Verkehrsinfarkt Neuenheimer Feld: Eine Park & Ride-Anlage direkt an der B3?
Von Timo Teufert
Heidelberg. Es klingt eigentlich nach einer guten Idee: Auf dem Gelände des Erzeugergroßmarktes zwischen Dossenheim und Handschuhsheim - direkt an der Bundesstraße B3 - wird ein Park & Ride-Parkplatz, perspektivisch sogar ein Parkhaus, für Pendler ins Neuenheimer Feld errichtet. Sie können dann an einer noch zu schaffenden Haltestelle in die Straßenbahn steigen. So schlägt es die CDU-Gemeinderatsfraktion in einem Antrag für den Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss am nächsten Mittwoch vor. Das Problem dabei: Das Gelände des Großmarktes steht nach RNZ-Informationen nicht zur Verfügung.
Nachdem sich bereits abgezeichnet hatte, dass ein Pendelbus zwischen dem Gewann Farrwiesenäcker und dem Campus keine Mehrheit im Gemeinderat finden würde, nahm die CDU in einer gemeinsamen Sitzung der Bezirksbeiräte von Neuenheim, Handschuhsheim und Bergheim Abstand von der Idee. Stattdessen kündigte Stadtrat Alexander Föhr im Nachgang der Sitzung an, einen neuen Vorschlag für einen Park & Ride-Standort zu machen.
Seine Fraktion schlägt nun vor, einen Pendlerparkplatz auf dem Gelände des Erzeugergroßmarktes zu prüfen: "Nach unseren Informationen finden dort nur noch geringe Aktivitäten statt", heißt es in der Begründung. Die Verwaltung solle die Eigentumsverhältnisse prüfen und dabei auch angrenzende Grundstücke entlang der B3 - dort befindet sich der Recyclinghof - berücksichtigen. Geprüft werden soll auch eine Anbindung an die Straßenbahn sowie eine Fußgängerquerung der Bundesstraße.
Die CDU bringt sogar den Bau eines "Stadttors Nord" ins Gespräch - mit Parkhaus und einer Verkaufsfläche für regionale Produkte von örtlichen Erzeugern. "Es könnte die Chance bestehen, eine teilweise Lösung der Verkehrsprobleme in Heidelberg herbeizuführen", heißt es im Antrag. Außerdem könne die Dossenheimer Landstraße in Hinblick auf die Großbaustelle - dort sollen die Straße saniert, die Gleise ausgetauscht und Leitungen erneuert werden - entlastet werden und der Stadteingang attraktiv gestaltet werden.
Doch der Großmarkt kommt für die Idee nicht in Frage: "Ich bin von dieser Nachricht überrascht", sagte Hans Lehar, Geschäftsführer der Obst- und Gemüse-Absatzgenossenschaft Nordbaden (OGA), auf RNZ-Nachfrage. Mit seiner Genossenschaft, die den ehemaligen Großmarkt seit 2008 betreibt, habe niemand gesprochen. "Wir brauchen diesen Standort und nutzen ihn permanent", so Lehar. Schließlich habe man deshalb auch erheblich in moderne Kühlhäuser investiert. Seit der Übernahme 2008 mehr als eine Million Euro.
Für die Genossenschaft ist der Standort am Rande des Handschuhsheimer Feldes ein wichtiger Umschlagplatz: Zwischen 50 und 70 Erzeuger aus der Region liefern dort ihre Ware an, die zwischengelagert oder zum Verpacken nach Bruchsal weitertransportiert wird. Teilweise holen die Großkunden die Ware aber auch direkt ab. "Jedes Jahr müssen wir unsere beiden Standorte zertifizieren lassen, um die Standards der Lebensmittelindustrie und die Vorgaben des Einzelhandels einzuhalten", erklärt Lehar. Zwar sei der Obst- und Gemüseanbau in Deutschland rückläufig, weil kleine Nebenerwerbs-Betriebe verschwinden. "Trotzdem sind wir sehr dankbar, dass wir die Fläche in Heidelberg haben, um dort Ware lagern zu können, wenn in Bruchsal kein Platz mehr ist", so Lehar.
Info: Zum Thema "Zukunft des Handschuhsheimer und des Neuenheimer Felds" veranstaltet die CDU am Montag, 25. Februar, um 20 Uhr einen Bürgerdialog im Restaurant "Lamm", Pfarrgasse 3 (Handschuhsheim).