Heidelberg: "Denkzettel" statt "Strafzettel"
Von Arnd Janssen
Heidelberg. Holger Schlechter erinnert sich noch genau an den Tag, an dem er und seine Mannschaft zu einem Notfall-Einsatz in die Ladenburger Straße gerufen wurden. Die großen Einsatzwagen der Berufsfeuerwehr konnten kaum bis an den Ort vorrücken.
Der Grund: Eine zugeparkte Einmündung an der Kreuzung Brückenstraße machte das Durchkommen unmöglich. "Da rutscht einem als Feuerwehrmann auch mal das Herz in die Hose", gesteht Schlechter. Das alles spielte sich im Dezember 2016 ab.
Das Thema zugeparkte Kreuzungen haben die Stadt und der Gemeindevollzugsdienst (GVD) jetzt verstärkt auf die Tagesordnung genommen. Daher luden sie am Freitagmorgen zu einer "Denkzettel"-Aktion in die Weststadt mit Drittklässlern der Landhausschule ein. Der Erste Bürgermeister Jürgen Odszuck betonte, warum die Aktion in der Weststadt stattfand: "Es gibt hier viele sensible Orte, wo das Gefahrenpotenzial groß ist. Das Viertel ist alt und die Straßen schmal."
Deshalb versperren gerade hier rücksichtslos abgestellte Autos in Einmündungsbereichen vieler Kreuzungen den Fußgängern beim Überqueren der Straße die Sicht. Dementsprechend können auch Autofahrer Personen am Straßenrand erst sehr spät erkennen. Vor allem für Kinder, aber auch für Senioren kann das schnell gefährlich werden.
Und so zogen etwa 15 Drittklässler mitsamt Lehrer, Rektor und einigen städtischen Vertretern durch die Weststadt, um gezielt Falschparker aufzuspüren. Parkende Autos müssen nämlich einen Sicherheitsabstand von mindestens fünf Metern vor und hinter Kreuzungen und Einmündungen aufweisen.
Verstöße gegen die Regel - vom GVD entsprechend nachgemessen - bekamen von den Kindern einen Zettel auf ihr Auto gepappt, der die Halter auffordern soll, in Zukunft mehr Rücksicht zu nehmen - auch weil Bußgelder hier maximal 15 Euro betragen und nur selten abschreckend wirken.
Auch wenn die Schüler in einer halben Stunde nur zwei Falschparker aufspüren konnten, hatten die Drittklässler ihren Spaß: "Es war gut, auch wenn wir nur wenige Autos fanden. Die Sache ist wichtig, denn ich habe einen langen Schulweg und komme an vielen gefährlichen Stellen vorbei. Ich hab heute gelernt, dass ich mehr gucken muss", berichtet die achtjährige Ada.
Schulleiter Udo Gärtner ist die Sicherheit der Kinder sehr wichtig. Die Verkehrserziehung kommt an seiner Schule nicht zu kurz: "Wir sensibilisieren die Kinder, beim Schulweg und beim Spielen aufzupassen." Die Stadt kümmert sich bereits um das Gefahrenpotenzial im "Knotenbereich".
"Jeder ist Fußgänger und wird mit dem Thema konfrontiert", betont Nico Rathmann vom Amt für Verkehrsmanagement. Zuerst würden Sperrflächen eingerichtet, um Einmündungen freizuhalten und wenn das nicht reicht, Poller aufgestellt. Bei der Landhausstraße stehen sie schon.