Spechbach: Der digitale Marktplatz "Emmas App" öffnet für Testnutzer
Von Lukas Werthenbach
Spechbach. Es ist ein bundesweit einzigartiges Projekt, auch große Supermarktketten haben es bereits auf dem Radar - nun beginnt die erste Testphase: In den nächsten Tagen kann eine ausgewählte Gruppe von Testnutzern erstmals den "intelligenten Marktplatz" der Gemeinden Spechbach und Schönbrunn nutzen. Wie Spechbachs Bürgermeister Guntram Zimmermann der RNZ auf Nachfrage verriet, soll das Angebot ab Januar 2020 für alle verfügbar sein. Einen "lokalen Kümmerer" als Ansprechpartner haben die Gemeinden bereits angestellt.
Die Idee hinter dem von der Wirtschaftsförderung des Rhein-Neckar-Kreises getragenen Projekt: Mit einer eigens dafür entwickelten Software namens "Emmas App" sollen Kunden insbesondere Lebensmittel bei Einzelhändlern in der Umgebung bestellen können. Die Bestellungen werden an eine zentrale "Appholstation" - in Spechbach ist dies die Metzgerei Meister - geliefert. Die Lieferfahrten können gegen eine kleine Vergütung alle Interessierten übernehmen, die im besten Fall ohnehin regelmäßig die entsprechenden Strecken zwischen Händlern und Abholstationen zurücklegen. Für diese Idee einer nachhaltigen Nahversorgung wurden Spechbach und Schönbrunn bekanntlich schon vom Land Baden-Württemberg ausgezeichnet und mit 186.000 Euro belohnt.
Wie Zimmermann erklärt, liegt aber noch viel Arbeit vor den Organisatoren und zuständigen Verwaltungsmitarbeitern. "Die App muss hundertprozentig funktionieren, bevor sie an den Start geht", sagt er mit Blick auf den angepeilten Termin Anfang 2020. So berge die App "rechtlich und funktionell wahnsinnige Risiken". In der nun beginnenden ersten Testphase sind zunächst nur Lebensmittel erhältlich, die nicht gekühlt werden müssen. Spezielle Kühlboxen für den Transport leicht verderblicher Ware sollen in der zweiten Testphase ab Mai eingesetzt werden. "Da sind noch verschiedene rechtliche Hürden zu nehmen", sagt Zimmermann. Er betont, dass es für dieses Projekt keine Vorbilder oder ähnliche Ideen gebe. Entsprechend existierten keine Praxiserfahrungen, an denen man sich orientieren könnte. Eine Mannheimer Firma etwa hat "Emmas App" ausschließlich für den "intelligenten Marktplatz" der beiden Gemeinden entwickelt, quasi auf den Leib geschneidert.
In der ersten Testphase sind nun vier Händler dabei, darunter die Metzgerei Meister und ein Getränkeladen. "Kommunen aus den Nachbarkreisen haben auch schon angerufen", berichtet Zimmermann von großem Interesse über die Grenzen Spechbachs und Schönbrunns hinaus. "Wir werden scharf beobachtet", sagt er. Dazu gehöre etwa die Supermarktkette Edeka, die bereits an dem Projekt interessiert sei.
Den "intelligenten Marktplatz" sollen übrigens auch Menschen ohne Smartphone oder Internetanschluss nutzen können: In den "Appholstationen" jeder Gemeinde werden große Tablet-Geräte installiert, über die auch Bestellungen aufgegeben werden können. So sollen durch das Projekt auch neue soziale Treffpunkte entstehen.