Eberbach: Anwohner wollen den Verkehrsspiegel zurück
Von Jutta Biener-Drews
Eberbach. Reiner Zufall war das, dass sie selbst am Donnerstag losgezogen ist, um Unterschriften für die Reinstallation des zweiten Verkehrsspiegels zu sammeln, sagt Ursula Wieder. Es geht um den an der Ecke Alte Dielbacher-/Scheuerbergstraße entfernten Spiegel, der aus der Scheuerbergstraße kommenden Autofahrern Einblick auch in den rechts aufwärts führenden Teil der Alten Dielbacher gewährte.
Die Stadt ließ diesen Spiegel nach einer Verkehrsschau im Februar aus Sicherheitsgründen entfernen, weil er eine für von oben nahende Radfahrer gefährliche Situation erzeugte: die waren im Spiegel nicht zu erkennen. Seitdem, berichtete Ordnungsamtsleiter Rainer Menges, habe es immer wieder Beschwerden von Autofahrern gegeben, die die Regelung, aus der Scheuerbergstraße jetzt erst mitten in die Alte Dielbacher einfahren zu müssen, bevor sie den Verkehrsraum überblicken können, als hoch gefährlich kritisierten.
Diese Beschwerden kommen mit Ursula Wieder jetzt geballt. Denn nur die Tatsache, dass die Leute bislang darauf vertraut hätten, die Stadt werde den Spiegel schon irgendwann wieder anbringen, habe sie bisher davon abgehalten. "Seitdem ist es zu vielen brenzligen Situationen an dieser Ecke gekommen, die aber nicht gemeldet wurden", weiß Wieder.
Am Mittwoch zog die Gässel-Bewohnerin deshalb mit einer anderen Unterstützerin los, um das betroffene Viertel mit Unterschriftenlisten abzuklappern. In Gässel, Scheuerberg-, Störzbach-, Theodor-Frey-, Dr.-Schumacher-Straße und Von-Göler-Weg setzten 110 Anwohner ihre Unterschrift unter ein an Bürgermeister Peter Reichert adressiertes Schreiben, das in Kopie an Polizei und städtische Verkehrsbehörde ging.
"Jeder, den wir zuhause angetroffen haben, war dankbar für die Initiative und hat sofort unterschrieben", sagt Ursula Wieder. "Wir bitten die Verkehrsbehörde, diese Gefahrenstelle möglichst bald zu entschärfen", heißt es in dem Schreiben. Was nach dem Willen der Unterzeichner nicht nur durch das erneute Anbringen des Verkehrsspiegels geschehen soll, sondern zusätzlich durch die Erweiterung des Parkverbots auf der Alten Dielbacher auf 15 bis 20 Meter vor der Einmündung der Scheuerbergstraße.
"Parkende Autos an dieser (schmalen) Stelle zwingen von oben kommende Fahrzeuge dazu, die linke Fahrspur zu benützen", weiß Wieder aus Erfahrung. Und dies betreffe eben auch Radler, die wohl aus diesem Grund nicht im Verkehrsspiegel erschienen seien. "Würden sie rechts fahren, könnte man sie da auch erkennen."
Auch die GRN-Klinik hat sich auf Nachfrage am Donnerstag in diesem Sinne positioniert. Die Fahrer der Einsatzfahrzeuge müssten beim Einfahren in die Alte Dielbacher jetzt erhöhte Vorsicht walten lassen, so Klinikleiter Martin Hildenbrand. Das Fehlen des zweiten Spiegels stelle sich als "erheblicher Nachteil" dar.
Im Gespräch mit den Anwohnern ist laut Wieder aber noch eine Idee aufgetaucht, wie man dem gefährlichen Eck seine Gefährlichkeit nehmen könnte: die Umwandlung der Alten Dielbacher ab Einmündung Scheuerbergstraße in eine untergeordnete Straße. Dementsprechend würde die Vorfahrt an dieser Stelle dann im rechten Winkel von der unteren Alten Dielbacher in die Scheuerbergstraße übergehen.
Und wer von da aus Richtung Krankenhaus kommt, könnte ungehindert Richtung Odenwaldstraße einbiegen. Stoppen müssten dann diejenigen, die vom oberen in den unteren Teil der Alten Dielbacher möchten - oder umgekehrt. Ein Vorschlag, der in dem Schreiben allerdings noch unerwähnt bleibt.
Im Ordnungsamt, sagt Rainer Menges auf Nachfrage, habe man auch über diese Verkehrsmaßnahme zumindest schon nachgedacht. Sogar über einen Kreisel. Seiner Ansicht nach wäre die vorgeschlagene Lösung aber nur mit baulichen Eingriffen zu machen. Die von den 110 Bürgern jetzt geforderte Ausweitung der Parkverbotszone sei aber durchaus ein Thema. Menges machte erneut klar, dass die Stadt Überlegungen in alle Richtungen anstelle und die Situation beobachte. Allerdings unter der Maßgabe, die schwächsten Verkehrsteilnehmer zu schützen: Fahrradfahrer.