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Heidelberger Berufsfeuerwehrfrau: Sie wagt sich mit Axt und Handscheinwerfer in brennende Gebäude

Von Daniela Biehl

Heidelberg. Braune Haare, zu einem Dutt gebunden, ein verschmitztes Lächeln und ein glitzernder Ring am Finger: Wer Mona Gensheimer auf der Straße begegnet, der kann sich kaum vorstellen, dass die 33-Jährige jeden Morgen in schwere Schutzkleidung schlüpft. Sich mit Axt und Handscheinwerfern bewaffnet in brennende Gebäude wagt. Und umgestürzte Bäume beseitigt oder Keller auspumpt. Aber genauso ist es. Denn Mona Gensheimer ist eine von zwei Berufsfeuerwehrfrauen in Heidelberg. Und sie ist eine, die anpackt.

Schon als Kind habe sie es geliebt, wenn die ganze Familie vom Wandern erschöpft und nach Abenteuer riechend nach Hause gekommen sei. Wenn es Wildcampen ging oder Bergsteigen. Und irgendwann - sie muss wohl so zehn oder elf Jahre alt gewesen sein - da waren zwei Feuerwehrmänner in ihrer Schule und berichteten von ihrem Alltag auf der Wache. "Das hat mich nicht mehr losgelassen."

Noch in derselben Woche ging sie zur Jugendfeuerwehr. Sie mochte diesen Ort, den Geruch von Ruß und Schweiß, aber auch das Kameradschaftliche untereinander: "Man war sofort aufgenommen und Teil der Mannschaft", sagt sie: "Man musste sich nicht beweisen, auch als Frau nicht."

Das alles war vor 20 Jahren. Doch noch immer gehört die Wache zu ihren Lieblingsorten - auch wenn Gensheimer nach der Schule erst einmal eine Ausbildung zur Chemikantin abschloss. Bei Henkel trat sie im ersten Ausbildungsjahr in die Werkfeuerwehr ein, als einzige Frau damals. "Aber das machte mir nichts aus, ich war es gewohnt unter Männern", lacht die 33-Jährige.

Und irgendwie hatte sie die Einsätze auch vermisst. 2012 entdeckte sie dann eine Ausschreibung der Heidelberger Berufsfeuerwehr, Mitarbeiter im Mittleren Dienst wurden gesucht - und Gensheimer begann, für die Eignungsprüfung zu trainieren: Täglich zwei Stunden im Fitnessstudio, sie ging joggen, wurde Teil einer Laufgruppe - und bestand den Test.

Seit April 2013 ist sie nun auf der Heidelberger Wache. "Anfangs war das hart, gerade finanziell", sagt sie. Bei Henkel hatte Gensheimer ihren Meister gemacht und gut verdient. "Ich hatte eine Karriere und wurde jetzt auf ein Anfangsgehalt zurückgestuft."

Aber: "Ich hatte Hummeln im Hintern und wollte wieder zur Feuerwehr." Das spürt man: Gensheimer, die an diesem Tag im Foyer der Wache sitzt, rutscht auf ihrem Stuhl hin und her. Fast so, als wolle sie aufspringen. Irgendwo anpacken. Dann hält sie es nicht mehr aus, sieht einen falsch aufgehängten Schutzanzug, richtet ihn, nimmt Pakete an, umarmt Kollegen, die sie nach einjähriger Elternzeit zurückbegrüßen. "Tschuldigung", meint sie: "Das ist wie Familie hier. Da fühlt man sich geborgen."

Drei bis vier Einsätze hat Gensheimer im Durchschnitt pro Tag. Die Bandbreite reicht vom Bergen verunglückter Personen, von Bränden und Verkehrsunfällen bis hin zu Hochwasserschutzmaßnahmen und Tierrettungen. "Der Klassiker, die Katze vom Baum zu holen, ist übrigens gar nicht so selten."

Ihr schönstes Erlebnis aber war die Rettung einer Eule aus einem riesigen Steinkamin, der bei einer Familie im Wohnzimmer stand: "Wir dachten an eine Katze, entfernten die Gitter und plötzlich stand auf meinem Handschuh ein rabenschwarzer, rußverschmierter Vogel." Gensheimer zog ihn aus dem Kamin - und konnte gerade noch durchs Wohnzimmer gehen, da war er auch schon durch die offene Tür weggeflogen. "Es war trotzdem ein schönes Gefühl, so einen großen Vogel auf der Hand zu haben."

Auch die Macht des Feuers hat sie oft zu spüren bekommen. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr ein Brand in der Altstadt, zwischen Märzgasse und Universität, vor zwei Jahren. Gensheimer weiß noch, wie mitten in der Nacht, um 2 Uhr, der Alarm ertönte. "Es gab eine unsichere Gefahrenlage." Schon von Weitem sah man den Rauch in den Himmel steigen. Gensheimer gehörte zu einem Trupp, der das brennende Gebäude betreten sollte, um Abluftöffnungen zu schaffen - und den Brand von innen zu löschen.

Meter für Meter kämpfte sie sich mit ihrem Schlauch - bei mehr als 800 Grad Celsius - einen schmalen Gang entlang. "Wir mussten in den zweiten Stock und es war wirklich anstrengend, weil der erste langsam zusammenfiel, wir Geröll wegräumen und mit dem 80 Kilo schweren Schlauch nach oben mussten."

Jeder Einsatz ist einer mit ungewissem Ausgang. Gensheimer weiß das: "Wenn du einen Gang entlanggehst, weißt du nicht, was dich gleich erwartet, auch nicht, ob du noch jemanden retten musst. Du weißt nur, dass du ruhig und besonnen bleiben musst, um dich selbst nicht zu gefährden." Angst habe die 33-Jährige in solchen Situationen zwar nicht. Respekt aber schon. "Alles andere wäre leichtsinnig."

Als Gensheimer in dieser Nacht den zweiten Stock erreichte, ging ihr die Atemluft aus - und sie musste das Gebäude erst einmal wieder verlassen. "Unter Normalbedingungen reicht eine Sauerstoffflasche 30 Minuten. Aber bei Schwerstbedingungen musst du acht Liter die Minute schnaufen. Da kann so eine Flasche nach 15 Minuten leer sein."

Trotz der harten körperlichen Arbeit liebt Gensheimer ihren Job. Wohl auch, weil sie gebraucht wird, weil sie helfen kann. Nur eines macht ihr zu schaffen: Die gaffenden Bürger, die ihre Handys zücken und Einsätze filmen. "Das wird immer schlimmer", sagt sie. Und man hört die Wut in ihrer Stimme. "Wir wollen die Würde der verletzten Personen schützen. Und müssen dafür Einsatzkräfte, die eigentlich gebraucht werden, extra abziehen."



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