Dossenheim: Bauherr kann nach Änderungen hinterm Heimatmuseum bauen
Dossenheim. (dw) Es kommt so häufig nicht vor, dass mehr als nur Redaktionelles nach der Offenlage eines Bebauungsplans oder seiner Änderung angepasst wird. In diesem Fall war es so: Gleich in vier wesentlichen Punkten wurde die zweite Änderung des Bebauungsplans "Brenkenbach-Steinbruchweg" überarbeitet. Räumlich geht es um den Bereich hinter dem Heimatmuseum. Mit der im Gemeinderat mehrheitlich beschlossenen zweiten Änderung kann der Bauherr nun beginnen. Teile der Grünen blieben mit zwei Gegenstimmen weiterhin skeptisch.
Kaum eine Bebauungsplanänderung habe in der Vergangenheit derart viele Bürger mobilisiert wie diese. Mit den eingefügten Ergänzungen wird nun weiter auf Nachbarbelange Rücksicht genommen. Dazu gehört die Festlegung der Erdgeschossfußbodenhöhe mit 137,5 Metern über Normalnull als Obergrenze. Als Decke der Tiefgarage wurde sie gleichzeitig zum Bezugspunkt zur Messung der Gebäudehöhe. Diese blieb mit elf Metern bestehen. Letztlich führt das dennoch dazu, dass das neue Wohnhaus mit fünf Wohnungen um einen Meter weniger hoch herausragt, als es der bisherige Bebauungsplan zugelassen hatte.
Die entstehende lineare Verbindung der Gebäudehöhen von Heimatmuseum, Neubau und dahinter stehendem Haus wurde grafisch dargestellt. Außerdem sind aufsteigende Dachaufbauten nicht zulässig, womit man weitere Verschattung vermeide. Dem Verlust von Bäumen wirke man durch die Verpflichtung entgegen, einen heimischen Laubbaum anzupflanzen.
Die fast 60 Seiten umfassende Zusammenstellung der eingegangenen Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange und Bürgern wurde nach Vorberatung im Technischen Ausschuss im Rahmen dieser öffentlichen Gemeinderatssitzung nicht mehr vorgestellt. So wurde insgesamt nur wenig darüber gesprochen. Maßgeblich hatte Harald Wahl vom gleichnamigen Planungs- und Ingenieurbüro das Wort. Er fasste die Änderungen gegenüber dem bestehenden Bebauungsplan übersichtlich zusammen.
Darin enthalten ist unter anderem die Anlage von Retentionszisternen zur Rückhaltung größerer Regenmengen. Auch das war ein mehrfach angeführtes Argument gegen die Bebauung der Tiefgarage mit aufgesetztem Wohnhaus. Wände in der Museumsscheune zeigen, dass Feuchtigkeit im Gebiet ein Problem ist. Von Anfang an habe man mit Rücksicht auf die Nachbarn das Gebäude auf dem Grundstück nach Nordwesten verlegt, sagte Wahl. Die Abstandsflächen vergrößerten sich dadurch.
Die Gemeinderäte schienen zufrieden. Das Thema sei in vielen Sitzungen behandelt worden, so Rüdiger Neumann (SPD). Und man habe versucht möglichst allen Seiten gerecht zu werden, Kompromisse seien einzugehen. Die Sprecher der anderen Fraktionen äußerten sich ähnlich. "Wir sind jetzt zufrieden", sagte Hans-Peter Stöhr (CDU). Seine Fraktion hatte sich ebenfalls im Rahmen der Offenlage geäußert. Die Bebauung sei verbessert, stellte auch Eugen Reinhard (FDP) fest.
Der Schutz der Mauer, die an das zu bebauende Grundstück grenzt, sei privatrechtlich zu klären, meinte Friedeger Stierle (Grüne). Cornelia Wesch (FW) hoffte ebenfalls auf eine Einigung. Der Investor sei in der Vergangenheit in vielen Punkten gesprächsbereit gewesen. Die Anlieger hatten dennoch bis zuletzt auf eine Abkehr vom Bau des Mehrfamilienhauses gehofft.