Sinsheim: Der neue Blitzer jagt Temposünder auch in der Nacht
Von Julian Buchner
Sinsheim. Für viel Aufmerksamkeit sorgen die grauen Kästen allemal. Passanten halten an und schießen Fotos, Menschen stehen rätselnd vor dem Gerät und überlegen, was das sein könnte. Der Leiter des Sinsheimer Ordnungsamts, Werner Schleifer, kann das Rätsel lösen: Es handelt sich um einen "Enforcement Trailer". So wird der Anhänger genannt, der mitsamt seines Innenlebens den gleichen Zweck wie ein mobiler Blitzer erfüllt, der in einem Kleintransportern am Straßenrand untergebracht ist.
Es gibt aber ein paar besondere Funktionen, wie Schleifer anmerkt: "Der mobile Trailer lässt sich mittels Anhängerkupplung einfach transportieren und kann auch problemlos über Nacht stehen bleiben." Damit will man besonders den nächtlichen Temposündern zu Leibe rücken, was bisher nicht möglich gewesen sei.
Von einem einmaligen Blitzer spricht auch Rolf Ritter, Prokurist der Firma Era, die das Gerät unter anderem an die Stadt Sinsheim vermietet hat. "Der Blitzer muss nicht an eine Stromquelle angeschlossen werden, sondern verfügt über eine eigene Stromversorgung", erklärt Ritter. Er könne so problemlos bis zu zehn Tage an einer Stelle verbleiben. Erst dann müsse er an die Ladestation.
Das Gerät scheint seinen Zweck zu erfüllen. Schleifer spricht von einer "spürbaren Reduktion der Geschwindigkeit an der Messstelle" und "positivem Feedback aus der Bevölkerung".
Auch wenn der Anhänger bisher ausschließlich in 30er-Zonen gesichtet wurden, will er nicht von einer finanziellen Bereicherung der Stadt durch die Einnahmen von Verwarnungsgeldern sprechen. "Konkrete Berechnungen gab es bisher noch nicht. Würde man dies allerdings kalkulieren, so müsste man neben den Mietkosten auch die nicht unerheblichen Personalkosten der Bußgeldstelle, der Messbeamten und nicht zuletzt auch der Vollstreckungsabteilung berücksichtigen", erklärt der Leiter des Ordnungsamts.
Ausgesucht werden die Messstellen laut Schleifer von den "für die Verkehrssicherheit zuständigen Institutionen". Als Beispiel nennt er Ortstermine und Kontrollfahrten mit dem Polizeipräsidium Mannheim. Die rund 145.000 Euro teuren Geräte sollen über Videoüberwachung und Alarmanlage verfügen. Rund 50 jener Trailer sind seit Markteinführung vor gut zwei Jahren im Einsatz.
Für Diskussionen sorgte der Einsatz des Anhängers an der Umleitungsstrecke in Waldangelloch. Hier wurde, wie Zeugen berichteten, ein Anhänger an der Gefällestrecke in der 30er-Zone aufgestellt. Der Ordnungsamts-Leiter meint aber, dass die Geschwindigkeitskontrollen im Zuge von Lastwagenkontrollen vorgenommen wurden. Auf den hiesigen Umleitungsstrecken herrscht ein Verbot für den überörtlichen Lastwagenverkehr. "Deshalb wurden hier in letzter Zeit Lkw-Kontrollen durchgeführt und damit auch eine Geschwindigkeitsmessung", berichtet Schleifer. Wieso der Blitzer bergabwärts stand, ließ er unbeantwortet.