Heidelberg: Die Stadt baut ihre siebte Flüchtlingsunterkunft
Von Sebastian Riemer
Heidelberg. Fast zwei Jahre nach dem ursprünglich angepeilten Baubeginn rollte am gestrigen Montag der erste Bagger auf das Gelände des ehemaligen Sprachheilkindergartens in Rohrbach. Auf dem Grundstück in der Straße Kolbenzeil entsteht eine Flüchtlingsunterkunft für 80 Menschen. Der Start hatte sich immer wieder verzögert, da mehrere Anwohner Einwendungen gegen die Baupläne erhoben hatten. Diese hat das Regierungspräsidium Karlsruhe inzwischen abgearbeitet - und die Genehmigung zum Bau gegeben.
Damit entsteht in Rohrbach die siebte Flüchtlingsunterkunft der Stadt und wohl vorerst die letzte. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingsbewegungen Ende 2015, als jeden Tag Tausende Menschen in Deutschland ankamen, beschloss der Heidelberger Gemeinderat eine Liste mit 14 möglichen Standorten für neue Unterkünfte. Elf davon werden aber wohl nie benötigt werden.
Wie bei den neuen Unterkünften in Ziegelhausen und Handschuhsheim, die vergangenes Jahr bezogen wurden, werden auch in Rohrbach Flüchtlinge in der sogenannten Anschlussunterbringung unterkommen. Das sind Menschen, deren Asylantrag bereits positiv entschieden wurde oder die länger als zwei Jahre in der vorläufigen Unterbringung in Heidelberg gelebt haben.
Anfang vergangenen Jahres hatten einige Stadträte im Bauausschuss infrage gestellt, ob man die Rohrbacher Unterkunft überhaupt noch bauen müsse. Schließlich ist Heidelberg wegen des Ankunftszentrums des Landes in Patrick Henry Village (PHV) von einer Zuweisung von Flüchtlingen zur kommunalen Unterbringung seit Jahren befreit - weshalb in den existierenden Unterkünften auch noch viel Platz ist. Dieser Argumentation will die Stadt aber nicht folgen, wie der zuständige Bürgermeister, Joachim Gerner (SPD), gestern noch einmal gegenüber der RNZ bekräftigte: "Das Land hat fest zugesagt, das Ankunftszentrum zu verlagern. Dann werden wir - wie alle anderen Kommunen ohne Erstaufnahmeeinrichtungen - nach dem Königsteiner Schlüssel Flüchtlinge zur Unterbringung zugewiesen bekommen." Diese Unterbringung sei keine freiwillige Leistung, sondern eine gesetzliche Verpflichtung, der die Stadt nachkommen müsse. "Wir brauchen also sowohl Kapazitäten in der vorläufigen als auch in der Anschlussunterbringung", so Gerner.
Dennoch denkt man auch bei der Unterkunft in Rohrbach schon weiter. Die zwei neuen Gebäude werden in Massivbauweise gebaut - denn hier soll auch, wenn die Unterkunft irgendwann nicht mehr für Flüchtlinge gebraucht wird, eine normale Wohnnutzung möglich sein. Insgesamt entstehen 15 Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen für jeweils bis zu sechs Bewohner. Zudem wird es einen Gruppenraum, ein Büro für Sozialarbeiter und Hausmeister sowie einen Wasch- und Trockenraum geben.
Bauherrin ist die städtische Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz (GGH), die die Gebäude dann an die Stadt vermieten wird. Im November 2019 soll die neue Flüchtlingsunterkunft fertig sein.