Mannheim: Grüne fordern Sperrung der "Poser"-Meilen Kunststraße und Fressgasse
Von Volker Endres und Alexander Albrecht
Mannheim. Noch vor einer Woche hat die RNZ über die Erfolge der Polizei im Kampf gegen die Mannheimer "Poser"-Szene berichtet. Tatsächlich sind die Beschwerden der Anwohner in der Innenstadt über die frisierten Luxusschlitten seit 2017 deutlich zurückgegangen. Die Arbeit geht den Beamten aber nicht aus, auch wenn eine eigens errichtete Ermittlergruppe im vergangenen Jahr eingestellt worden ist.
Ein schwerer Unfall mit zwei verletzten Fußgängern am Wasserturm und ein illegales Autorennen im Stadtteil Suebenheim Anfang der Woche haben die Kommunalpolitik jetzt erneut aufgeschreckt. Grünen-Stadtrat Gerhard Fontagnier hat sogar eine abendliche Sperrung der beiden "Poser"-Meilen Kunststraße und Fressgasse für Autos ins Spiel gebracht. Eine Idee, die durchaus Sympathien in Mannheim findet, aber nicht so einfach umzusetzen ist. Und schließlich soll ja die Innenstadt weiterhin gut erreichbar sein.
Verkehrspolizeichef Dieter Schäfer bestätigt, dass diese Maßnahmen im Katalog der Ermittler stehen. Allerdings nur als allerletzte Möglichkeit. "Und wir sind noch lange nicht am Ende unserer Handhabe angekommen", betont Schäfer. Er kündigt im Gespräch mit der RNZ die "Eskalationsstufe zwei" gegen die PS-Protzer an.
In der ersten Phase waren "Gelbe Karten" mit der Aufschrift "Stop Posing" ("Hör auf, anzugeben") an negativ aufgefallene Autofahrer verschickt worden. Phase zwei sieht vor, dass Raser oder aggressive Poser ein sogenanntes Gefährde-Anschreiben erhalten. Damit werden sie von der Polizei als "ungeeignet" für den Teilnahme am Straßenverkehr gekennzeichnet. Die Führerscheinstelle der Stadt überprüft danach die Fahreignung und entzieht dem Fahrer gegebenenfalls die Fahrerlaubnis.
Es gehe darum, die Klientel zu erziehen, sagt Schäfer. Damit meint er "zu 95 Prozent extrovertierte junge Männer aus dem türkischen und arabischen Raum". Schäfer empfiehlt eine medizinisch-psychologische Untersuchung, den sogenannten Idiotentest.
"Das kann aber nur funktionieren, wenn Polizei und Stadt an einem Strang ziehen", schränkt er ein und verweist auf "gute Gespräche", die er bereits mit dem Leiter des städtischen Fachbereichs Sicherheit und Ordnung, Klaus Eberle, geführt habe. Aus polizeilicher Sicht sei die Sache aber klar: "Nach den tödlichen Unfällen in Köln und Berlin soll Mannheim nicht an dritter Stelle genannt werden", sagt Schäfer.
Nach wie vor seien die Informationen der Bürger eine wichtige Handhabe. "Wir gehen jedem Hinweis nach, der uns erreicht", verspricht Schäfer. Kontakt mit den Beamten kann entweder telefonisch unter 0621/1744045 oder per E-Mail an mannheim.vd@polizei.bwl.de aufgenommen werden. Voraussetzung dafür seien Hinweise zu Automarke, Kennzeichen und Uhrzeit der Lärmbelästigung. Und der Bürger müsste sich bereit erklären, als Zeuge auszusagen.