Mannheim: Viel mehr Autoeinbrüche seit Jahresbeginn
Von Jan Millenet
Mannheim. Seit Anfang des Jahres hält eine mutmaßliche Autoknackerbande die Mannheimer Polizei in Atem. Doch das Diebesgut hat sich geändert: Waren es vor geraumer Zeit vor allem Navigationsgeräte, die aus meist hochpreisigen Autos entwendet wurden, sind es aktuell Airbags aus Mercedes-Fahrzeugen, die die Langfinger begehren. Sind Navis also nicht mehr gefragt? Wer könnte hinter der Aufbruchsserie stecken? Und was können Autofahrer tun, um sich vor den Ganoven zu schützen? Im Gespräch mit der RNZ beantwortet Polizeisprecher Norbert Schätzle die wichtigsten Fragen.
Allein in der Nacht auf den vergangenen Mittwoch sind in Mannheim erneut vier Autos aufgebrochen worden, teilte die Polizei mit. Hauptsächlich verschwanden aus den Fahrzeugen die Lenkradairbags. Diese scheinen derzeit hoch im Kurs zu liegen. Navigationsgeräte hingegen, obwohl beim genannten Einbruch auch ein Steuerelement für solch ein Gerät mitgenommen wurde, bleiben eher liegen.
Haben sie bei den Kriminellen an Stellenwert verloren? "Das kann man so nicht pauschal sagen", erklärt Norbert Schätzle. "Meines Erachtens zielt die Auftragslage - wahrscheinlich in osteuropäischen Ländern - momentan auf Airbags ab." Deshalb sei möglicherweise eine Gruppierung im Mannheimer Raum unterwegs, die diese aus den Autos stiehlt. Doch zur Diebesgruppe konnte Schätzle nichts Genaues sagen. Die Polizei tappt anscheinend noch im Dunkeln. "Wir haben momentan keine Aufbrüche, bei denen Navigationsgeräte in ihrer Gänze gestohlen werden", bestätigt der Polizeisprecher. Doch das heiße noch lange nicht, das das nicht wiederkommen könnte.
Die Aufträge für Airbags, Navis oder gar komplette Luxus-Autos kommen laut Norbert Schätzle teilweise von ziemlich weit her. "Das zieht sich von Osteuropa bis China", sagt er. In der Vergangenheit habe die Polizei schon Täter, die zum Beispiel für die Navi-Diebstähle vor ein, zwei Jahren verantwortlich waren, ermitteln können.
Das Schema der Diebstahlsserie könnte wieder ähnlich sein: Im Ausland wird bestellt. Dann wird eine Diebesgruppe aktiviert, die auf Streifzug geht. "Damals rückte sie aus Litauen an. Einer der Kriminellen wohnte in der Region und koordinierte die Aktionen. Er gab den Dieben auch Unterkunft." In der Regel laufe es auch so ab, dass erst einmal ein Depot gebildet werde, wo das Diebesgut versteckt wird. "Die Gruppe nimmt das normalerweise nicht mit zurück", so Schätzle. "Wenn sie abgezogen ist, machen andere weiter. Das ist richtig organisierte Kriminalität." Wie es bei den aktuellen Fällen aussieht, kann Norbert Schätzle nicht sagen. Nur, dass es momentan vornehmlich Fahrzeuge der Marke Mercedes sind, bei denen die Scheiben eingeschlagen und die Airbags professionell ausgebaut werden - schließlich dürfen sie nicht beschädigt werden. Im Ausland werden die Gerätschaften dann verkauft.
Einen wirklichen Schutz vor den Autoaufbrechern gibt es laut Norbert Schätzle kaum. "Den Wagen in die Garage stellen", empfiehlt er deshalb. Wohl wissend, dass nicht jeder eine solche hat. Doch das sei das Einzige, was man machen könne. "Das ist eine ganz lapidare Sicherheitsvorkehrung. Aber in vielen Wohngegenden gibt es gar keine Garagen mehr", weiß der Beamte. Besonders in Neubaugebieten arbeite man heutzutage meistens mit Carports oder parke direkt vor der Haustür. Wenn möglich, rät Schätzle, solle man sein Fahrzeug nicht an dunklen Ecken abstellen, bestenfalls an hell beleuchteten Stellen. Doch auch das sei in dicht bebauten Wohngebieten meist schwierig.
Was also bleibt, sind verunsicherte Autofahrer, die die Daumen drücken müssen, dass ihr Wagen verschont bleibt, bis die Polizei die Serie beenden kann oder sich die Diebe wieder von allein zurückziehen. Diejenigen, die es erwischt, müssen unter Umständen laut Polizeisprecher mit einem Schaden von bis zu 3000 Euro rechnen.