vom Direktorium des Neckarkreises Mannheim die Genehmigung zum Bier- und Branntweinausschank. Den Namen gab es vom nahegelegenen Rosenturm, einem Teil der Befestigung der Altstadt. 1894 übernahm der aus Eppelheim stammende gelernte Bierbrauer Philipp Knauber nach siebenjähriger Wanderschaft die "Rose" mit ihren Brauanlagen. Bis 1911 braute Knauber im Stammhaus für sein eigenes Lokal und andere Eberbacher Gaststätten. Dann zog die Brauerei innerhalb der Stadt um, vergrößerte sich. Zur Kühlung des Biers wurde eigens ein Keller in den Berg getrieben. Das notwendige Eis besorgte man sich im Winter, teilweise sogar vom zugefrorenen Neckar.
Ende des 19. Jahrhunderts hatte es noch zehn Haus- und Familienbrauereien in Eberbach gegeben. Nur Rosenbräu war letztlich noch übrig geblieben und hatte sich zu einem respektablen Unternehmen entwickelt. Die Brauerei belieferte vornehmlich örtliche und regionale Kunden. Der Lieferradius für die am Ende sieben kleinen Lastwagen war kaum größer als 50 Kilometer.
Sorten wurden nach und nach eingestellt
Der letzte Eigentümer war Philipp Knaubers Sohn Karl. Nachdem der Vater gestorben und der Bruder im Krieg gefallen war, führte der studierte Volkswirt die Firma ab 1939 allein, jetzt wurde der Firmenname ergänzt: "Eberbacher Rosenbräu - Philipp Knauber & Söhne".
Im Jahr 1964 ließ Karl Knauber in seiner Brauerei noch ein neues Sudwerk bauen. Zehn Jahre später wurde eine vollautomatische Abfüllanlage installiert. Bis zu 3500 Flaschen Ausstoß in der Stunde waren dann möglich. Das Rosenbräu war in den Varianten Export, Pils oder Bock und mit vielen Festbieren hoch geschätzt. So manches Dorffest im Odenwald wurde mit dem Gerstensaft aus Eberbach gefeiert.
Von 1945 bis zuletzt hatte sich der Hektoliter-Ausstoß des Rosenbräus mehr als verfünffacht. Malzbottich und Sudpfanne liefen rund um die Uhr. Malz kam aus Bruchsal, Schriesheim und Schwetzingen. Der Hopfen wurde aus der Hallertau und von Tettnang angeliefert.
Brauereibesitzer Karl Knauber hatte keine Nachfolger in der Familie. Im März 1977 verkaufte er an die Heilbronner Cluss. Die Käufer taten noch einige Zeit so, als wollten sie Standort und Marke "Rosenbräu" erhalten. Den zuletzt 15 Mitarbeitern wurden allerlei Hoffnungen gemacht, dass es jetzt sogar noch besser weiterginge.
Aber die Versprechungen hielten nicht lange. Anfangs gab es zwar noch Rosenbräu unter Heilbronner Regie. Doch nach und nach wurden die einzelnen Eberbacher Biersorten eingestellt. So verschwand auch der Name Rosenbräu. Es wurde nur noch unter der Marke Cluss produziert.
Sechs Wochen Bierreife dauerte der letzte Akt, dann war die einzig verbliebene Eberbacher Brauerei Vergangenheit: Am 2. Juni 1981 wurde im Brauhaus der letzte Sud gekocht, am 14. Juli 1981, um genau 3 Uhr nachmittags, wurden 61 Hektoliter Export abgefüllt. Das war das allerletzte Bier aus Eberbach. Nur fünf Jahre nach der Übernahme der Eberbacher Traditionsbrauerei und ein Jahr nach deren Ende wurde die Heilbronner Brauerei Cluss 1982 selbst aufgekauft - von Dinkelacker aus Stuttgart.