Lokalpatriotisches Picknick: Auf Pro-SNH folgt Brot-SNH und bald die SNH-Wurst
Von Tim Kegel
Sinsheim. Das SNH-Thema treibt kuriose Blüten. Neuester Coup der Wunschkennzeichen-Befürworter ist ein SNH-Brot. Und auch eine Wurst mit lokalkolorierter Pelle ist in Arbeit. Leckere Grundlagen fürs heitere Sinsheimer Lokalpatriotenpicknick.
Zwischen Nussschifflein, Florentinern und Schokobananen liegt es - und sogar im Schaukasten vor der Bäckerei: Das SNH-Brot entsteht in der Südstadt bei den Bäckermeistern Günther und Werner Gamlich in der Dr.-Michael-Fischer-Straße, zwei der letzten Kleinbäcker in Sinsheim. "Die Kunden kaufen’s gern", sagt Günther Gamlich, außerdem sorge das Brot für viel Gesprächsstoff im letzten Tante-Emma-Laden der Kernstadt.
Die Zutaten? Natürlich Ur-Getreide. Ein Laib, dem SNH-Anliegen wie auf den Leib geschneidert: Waldstaudenroggen, Einkorn und Emmer hat Gamlich reingepackt, Dinkel-, Roggen- und Weizenmehl, außerdem Haferflocken, jedenfalls "viele gute Sachen", weil das mit SNH ja auch eine gute Sache sei. Gamlich legt in seinem Geschäft auch Flugblätter und Aufkleber der Pro-SNH-Initiative aus. Jene sowie die Gespräche mit Kunden hätten ihn schließlich auf die Idee gebracht, eine Schablone zu machen und ein Brot mit Mehl im Nummernschild-Look zu bestäuben.
"Da bist du grad fertig - da schnallst du ab": So beschreibt Jens-Jochen Roth seine erste Reaktion auf Gamlichs Brot. Roth, sonst rühriger Protagonist an der Wunschkennzeichen-Front, beteuert felsenfest, beim Thema Backware nicht mitgerührt zu haben: "Das Thema verselbstständigt sich." Doch weil aufs Brot ja noch was drauf muss, ging Roth beim Einkaufen auf Metzgermeister Werner Dick zu.
"Fragen kostet ja nichts" - und siehe da: Dick ließ sich begeistern, erweckte sogar seinen "Jägerkranz" - seit langer Zeit nicht mehr produziert - zu neuem Leben: "Eine Art Krakauer, aber kräftiger gewürzt, hoher Magerfleischanteil", sagt der Grombacher mit Filiale in der Hauptstraße. Am Mittwoch holte Dick, wie Gamlich einer der Letzten seiner Art in der Kernstadt, die ersten groben Ringe davon aus dem Rauch. Ganz fertig sei der "SNH-Jägerkranz" noch nicht, erst müssten noch die Wursthüllen mit dem typischen SNH-Schriftzug geliefert werden.
Im Sinsheimer Rathaus habe man ein Auge auf die SNH-Produkte geworfen, wenn auch nicht in der Art, wie manche das meinten: "Ich bin nicht gegen SNH", stellt Oberbürgermeister Jörg Albrecht klar, wenn er auch die zum Teil recht forsche Öffentlichkeitsarbeit der Wunschkennzeichen-Fans "für strategisch ungeschickt" hält.
Seiner Ansicht nach hätten diese "zu Beginn diplomatischer agieren" und "das direkte Gespräch mit dem Landrat suchen" müssen. Dies habe allerdings "überhaupt nichts mit einem Brot oder einer Wurst zu tun", sagt Albrecht, die beiden Produkte aus Sinsheim hätten "durchaus ihren Charme".
Schwierig könne es nur dann werden, wenn ein offensichtlicher Bezug zu den Heimattagen 2020 hergestellt wird: "Wir sind da zwar unbürokratisch und für vieles offen", sagt der OB, trotzdem verweist er "bei Ideen in dieser Art" an seine Mitarbeiterin Ines Kern von der eigens gegründeten Heimattage-Geschäftsstelle.
Die Krux bei inoffiziellen Heimattage-Produkten, "vor allem in Verbindung mit der Verwendung des offiziellen Logos", sieht Ines Kern in diversen Sponsoring-Verträgen, wie etwa denen mit der "Heidelberger Brauerei" oder dem Softdrink- und Wasser-Sponsor "Wüteria" aus Gemmingen: "Stellen Sie sich vor, eine Brauerei XY bringt unangekündigt ein Heimattage-Bier heraus" - sponsoring- und markenrechtliche Schwierigkeiten würden dann sehr wahrscheinlich folgen.
Bei Anfragen wegen Produkten, Sponsoring-, Programm- und Marketing-Beiträgen unter dem Heimattage-Begriff stimme sich das Rathaus "sehr eng" mit dem für die Festtage zuständigen Staatsministerium ab: "Wir sichern dadurch uns, unsere Partner, aber auch Dritte ab", sagt Ines Kern: Jene könnten schließlich nicht wissen, "welche Vereinbarung mit wem im Hintergrund schon getroffen ist".
Eine zu offensichtliche Verbindung zwischen Heimattagen und dem SNH-Wunschkennzeichen herzustellen, hält Oberbürgermeister Jörg Albrecht für problematisch. Das Motto Heimattage dürfe laut der ministeriellen Vorgaben "nicht zur Durchsetzung eines politischen Anliegens benutzt" werden.
"Das mag bei ,SNH‘ noch banal sein", sagt der OB, und auch das bekannte Werbe-Kennzeichen "SNH-HT-2020" sei nicht das Problem - "aber stellen sie sich so etwas in Verbindung mit einer extremistischen Gruppierung vor", schildert Albrecht, "schon haben wir großen Ärger".
Grundsätzlich wolle man aber "Initiative fördern", sagt Albrecht und "gute Ideen gute Ideen sein lassen". Auch ein Geschenkkorb mit regionalen Produkten sei ursprünglich als Heimattage-Beitrag geplant gewesen, eine Rundmail an diverse Lebensmittelerzeuger sei verschickt worden, erzählt Albrecht. "Leider ist nichts daraus geworden; mangels Resonanz."