Medienzentrum Heidelberg: Wenn aus "Bildstellen" Online-Mediatheken werden
Von Sabine Hebbelmann
Heidelberg//Rhein-Neckar. Das Thema Medienbildung wird in den Bildungsplänen in Baden-Württemberg seit 2016 großgeschrieben. Doch noch sehen sich viele Lehrer vor Herausforderungen gestellt. Wie schaffe ich an meiner Schule die nötige Infrastruktur und Ausstattung? Welche Konzepte gibt es und wo finde ich passende Medien für den Unterricht? Für solche Fragen zuständig ist das Landesmedienzentrum mit den regionalen Stadt- und Kreismedienzentren. Ihr gesetzlicher Auftrag ist es, die Schulen bei der Förderung der Medienbildung, Medienkompetenz und Medienerziehung zu unterstützen.
Aus den früheren "Bildstellen" sind heute Online-Mediatheken geworden, die Filme, Audiodateien und Apps verleihen beziehungsweise für die Schulen die entsprechenden Lizenzen für die Online-Nutzung kaufen. Das Angebot der Medienzentren ist für die Schulen kostenlos.
Das Medienzentrum Heidelberg findet sich im Erdgeschoss des Landratsamtes des Rhein-Neckar-Kreises und ist für die Schulen der Stadt Heidelberg und des Rhein-Neckar-Kreises zuständig. Geleitet wird es seit Dezember 2017 von Robert Bittner, der an der Realschule Eberbach die Fächer Musik, Mathematik, ITG und Sport unterrichtet. Leitung und pädagogische Mitarbeiter des Medienzentrums sind Lehrer, die für bestimmte Tage, Stunden oder Fortbildungen im Medienzentrum tätig sind. Dazu kommen Verwaltungsangestellte des Landkreises.
"Ein Problem ist die Infrastruktur, viele Schulen wollen sich auf den Weg machen, wissen aber nicht wie", sagt Bittner. Mit Schulvertretern und Schulträgern werde gemeinsam ein Medienentwicklungsplan über fünf Jahre entwickelt, der sich an folgenden Fragen orientiert: Welche Maßnahmen sind die Wichtigsten? Wie sieht eine sinnvolle Planung für die jeweilige Schule aus? Welchen Beratungsbedarf gibt es aufgrund des neuen Bildungsplans?
Seit 2016 sollen auch die Grundschulen mit Medien arbeiten, die individualisiertes Lernen fördern. Schüler sollen nicht nur konsumieren, sondern kreativ und reflektiert mit Medien umgehen lernen. Für die medienpädagogische Arbeit an Schulen sieht Bittner vielfältige Möglichkeiten. So lassen sich kreative Lernspiele in den Unterricht integrieren, mit Apps wie "Actionbound" digitale Schnitzeljagden gestalten oder selbst gemalte Bilder zu Trickfilmen zusammensetzen.
Beim Schwetzinger Fachtag des Vereins Kommunale Kriminalprävention Rhein-Neckar hatte Bittner in einem Workshop die App "Comic Life" präsentiert. Am iPad lernten Lehrer Fotos aufzunehmen, passende Sprechblasen zu füllen und daraus einfache Bildergeschichten zu entwickeln. Bei diesen Apps gehe es nicht mehr um die Technik, die leicht zu bedienen sei.
"Der Fokus liegt auf dem Inhalt", so Bittner. "Gestalten, filmen, darstellen - die Technik muss ganz einfach gehen. Wie, das zeigen wir in den Fortbildungen für Lehrer am Medienzentrum." Gerade für jüngere Kinder eigne sich der kreative Ansatz. "Gestalten ist das, was Computer noch nicht können - das wird die Zukunft der Kinder sein", ist Bittner überzeugt.
Über 150 iPads und über 60 MacBooks hat das Medienzentrum im Verleih. Zum Service gehört die Beratung, welche Medien sich für das jeweilige Unterrichtsziel eignen und wie man sie sinnvoll einsetzen kann. Dabei sei es in der Grundschule gar nicht nötig, dass jeder mit einem Gerät arbeitet. Bei differenzierendem Unterricht könnten auch einzelne Schüler oder Schülergruppen separat mit dem iPad arbeiten.
Über die Spracherkennung bekämen Inklusionsschüler oder Schüler mit Deutsch als Fremdsprache gleich eine Rückmeldung durch das Gerät. An den weiterführenden Schulen lernten die Schüler dann im Fach IT, wie das alles funktioniert: der Computer, das binäre System, Programmieren.
Das Medienzentrum Heidelberg arbeitet auch mit Stiftungen zusammen und ist am Pilotprojekt "Digitalisierung und Medienbildung an den Heidelberger Schulen" beteiligt. Gestartet wurde das Projekt vom Regionalen Bildungsbüro der Stadt Heidelberg in Kooperation mit der Hopp-Foundation, der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, dem Landesmedienzentrum und dem Medienzentrum Heidelberg.
Ein weiteres für Schulen wichtiges Thema ist der Datenschutz. Ob Noten, Beurteilungen oder Elternbriefe - sensible Daten müssen heute auch online ausgetauscht werden können. "Es wäre wünschenswert, eine funktionierende Kommunikationsplattform in Baden-Württemberg zu haben. Lehrer und Schüler müssen sicher kommunizieren können, das ist das Wichtigste", sagt Bittner, auch mit Blick auf die Schwierigkeiten bei der Einführung der Lernplattform Ella.
Bittner spricht sich dafür aus, keine Privatgeräte im Unterricht zu verwenden. Zu groß sei die Gefahr von Missbrauch oder auch das Risiko datenschutzrechtlicher Schwierigkeiten. Ansonsten ist er überzeugt, dass Neue Medien im Unterricht eine Bereicherung sein können. Erst der Umgang mit ihnen ermögliche es, den kritischen Blick zu gewinnen, Grenzen und Risiken kennenlernen.