Heidelberger Altstadt: Kritiker wollen "Keine Büros im Faulen Pelz"
Von Micha Hörnle
Heidelberg. Im "Faulen Pelz" werden künftig keine Heidelberger Studenten wohnen - und auch sonst wird es keine öffentliche Nutzung des 2015 geschlossenen Gefängnisses geben: Denn die Universität will hier und in einem Neubau Teile von geisteswissenschaftlichen Instituten unterbringen. Doch dagegen formiert sich nun politischer Widerstand: CDU und FDP melden sich nach dem RNZ-Artikel mit klaren Forderungen zu Wort.
Die CDU Altstadt/Schlierbach fordert einen städtebaulichen Ideenwettbewerb. Klaus Hekking, der als Kandidat für den Gemeinderat antritt, sagt: "Die Stadt sollte beim Land darauf hinwirken, dass dieses Areal nicht einfach mit Büroflächen belegt wird, sondern zu einem urbanen, belebten und begrünten Quartier für Wohnen und Arbeiten entwickelt wird, das attraktiv für junge und ältere Menschen ist." Das sei eine einmalige Chance, diesen Teil der Altstadt neu zu beleben. "Stadtentwicklung und Stadtgestaltung darf in Heidelberg nicht nur auf den Konversionsflächen und im Neuenheimer Feld stattfinden. Auch die Altstadt muss eine faire Zukunftschance haben." Hekking erinnert an die Sanierung der Altstadt in den 70er und 80er Jahren, als das Rathaus "das städtebauliche Instrumentarium wirkungsvoll nutzte, um das Zentrum zu verjüngen und zu beleben".
Kritik kommt auch von der Fraktion FDP/Freie Wähler: "Das ist Langeweile statt Kreativität", schimpft Stadtrat Karl Breer. "Dieser Plan geht völlig an den Notwendigkeiten einer zeitgemäßen Innenstadtentwicklung vorbei." Die FDP hält den von der Universität geplanten Umbau in ein Büro- und Archivgebäude zur Unterbringung kleinerer universitärer Forschungsstellen und Bücher- und Aktenberge für falsch. "Wo durch Studenten- und Altenwohnungen und begleitende Einrichtungen eine bunte Vielfalt, pulsierendes Leben und auch grüne Ruheflächen für viele entstehen könnten, soll jetzt mit großem finanziellen Aufwand ein Bürokomplex für relativ wenige Mitarbeiter entstehen. Das Thema studentisches Wohnen brennt uns - wie allen Universitätsstädten - unter den Nägeln. Zudem fehlen in der Altstadt grüne Oasen zum Erholen, auch für unsere Gäste. Wir sollten die Chance, dieses innerstädtische Areal zu beleben, nicht einfach hergeben", meint Simone Schenk, Stadträtin der Freien Wähler.
Michael Eckert (FDP) kritisiert: "Eine für die Stadtentwicklung so wichtige Entscheidung sollte nicht ohne Beteiligung des Gemeinderates getroffen werden. Warum in Zeiten der Digitalisierung wertvollen Altstadtwohnraum in ein Papierlager verwandeln?" Es sei im Übrigen in solchen Fällen bisher stets üblich gewesen, für so große und städtebaulich wichtige Vorhaben auch mehrere Meinungen einzuholen.