Walldorfer Kerwe: Ein Bussi für Meister Adebar (Update, plus Fotogalerie)
Walldorf. (kvs) Fröhliche Marschklänge der Stadtkapelle an der Hauptbühne und des Spielmannszugs auf der Festmeile kündeten am Samstag vom Einzug des Stadtoberhaupts zur Eröffnung des "Festes der Feste". Flankiert von den Walldorfer Störchen und in Begleitung der historisch gewandeten Heimatfreunde, der Storchenküken und -garde sowie vieler Vertreter der Vereine erreichte der Zug die Bühne in der Hauptstraße. Hier konnte Christiane Staab mit Freude ihren Bürgermeisterkollegen aus Freeport, Bob Kennedy, zusammen mit fast 70 amerikanischen Gästen und Besucher aus dem französischen St. Max begrüßen.
Dann war es an der Bürgermeisterin, mit ihrer traditionell in freiem Versmaß vorgetragenen Eröffnungsrede an zahlreiche Ereignisse der vergangenen zwölf Monate zu erinnern. Die Wiederansiedlung des Weißstorchs, Walldorfs Wahl-Wahrzeichen, ist mit der Beringung von elf Jungstörchen eine echte Erfolgsgeschichte, die nicht nur dem Stadtoberhaupt Freude macht.
Schmunzelnd ergriff Christiane Staab Partei für die Eidechsen, deren Umsiedlung nicht mit dem Appetit der Störche, sondern mit dem Neubau des Kinderhauses Gewann Hof zu tun hatte. Sichtlich stolz berichtete sie von der sehr erfolgreichen Teilnahme des Gemeinderats am bundesweiten Stadtradeln-Projekt mit Platz drei der Gesamtwertung der fahrradaktivsten Kommunalparlamente.
Ein Blick auf den Kunstpreis der Stadt, dessen Objekte in der Zwischenzeit wieder abgebaut sind, brachte nicht nur Erfreuliches zutage. Während der Allmendebaum von Klaus Proissl auf der Drehscheibe auf großes Interesse stieß, musste die preisgekrönte Baum-Installation "Unplugged" von Konrad Wallmeier leidvolle Erfahrungen mit Zerstörungswut machen. "Respekt und Toleranz: Ein Erziehungsziel, von dem heute mancher nichts mehr hören will", resümierte Christiane Staab.
Ein Statement, das auch auf das für Walldorf in den letzten Monaten erschütterndste Thema zutrifft: die Ereignisse in der Halloween-Nacht 2017. Szenenapplaus erhielt die Rednerin, als sie die Reputation der Polizei wieder herstellte, "denn Walldorf hasst nicht, wie überall zu lesen war, die Polizei, sondern nur dumme Schmiererei".
Dass es auch in friedlichem Miteinander gehen kann, so die Bürgermeisterin, beweise die bunte Vielfalt der 150 Walldorfer Vereine, "ohne Vereine würd’ nix gehen, ich würde hier alleine stehen".
Die zahlreichen Jubiläen wie 150 Jahre Stadtkapelle, 140 Jahre Gesangverein Constantia, 90 Jahre katholische Frauengemeinschaft oder 70 Jahre Künstlergruppe erzählten von viel Gemeinsinn und gesellschaftlichem Engagement. Die aufrichtigen Dankesworte gingen an die Helfer der Vereine, die Mitarbeiter des Bauhofs, des DRK, der Polizei und der Feuerwehr.
Beherzt schaltete sich an dieser Stelle der Walldorfer Storch ein. Als Noch-Single befinde er sich nach dem erfolgreichen Bürgermeisterinnen-Knutscher vom letzten Jahr auf Freiersfüßen. Doch wo, so seine verzweifelte Frage, soll er die richtige kennenlernen. Als er die einst in Walldorf vorhandenen Discotheken Seestudio und Happiness erwähnte, erntete er begeisterte Rufe aus dem Publikum. Er werde jetzt parshippen, kündigte er an. Im Gegensatz zum Ausruf "Da brat mir doch einer einen Storch", betonte Christiane Staab: "Unser Storch wird nicht gegrillt, höchstens geknutscht" und verzückte den Adebar mit einem erneuten Bussi auf den langen Schnabel.
Die aktuell im Gemeinderat diskutierten Fragen nach der Regelung der Verkehrsströme und dem neuen Standort der Feuerwehr waren in der Rede ebenfalls präsent. Ob allerdings eine Gondel- oder Schwebebahn eine echte Alternative ist, daran scheint auch die Rathauschefin zu zweifeln. Eine Adaption der Karlsruher Erfahrungen mit Bahn und Schiene scheint hingegen möglich: "Vielleicht könnte man den Nachbarn mal fragen, seine Erkenntnis über die Kreisgrenze zu tragen."
Zum Abschluss intonierte die Bürgermeisterin das Badner-Lied, dessen dritte Strophe mangels Textplakat etwas unterging. Der anschließende Fassanstich erinnerte an die vergeblichen Bemühungen im letzten Jahr. Letztendlich gab es dann doch noch Freibier für alle und Christiane Staab erklärte die Walldorfer Kerwe für eröffnet: "Jetzt wollen wir feiern und lachen, rocken Walldorf und lassen die Schwarte krachen. Ich lad euch ein zum Fest aller Feste, die Walldorfer Kerwe, die ist die Beste."
Update: 21. Oktober 2018, 17.24 Uhr