Sparkasse Kraichgau: Private sparen, Chefs investieren
Von Christian Beck
Kraichgau. Die Zinsen werden wohl frühestens im kommenden Jahr steigen, von 56 Filialen werden 18 geschlossen, der Verwaltungsaufwand ist gestiegen - all das klingt nicht nach optimalen Voraussetzungen. Doch die Sparkasse Kraichgau ist mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr zufrieden. Für die Zukunft legt das Kreditinstitut großen Wert auf Digitalisierung. Was mit den Gebäuden an den Standorten, die geschlossen werden, passiert, ist noch nicht klar.
> Die Zahlen: Die Bilanzsumme erhöhte sich um 0,9 Prozent auf 4,17 Milliarden Euro. Das Volumen der Kundenkredite wuchs um 4,7 Prozent auf 2,22 Milliarden Euro. Der Zinsüberschuss sank um 2,3 Prozent auf 58,4 Millionen Euro. das Betriebsergebnis liegt mit 26,1 Millionen Euro 1,8 Millionen unter dem Vorjahresergebnis. Die Rücklage beträgt 191,1 Millionen Euro, ein Anstieg um 3,8 Prozent.
> Die Einschätzung: Vorstandsvorsitzender Norbert Grießhaber spricht von Herausforderungen: Neben den niedrigen Zinsen hätten Geschehnisse wie die Trockenheit im Sommer oder die Diskussion um Zölle weltweit das Wachstum gebremst. Privatpersonen neigten eher zum Sparen, Unternehmer blickten aber nach wie vor positiv in die Zukunft und investierten viel Geld in der Region. Die Kreditnachfrage in diesem Bereich stieg um über 37 Prozent. Der Immobilienboom halte weiter an. Die Zahl der Kaufinteressenten übersteige die der Häuser oder Wohnungen am Markt aber deutlich, dementsprechend hoch seien die Preise.
> Die Filialschließungen werden nun umgesetzt. Im Februar werden sieben Standorte geschlossen, unter anderem in Zaisenhausen. Ende März zieht sich die Sparkasse aus weiteren neuen Orten zurück, darunter Dühren, Eschelbach, Hilsbach, Reihen, Epfenbach, Reichartshausen und Zuzenhausen. Vorstandsmitglied Thomas Geiß begründete die Schließung mit stark zurückgegangenen Besucherzahlen. An diesen Standorten wird künftig auch kein Geldautomat mehr vorgehalten, dies hatte mehrfach Kritik hervorgerufen. Darauf angesprochen erklärte Geiß: "Die eine oder andere Reaktion gab es schon, insgesamt aber großes Verständnis." Kunden seien nicht in großer Zahl zu anderen Banken abgewandert.
> Wie geht es weiter? Weitere Schließungen solle es laut Grießhaber "bis auf weiteres" nicht geben. Entlassen werde niemand, manche Mitarbeiter gingen in den Ruhestand, der Großteil erhalte intern eine andere Stelle. Die meisten Gebäude der von der Schließung betroffenen Filialen sind angemietet, hier ende der Mietvertrag in Kürze. Lediglich die Immobilien in Dühren, Eschelbach, Hilsbach, Zuzenhausen und Wössingen befinden sich im Eigentum der Bank. Alle sollen verkauft werden, es gebe zahlreiche Interessenten. Genaueres sei aber momentan nicht bekannt, erklärt Grießhaber.
> Sparen steckt bei der Sparkasse schon im Namen: "Wir haben erkannt, dass wir an unseren Kosten ganz stark arbeiten müssen", sagte der Vorstandsvorsitzende. Das Verhältnis von Aufwendungen, um Geld zu verdienen, habe sich verschlechtert, der Verwaltungsaufwand sei wegen regulatorischer Auflagen und Tariferhöhungen gestiegen.
> Digitalisierung ist der Sparkasse wichtig: Beratungen per Telefon oder via Computer würden immer häufiger genutzt. In Zukunft könne mit der Bank auch über den Messengerdienst Whats App sicher kommuniziert werden. Mittlerweile nutzen laut Geiß 55.000 Kunden Online-Banking, rund 90 Prozent der Überweisungen würden über das Internet getätigt.
> Für schlechte Zeiten sieht sich die Bank gut gerüstet: Für eine Rezession habe man das nötige Polster, Kredite würden bereits jetzt sorgfältig vergeben.