Heilbronn: Neuer Möbelriese ist Kampfansage an den Möbelmarkt
Von Brigitte Fritz-Kador
Heilbronn. Dieser Neubau ist eine Kampfansage an den Möbelmarkt weit über die Region Heilbronn hinaus. Das Familienunternehmen Möbel Rieger aus Göppingen baut in Heilbronn, an der "Möbelmeile", für 65 Millionen Euro ein neues Haus, vollmundig angekündigt als das "modernste Möbelhaus Deutschlands".
Genau gegenüber rüstet die Konkurrenz aber schon auf. XXXLLutz aus dem österreichischen Wels baut um. Kaufkraft, die in die Regionen Ludwigsburg, Mannheim und Würzburg abfließt, soll gehalten werden. Geschäftsführer Benno Rieger macht deutlich, dass er die Rhein-Neckar-Region im Blick hat. Hier schaut man aber nicht tatenlos zu - auch Möbel Höffner in Schwetzingen gestaltet um. Der Kampf um die Kunden ist in vollem Gange.
Der Stadt Heilbronn geht es zunächst jedoch um den eigenen Standort. Oberbürgermeister Harry Mergel frohlockt angesichts der Rieger-Investition. Beim Richtfest verwies der Rathauschef auf 5000 neue Einwohner, die man bis Ende 2020 erwartet, und auf 2000 neue Wohnungen. Für die Stadt fügt es sich gut, dass unweit der neue Stadtteil Neckarbogen auf dem Gelände der Bundesgartenschau liegt.
Keine Rede davon, dass es Mittelständler gegen die wuchtigen Mitbewerber schwer haben werden - zum Beispiel gibt es in der Heilbronner Innenstadt mit Möbel Fromm noch ein richtig alteingesessenes, kleines Möbelhaus. Wie lange kann man sich da gegen Riesen wie Rieger halten?
Das Unternehmen verwirklicht eine ambitionierte Architektur, geplant vom Büro "blocher partners" aus Stuttgart. Es spricht vom "Möbelhaus 4.0" als Vorbild für die ganze Branche. Rieger sagt, man habe ein Haus gewollt, das Zeitgeist und Zukunft zeige, aber nicht abgehoben sei. Insgesamt ist das Gebäude viergeschossig: drei Etagen mit 36.800 Quadratmetern Verkaufsfläche und Parkraum mit 156 Plätzen in der Tiefgarage und 404 darüber. Den genauen Eröffnungstermin im Frühjahr 2019 will Rieger noch nicht preisgeben.
Für das neue Möbelhaus hat ein anderes Heilbronner Familienunternehmen Platz gemacht: Pflanzen-Kölle, Nachbar und vormaliger Grundstückseigentümer, der für Rieger seine Gewächshäuser verlegte. Nun baut auch Kölle um und will Nutznießer sein vom Riesen nebenan. Das verschärft aber die Clusterbildung. Und wird die sowieso schon unter Leerstand leidende City nicht stärken.