SV Sandhausen: Im Moment hilft jeder Punkt gegen den Abstieg
Von Claus Weber
Sandhausen. Das 1:1 am Sonntag auf der Bielefelder Alm war für den SV Sandhausen zum Leben zu wenig - und zum Sterben zu viel. Mit erst elf Zählern aus 16 Spielen ist die Bilanz des Fußball-Zweitligisten zwar mies, trotzdem hat der Vorletzte noch alle Chancen auf den Klassenerhalt - weil die anderen Kellerkinder auch nicht vom Fleck kommen.
"Aktuell hilft uns jeder Punkt", sagt deshalb Uwe Koschinat. Der Trainer ging bei der Pressekonferenz natürlich aufs ungewöhnliche Tabellenbild ein. Bielefeld (15 Punkte) Duisburg (13), Magdeburg und Sandhausen (11) sowie Schlusslicht Ingolstadt (9) weisen vor dem letzten Vorrundenspieltag die Ausbeute eines Absteigers auf. "Das habe ich das letzte Mal in dieser Konstellation in der Saison 2009/10 erlebt", sagte Koschinat. Damals war er Co-Trainer der TuS Koblenz. "Es gelingt am Tabellenende derzeit keiner Mannschaft, einen Schritt nach vorne zu machen."
Auswärtsstarke Regensburger
Dabei könnten die Kurpfälzer mit einem Heimsieg am Sonntag (13.30 Uhr/Sky) gegen den Tabellenzehnten Jahn Regensburg vermutlich die Abstiegsränge verlassen, weil die direkten Konkurrenten Magdeburg (beim Zweiten in Köln), Duisburg (gegen Spitzenreiter HSV), Ingolstadt (gegen den Sechsten Heidenheim) und Bielefeld (beim Fünften Kiel) die schwereren Aufgaben haben.
Ein bisschen Schwung hat die Punkteteilung in Bielefeld immerhin gebracht, glaubt Koschinat. Er wolle das Remis nicht schönquatschen, meinte der Trainer, aber nach zwei Niederlagen zuvor habe die Mannschaft eine Reaktion gezeigt - obwohl der Coach zu einigen Umstellungen gezwungen war.
Gegen Regensburg stehen Denis Linsmayer nach verbüßter Gelb-Sperre und Rurik Gislason nach überstandener Verletzung wieder zur Verfügung. "Ich lege mich bei Denis fest, dass er zu 100 Prozent wieder in der Startelf stehen wird", sagte Koschinat. Auch Gislason soll wieder ins Trikot schlüpfen. Ob der Isländer allerdings von der Bank kommen oder von Beginn an als rechter Außenverteidiger spielen wird, ließ er noch offen.
Ebenso, ob er - wie in Bielefeld - wieder mit fünf Verteidigern spielen lässt. Auf der Alm hatte Koschinat mit Aleksandr Zhirov, Emanuel Taffertshofer und Stefan Kulovits drei Spieler aufgeboten, die zuletzt fast gar keine Rolle gespielt hatten. Speziell mit Zhirov scheint er sehr zufrieden gewesen zu sein. Hat sich der großgewachsene Russe damit in die Mannschaft gespielt?
Und ist für die Heimpartie gegen Regensburg richtig, was im Auswärtsspiel in Bielefeld gut war.
"Regensburg spielt deutlich variantenreicher als Bielefeld", sagte Koschinat. Die Bayern sind auf fremden Plätzen erfolgreicher als im eigenen Stadion, stehen in der Auswärtstabelle auf dem fünften Platz. Ein Paukenschlag war der 5:0-Sieg beim Hamburger SV. Vor seiner 1:3-Niederlage am vergangenen Freitag gegen Bundesliga-Absteiger Köln blieb der Jahn in zehn Spielen ungeschlagen. "Dort herrscht ein hohes Maß an Kontinuität", sagte Koschinat und warnte: "Vor allem deren Offensivabteilung macht einen starken Job." Nicht nur Toptorjäger Marco Grüttner (8 Treffer) sei zu beachten, sondern auch die beiden Außenspieler Sargis Adamyan (6) und Jann George (4). "Die Regensburger stressen jeden Gegner", sagte Koschinat, "denn sie sind immer darauf aus, schnell wieder in Ballbesitz zu kommen."
Übrigens: Das Schneckenrennen in der Saison 2009/10 endete für Koblenz mit dem Abstieg. Doch inzwischen ist Uwe Koschinat Chefcoach und hat fast ein Jahrzehnt mehr Erfahrung.
So könnte Sandhausen spielen: Schuhen - Karl, Verlaat, Zhirov - Gislason, Paqarada - Linsmayer, Taffertshofer - Förster - Wooten, Schleusener.