"Engagiert in Mannheim" - Teil 6: Im Café Colibri frei Schnauze Deutsch lernen
Von Heike Warlich-Zink
Mannheim. Reden wie einem der Schnabel gewachsen ist, dazu lädt jeden Donnerstag um 17 Uhr das Café Colibri in N 1 ein. Die Stadtbibliothek hat das Sprachencafé im Rahmen ihres interkulturellen Angebots im Oktober 2013 ins Leben gerufen. Im selben Jahr zog Damir Paric in die Quadratestadt und interessierte sich für ein Ehrenamt.
Über die Freiwilligenbörse stieß er auf das Café Colibri, für das ein Moderator gesucht wurde. Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen sollten dort die Möglichkeit erhalten, in der Zentralbibliothek in ungezwungener Atmosphäre ihre Deutschkenntnisse ergänzend zum Sprachkurs zu vertiefen.
Ein Konzept, das Paric, der an der PH Heidelberg katholische Religionslehre, Mathematik und Geografie für Haupt- und Werkrealschule studiert, auf Anhieb gefiel. "Sprachkurse und grammatikalische Wissensvermittlung sind ganz wichtig", betont der 35-Jährige, der auch Deutschunterricht an der Mannheimer Abendakademie gibt.
Aber mindestens genauso wichtig sei es, das Erlernte aktiv im Alltag anzuwenden. Sich zu trauen, selbst wenn der Dativ dabei mal mit dem Akkusativ verwechselt wird. Was zähle, sei die Kommunikation als solche, um sich beim Einkaufen oder im Restaurant verständlich zu machen.
"Im Café Colibri können die Besucher einfach drauflos sprechen. Ich korrigiere niemanden von mir aus. Es sei denn, es wird gezielt nachgefragt", erklärt der Schwarzwälder mit kroatischen Wurzeln. Seine Funktion als Moderator ist es, das Gespräch in Gang zu bringen. "Die Teilnehmer nehmen Platz und bedienen sich an Kaffee, Tee, Wasser und Keksen", beschreibt er den Ablauf. Dann fragt Paric ganz allgemein in die Runde, was es denn Neues gibt, ob jemand Fragen hat.
Und zu erzählen gibt es immer etwas. Der eine steckt gerade mitten in der Führerscheinprüfung, eine junge Frau ist auf der Suche nach einem geeigneten Sportangebot. "Die Unterhaltungen drehen sich um Hobbys ebenso wie um Beruf, Haushalt, Familie und Freunde. Wir sprechen über bevorstehende Feste oder den nächsten Urlaub", gibt Paric einen Einblick in den Kaffeeplausch. An Themen würde es jedenfalls nicht mangeln. Politische und ideologische Meinungsäußerungen sind im Sinne von Neutralität und Toleranz tabu.
Da es sich um ein offenes, unverbindliches und kostenloses Format ohne Voranmeldung handelt, gibt es zwar einige Stammgäste. Doch das Sprachencafé lebt gerade von wechselnden Gruppenkonstellationen unabhängig von Alter und sozialer Herkunft. Die bunte Mischung von Menschen im Alter von 25 bis Anfang 50 aus Kamerun, Kongo, Senegal, Irak, Russland, China, Syrien oder der Türkei bietet reichlich Gesprächsstoff.
Auch ein Au-pair-Mädchen aus Kirgisistan hat den Weg ins Café Colibri gefunden. Man tauscht sich über die Gepflogenheiten in den jeweiligen Herkunftsländern aus. Wie ist die Schulbildung organisiert? Welche Feiertage gibt es? Und wenn die Konversation doch einmal in Stocken gerät? "Dann frage ich beispielsweise ‚wie geht es Dir?‘ oder ‚was hast Du heute gemacht?‘", sagt Damir Paric, der sich bewusst im Hintergrund hält, um gar nicht erst den Charakter einer Schulstunde aufkommen zu lassen.
Über die Ehrung durch Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz hat er sich gefreut. "Das ist Anerkennung und Bestätigung", sagt der Wahl-Mannheimer und betont zugleich, dass er sich als Teil des Teams der Stadtbibliothek im Fachbereich Bildung versteht. Ein Team, zudem auch Ute und Petra Huber als ehrenamtliche Moderatorinnen gehören. Auf die beiden wird bald mehr Arbeit zukommen."Wenn mein Referendariat beginnt, werde ich zeitlich weitaus stärker beansprucht sein", erklärt Paric, warum er mit Beendigung des Studiums seine Aufgaben im Café Colibri nicht mehr wahrnehmen kann. Missen möchte er die Zeit nicht. Denn: "Es ist abwechslungsreich, macht mir immer noch Spaß, und man lernt auch als Moderator viel dazu".