Heidelberger Traditionsbäckerei: Kaum Interessenten für die Mantei-Filialen
Von Micha Hörnle
Heidelberg. Die Bäckerei Mantei ist seit knapp drei Wochen endgültig Geschichte, aber nur wenige ihrer zwölf Filialen haben mittlerweile einen neuen Pächter: So eröffnet die Heidelberger Traditionsbäckerei Riegler am Montagmorgen um 5.30 Uhr direkt am Bismarckplatz - wo einst der am prominentesten gelegene Mantei-Standort war.
Am Freitag wurde dort noch kräftig gewienert - die alte Ladeneinrichtung bleibt erst einmal erhalten. Bereits am letzten Montag übernahm das seit 1765 bestehende Unternehmen, dessen Zentrale in Wieblingen ist und das gut 200 Mitarbeiter zählt, den Mantei-Standort am Handschuhsheimer Atzelhof. Damit hat Riegler 27 Standorte in der Region.
Die restlichen zehn Mantei-Filialen wollten die Brüder Markus und Hansjörg Riegler nicht anmieten - auch wenn sie ihnen angeboten wurden: "Wir wollen kein unbegrenztes Wachstum, wir sind eine Heidelberger Familienbäckerei und wollen das auch bleiben", sagt Hansjörg Riegler, "wir wären für eine derartige Expansion auch nicht aufgestellt."
Deswegen ist die Zukunft der meisten Mantei-Ladenlokale unklar, sie stehen leer. Zumindest für die Rieglers war es schlicht nicht wirtschaftlich, die Standorte zu übernehmen, die in direkter Nachbarschaft zu ihren angestammten Filialen liegen - wie in Rohrbach, aber auch in der Eppelheimer Straße.
Außer Riegler hat nur die Wilhelmsfelder Bäckerei Bernauer den Mantei-Standort am Dossenheimer OEG-Bahnhof übernommen. Am Montag eröffnete dort Karl Hans Bernauer - allerdings hatte seine Firma einen Steinwurf entfernt schon länger eine Filiale: "Wir wollten schon immer dort rein, wo Mantei war." Der neue Laden laufe gut, sagt Bernauer, der sechs Filialen hat. Mehr Standorte könne er aus eigener Kraft nicht stemmen.
Andere Unternehmen haben keine Pläne, Mantei-Filialen zu übernehmen: Die Bäckerei Rutz aus Walldorf erklärt knapp, dass man sich hier nicht engagieren wolle. Von Grimminger aus Mannheim heißt es ebenso: "Wir übernehmen nichts. Wir haben in Heidelberg genug Filialen - und die von Mantei sind für uns nicht interessant genug. Es muss ja einen Grund haben, wieso sie geschlossen haben", sagt Michael Ruppert von der Grimminger-Geschäftsleitung.
Peter Görtz von der Ludwigshafener Großbäckerei Görtz, die vor allem in Supermärkten ansässig ist, erklärte: "Wir beobachten den Untergang der Bäckerei Mantei seit einigen Jahren und haben uns mehrfach auch in Abstimmung mit Uwe Mantei mit den Standorten beschäftigt. Wir kamen immer zu dem gleichen Ergebnis, dass Standorte und Formate nicht mehr zeitgemäß sind und nicht wirtschaftlich betrieben werden können."
Von den bisherigen Mantei-Angestellten werden die Riegler-Brüder wohl niemanden übernehmen: "Von Anfang an hatten wir eine große Bereitschaft dazu, aber es gab wohl kaum mehr Festangestellte." Auch Bernauer eröffnete seinen neuen Dossenheimer Laden mit eigenen Kräften.
Ebenfalls unwahrscheinlich ist eine Aufnahme von Mantei-Waren ins Riegler-Sortiment: "Wir sind fest davon überzeugt, dass wir jetzt schon gut aufgestellt sind - auch wenn das nicht heißt, dass wir uns nicht weiterentwickeln würden. Aber es ist definitiv nicht so, dass wir uns aus der Mantei-Rezeptsammlung bedienen werden."
Auch Bernauer habe versucht, die eine oder andere Ware den Kundenwünschen anzupassen, aber so richtig detailliert konnte ihm kaum einer beschreiben, was genau vermisst werde: "Da hieß es oft nur: Wir hätten gern wieder die alten großen Brötchen."
Das Aus des Mitbewerbers bedauern die Rieglers durchaus: "Wir haben schon Solidarität mit einem ähnlich strukturierten Betrieb in unserer Branche. Wir bedauern sehr, dass Mantei vom Heidelberger Markt verschwindet, denn wir haben alle dieselben Schwierigkeiten."
Und damit meint Markus Riegler vor allem den harten Verdrängungswettbewerb durch Großbäckereien und durch Discounter. So versuche man, mit Qualität ("Wir backen alles selber und verwenden keine vorproduzierten Teiglinge") und ständig neuen Produkten gegen den Trend anzusteuern. Und schließlich stamme man aus einer 253-jährigen Tradition, so Hansjörg Riegler: "Immerhin halten wir in der Stadt die Fahne der familiengeführten Bäckereien hoch."
Viele Kunden treibe die Sorge nach einem Bäcker in der Nähe um, wie er berichtet: "Viele Leute schauten vorbei und fragten, was sich denn nun tue. Die Reaktionen darauf, dass wir nun übernehmen, waren durchweg positiv."