Mörlenbacher Familiendrama: Das sagen die Nachbarn über Werner H. und seine Frau
Von Karin Katzenberger-Ruf
Mörlenbach. Als "verschlafenes Nest" kann man Bettenbach eigentlich nicht bezeichnen. Schließlich ist es nicht ungewöhnlich, dass in einer Gemeinde im Odenwald um die Mittagszeit kaum Menschen unterwegs sind. In dem Ortsteil von Mörlenbach mit großzügigen Häusern an steilen Wegen, auf denen man sich auch sonst eher mit dem Auto denn als Fußgänger begegnet, ist der Doppelmord von Ende August 2018 zwei Tage nach der Urteilsverkündung kein Thema auf der Straße.
"Sie hätte sich von ihm trennen sollen"
Doch die junge Frau, die gerade zwei Hunde spazieren führt, ist bis vor einigen Jahren im Haus des Mörders ein und ausgegangen. Ihre Tochter war eine Zeit lang mit Anton und Emilia befreundet. So hießen die 13 und zehn Jahre alten Kinder, die der Vater auf brutalste Art und Weise tötete. Der Oral- und Kieferchirurg Werner H. muss dafür lebenslänglich in Haft, seine Frau Christiane wegen "tätiger Mithilfe" für zwölf Jahre.
Wie mehrfach berichtet, geschah der Mord an den Kindern, dem der verhinderte Selbstmord der Eltern hätte folgen sollen, weil der Vater die Familie offenbar in den finanziellen Ruin getrieben hatte. "Werner war hier am Ort nicht besonders beliebt", ist von der Gassi-Gängerin zu erfahren. Sie beschreibt ihn als großen Angeber, der sich nur über seinen Reichtum definiert habe.
Das sei schon krankhaft gewesen. Ihr habe er mal ein Foto von seinem neuesten Ferrari in die Hand gedrückt mit dem der Aufforderung: "Das kannst Du Dir übers Bett hängen und von so einem Wagen träumen." Für Anton und Emilia habe er jeden Tag etwas via Amazon bestellt. Geradezu ein Ritual in Sachen "Geld ausgeben". Ihre eigene Tochter habe den Kontakt zu Familie H. irgendwann abgebrochen, erzählt die Frau. Was vorgefallen ist, habe sie aber nie erfahren. Aber sie bekomme noch heute Gänsehaut, wenn sie daran denkt.
Dann erzählt sie noch von ihrer Cousine, die als "Babysitter" oft auf Anton und Emilia aufgepasst und die der Tod der Kinder hart getroffen habe. "Sie hat die beiden von klein auf gekannt, ihnen noch die Windeln gewechselt", sagt sie. Ehepaar H. habe "den Staat betrogen", ihm nicht zu stehende Gelder kassiert und daraus keinen Hehl gemacht. Warum die verurteilte Mutter Christina H. das alles mittrug, könne sie sich nicht erklären. Auch nicht, warum sie den Mord an ihren Kindern nicht verhindert hat.
Ja, das Urteil sei gerecht. Das findet auch Philomena Muggianu vom Restaurant "Il Trullo d’Oro" am Ortseingang an der Bundesstraße B38. Bis 2015 sei Familie H. oft zum Essen gekommen, danach nicht mehr - was wohl mit der damaligen Insolvenz zu tun hatte.
Werner H. hat sie als eher "herrisch" in Erinnerung, Christiane H. als liebevolle Mutter. Diese habe die beiden Kinder gewollt. "Warum hat sie denn nicht alles versucht, um sie zu retten? Sie hätte sich von ihrem Mann trennen sollen! Als Zahnärztin hätte sie doch sicher irgendwo eine Stelle gefunden!", sagt sie fast verzweifelt.
Ein Paar, das schon seit 50 Jahren in Bettenbach wohnt, gibt an, die Kinder nicht gekannt zu haben. Nur der Ehemann hatte mal kurz Kontakt zu Werner H. - bei einem Besuch in dessen Praxis in Weinheim. In der Nachbarschaft blöken Schafe. "Hier gibt’s aber schon lange keine Landwirtschaft mehr, nur eine ausgebaute Scheune. Die Bauern haben ihre Höfe aufgegeben", ist noch von dem Mann über die Siedlung in bevorzugter Lage zu erfahren.