Ulla-Schirmer-Haus Leimen: Straffällige Jugendliche fertigten seniorengerechte Brettspiele
Von Sabine Geschwill
Leimen. Viel reden oder groß in Erscheinung treten, das wollten die jungen Menschen nicht bei ihrem Besuch im Dr.-Ulla-Schirmer-Haus. Aber in ihren Gesichtern sah man die Freude, die sie empfanden, als sie den Bewohnern ihre Geschenke übergaben. Straffällig gewordene Jugendliche und junge Erwachsene hatten für die Bewohner der Pflegeeinrichtung seniorengerechte Brett- und Gesellschaftsspiele aus Holz hergestellt. Die handgearbeiteten Brettspiele wie Mensch-ärgere-dich-nicht, Dame und Mühle sowie die dazugehörigen Spielfiguren und Würfel hatten eine komfortable Größe. Zudem gab es noch je eine vergrößerte Ausgabe der beiden bekannten Gesellschaftsspiele Memory und Domino.
Begleitet von Holger Zuber vom Internationalen Bund, ihren Betreuern sowie Ulrich Schefcik vom Jugendamt des Rhein-Neckar-Kreises kamen die jungen Menschen in die Leimener Senioreneinrichtung, um Hausdirektorin Petra Becker und den Bewohnern die Spiele zu überreichen. Doch sie beließen es nicht dabei: Sie spielten zusammen mit den Senioren. Dabei kamen sich Jung und Alt automatisch näher und auch das eine oder andere Gespräch entwickelte sich.
Entstanden sind die Spiele in einer sozialpädagogischen Maßnahme. Jugendliche und Heranwachsende im Alter zwischen 14 und 21 Jahren, die strafrechtlich in Erscheinung getreten sind, werden dieser auf der Grundlage einer Weisungsempfehlung des Jugendamtes oder der Jugendgerichtshilfe zugewiesen. Die Teilnahme wird vom zuständigen Gericht beziehungsweise der Staatsanwaltschaft festgelegt.
Und bei dieser Maßnahme stellen die jungen Menschen eben unter Anleitung verschiedene Gesellschaftsspiele für Senioren- oder Pflegeeinrichtungen her. Da es sich bei den Adressaten überwiegend um ältere Menschen und Senioren handelt, sind die Spielbretter und Spielfiguren deutlich größer als bei handelsüblichen Spielen. Die Spielfelder beinhalten zudem Vertiefungen für eine bessere Standfestigkeit der Spielfiguren.
An der Herstellung der Spiele für das Dr.-Ulla-Schirmer-Haus waren zwischen acht und zehn Jugendliche und junge Erwachsene beteiligt. Sie alle sind mit dem Gesetz in Konflikt geraten und hatten deshalb die gerichtliche Auflage, sich im Rahmen einer betreuten Arbeitsweisung mit dem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen. Nebenbei sollten sie eine für die Allgemeinheit sinnvolle und nützliche Tätigkeit ausüben. Dafür trafen sie sich über einen Zeitraum von vier Wochen immer samstags mit ihren Betreuern Torsten Seitner, Thorsten Lessle, Marion König und André Trinks. "Die jungen Menschen lernen dabei sowohl den sorgfältigen Umgang mit verschiedenen Materialien sowie Arbeitstechniken und machen darüber hinaus noch die überaus wichtige Erfahrung, dass Teamarbeit und Hilfsbereitschaft im Arbeitsleben für das Arbeitsergebnis eine zentrale Rolle spielen", erklärten die Betreuer.
Begleitet wurde das Projekt vom Internationalen Bund (IB) in Heidelberg. Das IB-Bildungszentrum führt im Auftrag der Jugendgerichtshilfe des Rhein-Neckar-Kreises und mit Unterstützung des Jugendhilfswerkes Wiesloch sogenannte betreute Arbeitsweisungen durch. Für das Jugendamt des Rhein-Neckar-Kreises hat die Übergabe der Gesellschaftsspiele einen besonderen Stellenwert. "Das Gefühl der gegenseitigen Wertschätzung und die persönliche Erfahrung, dass sich andere Menschen über das in Eigenarbeit hergestellte Produkt freuen, ist für die Teilnehmer ein wertvolles Erlebnis", wusste Ulrich Schefcik. Für die jungen Menschen sei dieses Projekt eine schöne Chance, sich zu rehabilitieren und der Gesellschaft etwas zurückzugeben, meinte er.