Bammental: Bettelmönch Bela lebte in einem Zelt im Wald
Von Karin Katzenberger-Ruf
Bammental/Neckargemünd-Waldhilsbach. "Warum arbeitest Du eigentlich nicht?" Das wurde Bela früher öfters gefragt. In Bammental war das anders. Wenn der buddhistische Bettelmönch vormittags eine Stunde lang vor dem Supermarkt am Bahnhof stand, trafen ihn freundliche Blicke. Frauen, die dort einkauften, fragten ihn, was er denn alles gebrauchen könne und auf was er Lust habe. In diesem Fall durfte er Wünsche äußern, die dann auch erfüllt wurden.
Der 31-Jährige hatte seinen hiesigen Lebensmittelpunkt im Wald von Waldhilsbach - auf einem Privatgrundstück und in einer stabilen Zeltkonstruktion, die sich auch woanders aufbauen ließe, an einer Stelle, an der es ruhig ist. Schließlich verbringt er einen Großteil des Tages mit der Meditation und mit dem Studium buddhistischer Schriften.
Diese wiederum lieh er sich in der Universitätsbibliothek in Heidelberg aus. Die Nähe zu der Universitätsstadt war für ihn auch der Grund, sich in der nicht weit entfernten ländlichen Umgebung niederzulassen. Doch nun hat er sich entschlossen, seinen spirituellen Werdegang in einem Kloster in Malaysia fortzusetzen.
Bela Raphael Bengs, so sein vollständiger Name, kam in Bremen zur Welt und begann nach seinem Schulabschluss eine Ausbildung zum Erzieher. Doch die Frage nach dem Sinn des Lebens ließ ihn irgendwie nicht los. So wurde er zum Aussteiger.
Ein Freund, bekennender Christ, konnte ihn auch in langen Gesprächen nicht von seinem Glauben überzeugen. Ein allmächtiger Gott, der so viel Leid in der Welt zulässt? Für Bela war dies trotz der Aussicht auf ein paradiesisches Jenseits nicht nachvollziehbar.
Die Lehre von Karma und Wiedergeburt lag ihm letztlich näher. Schon mit Anfang 20 unternahm er Reisen nach Indien, erlebte dort auch die klösterliche Gemeinschaft. So wie Bela den Buddhismus lebt, darf er kein Geld besitzen und ist auf Almosen angewiesen. Dazu kommt noch die Regel, jegliche Nahrung vor dem Höchststand der Sonne zu sich zu nehmen.
Beim Treffen mit der RNZ hat sich in seiner Schale vom Wurstsalat bis zu Avocados und Bitterschokolade einiges angesammelt. Bela lässt sich auf der Wiese am Bammentaler Schulzentrum nieder und verrät: "Ich werde jetzt wohl etwa eine Dreiviertelstunde mit dem Essen beschäftigt sein."
Im Idealfall schafft er alles, denn Vorräte sammeln darf er nicht. Das wäre gegen die strengen Regeln, die auch vorschreiben, wie er sich zu kleiden hat. Das Mönchsgewand ist Pflicht. Im Winter darf er natürlich Warmes drunter tragen.
In diesem warmen Frühjahr, das nahtlos in einen heißen Sommer überging, war es bisher auch kein Problem, den Weg von Waldhilsbach nach Bammental barfuß zurückzulegen - in gemäßigtem Tempo. Rennen soll ein buddhistischer Mönch nämlich auch nicht.
Enthaltsam und ganz ohne Geld leben, sich im Gebet und in der Meditation üben, Buddhas Lehre verinnerlichen: Darin sieht Bela seine Lebensaufgabe.
Der 31-Jährige hat sich schon früh für diesen Weg entscheiden und darunter gelitten, dass sein inzwischen verstorbener Großvater dies als erfolgreicher Unternehmer nie akzeptieren konnte. Mit seiner Mutter hat Bela inzwischen einen recht guten Kontakt.
Sie hat ihm zum Beispiel sein Zelt finanziert, das er nun wieder abgebrochen und bei Bekannten zwischengelagert hat. Er schließt nicht aus, in die Region zurückzukehren. Aber nun zog es ihn wieder nach Asien - auch, weil der dort wieder einen buddhistischen Lehrer hat, was ihm wichtig ist.
"Hast Du genug zu essen?" wurde Bela stets gefragt, wenn er beim "Hase im Mond" vorbeischaute. Der Inhaber des Restaurants in Bammental hat sich aufgrund seiner Herkunft auf Spezialitäten aus Sri Lanka spezialisiert, kennt das "Mönchsdasein" aus eigener Erfahrung und spendierte Bela stets gern ein Mittagessen.
Auch die Betreiber eines Salons für Thai-Massagen steckten dem "Bettelmönch" gerne mal Lebensmittel zu und fühlten sich dabei fast wie zu Hause. Indessen gehörte Karola Essadi zu jenen, die ihn vormittags vor dem Supermarkt versorgten. Sie mochte Bela einfach gern und ist ihren Worten nach selbst weit gereist, weltoffen und außerdem mit einem Moslem verheiratet.