Vorlesewettbewerb des deutschen Börsenvereins: Beim Kreisentscheid hatte Martha Lilly Eibich aus Walldorf die Nase vorn
Walldorf. (aot) Vier Kinder sind im Berlin der dreißiger Jahre aus dem Waisenhaus geflohen und schlagen sich als "Schattenbande" durchs Leben. In einer leer stehenden Villa in Charlottenburg finden sie einen sicheren Platz. Als zwei Mädchen aus der Nachbarschaft unter mysteriösen Umständen verschwinden, machen sie sich auf die Suche.
Das mit seinem geschichtlichen Bezug etwas andere Jugendbuch "Die Schattenbande jagt den Entführer" von Gina Mayer und Frank M. Reifenberg hatte sich Martha Lilly Eibich zum Vorlesen ausgesucht und damit am Kreisentscheid des von der VHS Südliche Bergstraße ausgerichteten 60. Vorlesewettbewerb des deutschen Börsenvereins für die Gemeinden Schwetzingen, Hockenheim, Ketsch, St. Leon-Rot, Wiesloch, Walldorf, Sandhausen, Eppelheim und Dielheim teilgenommen, den sie auch gewann.
Weitere Kreisentscheide fanden in Sinsheim und Weinheim statt. Martha Lilly, Siegerin im Schulwettbewerb der sechsten Klassen am Gymnasium Walldorf, erklärte den in der Stadtbücherei versammelten Eltern, Lehrern und Schulkameraden selbstsicher und gut verständlich, um was es in dem Buch geht und las dann einen Textauszug vor, der einen Eindruck vom Leben der vier Freunde vermittelte.
Die Juroren Ute Jakob, Claudia Kellner, Wolfgang Messner, Holger Schröder und Julia Weidlich waren sich einig, dass die Auswahl der Bücher sehr breit gestreut war - im Gegensatz zu den zurückliegenden Jahren, in denen etwa die "Harry Potter"-Romane vorherrschten. Die meisten Schüler hätten sich für ein Buch aus den Bereichen Abenteuer, Fantasy und Magie entschieden, manche auch für Bücher über Freundschaften oder Tiere. Beliebte Autoren waren unter anderem Nele Neuhaus mit "Charlottes Traumpferd", Michael Endes "Momo" und selbst "Das fliegende Klassenzimmer", der Klassiker von Erich Kästner, war noch vertreten.
Martha Lilly wurde zusammen mit vier weiteren Schülerinnen von der Jury für eine zweite Runde ausgewählt, in der alle einen Ausschnitt aus dem Buch "Hilfe, meine Lehrerin geht in die Luft" von Sabine Ludwig lesen mussten. Die Entscheidung sei nicht einfach gewesen, erklärte die Leiterin der VHS Südliche Bergstraße, Dr. Annette Feuchter, die den Vorlesewettbewerb gemeinsam mit den Bibliotheken im Einzugsbereich organisiert hatte - schließlich seien alle Beiträge "richtig gut" gewesen.
In der zweiten Runde vergaben die Juroren jeweils bis zu fünf Punkte für "Lesetechnik" und "Interpretation", in der ersten Runde war auch noch die Textauswahl bewertet worden. Ausschlaggebend war, ob die jungen Vorleser - die meisten waren wieder traditionsgemäß Mädchen - den Text inhaltlich und atmosphärisch richtig erfasst hatten und in Aussprache, Lesetempo und Betonung lebendig vermitteln konnten. Versprecher spielten hingegen keine Rolle.
Martha Lilly ging auch in der zweiten Runde als Siegerin hervor und gewann schließlich in der Gesamtwertung knapp vor ihren Mitstreitern den ersten Preis. Das erfuhren die gespannt wartenden Zuhörer von Barbara Grabl, als Leiterin der Stadtbücherei Walldorf auch die Gastgeberin, die die Veranstaltung moderierte. Damit hat sich die Sechstklässlerin aus Walldorf für den Bezirkswettbewerb in Karlsruhe qualifiziert und wird dort unter anderem auf die Sieger aus Weinheim, Sinsheim und der Stadt Heidelberg treffen. Dort kann sie sich für den Landeswettbewerb qualifizieren, dem dann nur noch der Bundeswettbewerb folgt.
Die Freude bei Martha Lilly war groß, die Eltern und die ebenfalls anwesende Deutschlehrerin waren sehr stolz auf sie. Wie die Preisträgerin der RNZ erzählte, ist Lesen ihre große Leidenschaft, besonders gerne mag sie realistische Abenteuergeschichten. Daneben spielt Martha Lilly auch gerne Klavier, vor allem aber wünscht sie sich gute Noten in der Schule. Die habe sie allerdings schon, meinte ihre Mutter schmunzelnd, die davon berichtete, dass ihre Tochter für den Wettbewerb ganz alleine in ihrem Zimmer geübt und die Einmischung der Eltern nur als störend empfunden habe.
Als zweite Preisträgerinnen hatten sich qualifiziert: Tabea Weisbarth (Leimbachtalschule Dielheim), Felicia Kleinbongardt (Realschule Walldorf), Helen Grabenbauer (Ottheinrich-Gymnasium Wiesloch) und Linda Heidi Kistner (Privatgymnasium Schwetzingen). Einen dritten Preis erhielten: Sophia Schad (Schwetzingen), Leonie Hemmerich (Ketsch), Azranur Kocak (Wiesloch), Amon Pfeil (Eppelheim), Selda Bicer (Hockenheim), Eliza Breitrück (Schwetzingen), Nils Emmerich (Ketsch), Johanna Wachter (Hockenheim), Lorena Parrilla (Sandhausen) und Max Morawe (St. Leon-Rot).