Vom Schlüsseldienst abgezockt: Heidelbergerin wurde von Monteuren unter Druck gesetzt
Von Anica Edinger
Heidelberg. 201,11 Euro: So viel kostete es Lisa F., dass sie vor einigen Wochen ihren Schlüssel in der Wohnung liegen ließ und die Tür ins Schloss fiel. Es war ein Freitagnachmittag, als die 34-Jährige den Schlüsseldienst rufen musste. Die Telefonnummer hatte sie aus dem Netz. Die Internetseite kam ihr seriös vor. Und zunächst sah alles gut aus: Mit leichter Verspätung kamen zwei Monteure an. Mit einer Plastikkarte konnten sie die Wohnungstür in nur drei Minuten öffnen. "Kostentechnisch bin ich noch glimpflich davongekommen", weiß Lisa F. Dennoch ist sie überzeugt: Es waren Betrüger am Werk.
Tatsächlich berichtet auch Matthias Bauer von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: "Hier in der Zentrale sind wir fünf Berater - und jeder von uns hat pro Woche mindestens zwei bis drei Fälle von Schlüsseldienst-Betrug." Oftmals handelt es sich dabei um weit höhere Beträge, als es Lisa F. widerfahren ist. In der RNZ etwa wurde im Juni der Fall eines Meckesheimers geschildert, der rund 1000 Euro für das Öffnen seiner Haustür bezahlen musste, was nur wenige Sekunde dauerte.
Dass in Lisa F.s Fall dennoch kein seriöser Schlüsseldienst am Werk war, weiß auch Bauer. Die Firma, die Lisa F.s Tür öffnete, kenne er gut. "Bis vor wenigen Monaten hieß sie noch ganz anders", sagt Bauer. Das sei eine beliebte Masche von Schlüsseldienst-Betrügern: Öfter mal den Namen und die Geschäftsführer wechseln.
Lisa F. selbst wurde dann stutzig, als die beiden Monteure des Schlüsseldienstes anfingen, sie unter Druck zu setzen. Denn eigentlich wollte sie die beiden schon wegschicken, als diese den Preis für die einfache Türöffnung nannten. Dann aber sollte sie auch noch 95 Euro für die Anfahrt zahlen, obwohl auf der Internetseite damit geworben wird, dass diese nur 20 Euro kostet.
Um nicht abgewiesen zu werden, wurden die Monteure kreativ. "Sie sagten, wenn ich ihnen jetzt die Türöffnung verweigere, finde ich heute keinen anderen Schlüsseldienst mehr." Schließlich seien alle in einem bundesweiten Verband organisiert und würden informiert, wenn Lisa F. sie nun wieder heimschicke.
Dass das "völliger Quatsch" ist, weiß Robert Gharibo, Inhaber des ABC Schlüsseldiensts, der in Heidelberg Geschäfte in der Bahnhofstraße und im Carré betreibt. Er weiß auch, was Lisa F. eigentlich für die Türöffnung hätte zahlen müssen: "Zwischen 65 und 79 Euro wäre ein seriöser Preis." Nachts und am Wochenende sowie an Feiertagen würde es natürlich teurer. Doch während die zwielichtigen Firmen dann 100 Prozent aufschlagen, "berechnen wir einen Zuschlag in Höhe von 39 Euro", sagt Gharibo.
Schon seit Jahren bereiten ihm Schlüsseldienst-Betrüger Kopfschmerzen. "Sie machen uns Seriösen das Geschäft kaputt." Die Auftragszahlen seien stark rückläufig. Zudem kaufen die Betrüger-Firmen sich die besten Positionen ein: Bei Google oder auch in den Gelben Seiten sind sie prominent platziert.
Das bestätigt auch Bauer und rät: "Nie bei den ersten Anzeigen, die bei Google erscheinen, anrufen." Fiele einem am Wochenende die Tür ins Haus, solle man im Zweifel lieber im Hotel schlafen - und warten, bis der ortsansässige Schlüsseldienst von nebenan wieder öffnet. Überhaupt solle man immer auf Firmen zurückgreifen, die in der Stadt oder im Viertel noch echte Geschäfte haben, darüber gebe im Zweifel das Impressum der Internetseite Auskunft. "Der Rechercheaufwand lohnt sich", sagt Bauer. Denn: "Ist die Rechnung bezahlt, kann man nichts mehr tun."