Filmfestival "WaLa": Kommt Angelina Jolie nach Ladenburg?
Von Axel Sturm
Ladenburg. Ein internationales Filmfestival - das hat es in der Römerstadt noch nicht gegeben. Es ist also eine Premiere, die vom 20. bis 23. Juli stattfindet. An drei Veranstaltungsorten werden rund 25 Spiel- und Dokumentarfilme gezeigt, die sich mit dem Thema "Sicherheit in Afghanistan" befassen.
Organisiert wird das Filmfestival "WaLa" von dem Medienexperten Mohammed Hassan Nazeri, der nach seiner Flucht aus Afghanistan einige Zeit in Ladenburg lebte. WaLa kommt aus dem Persischen und bedeutet Menschenwürde. Das Festival will sensibilisieren, Aufklärungsarbeit leisten und auf die Situation der Menschen in Afghanistan aufmerksam machen.
Auf Schicksale, die auch der Festivalmacher hautnah erlebt hat. Der anerkannte politische Flüchtling wurde 2013 aufgefordert, seine Heimat zu verlassen. Nazeris Filme und Recherchen waren dem Regime zu kritisch - der Dozent an der Universität Kabul verließ das Land. Der Filmemacher, der in Afghanistan TV-Serien sowie Spielfilme für Kinder und hintergrundreiche Dokumentarfilme drehte, fand nach seiner Flucht in Ladenburg schließlich eine neue Heimat.
Nach seiner Anerkennung war die Wohnungssuche jedoch schwierig. Er zog in eine kirchliche Wohnung nach Mannheim. Gerne würde Nazeri wieder nach Ladenburg zurückkehren. "Ich bin halt jetzt Monnemer", stellt der Afghane lachend fest, der nach vier Jahren schon fast perfekt deutsch spricht. Sogar der Zungenbrecher "Karikaturist" kommt ihm fehlerfrei über die Lippen. Mit der Organisation des Festivals will der Medienexperte, der in Deutschland Praktikumsstellen beim ZDF und beim NDR in Hamburg hatte, "Ladenburg etwas zurückgeben". Der 44-Jährige will die Römerstadt in der Filmbranche "ein Stück weit bekanntt machen" und lässt seinen Worten Taten folgen.
Aufgrund seiner Tätigkeit im Iran und seinen Kontakten in die USA ist Nazeri bestens vernetzt. Seine Idee, ein Filmfestival über die Sicherheit in Afghanistan zu organisieren, hat in der Branche Aufsehen erregt. Nazeri betont, dass er zum Thema des Festivals viel zu sagen hat und daher von den Festivalteilnehmern als glaubhaft und kompetent eingeschätzt wird.
Ein Coup gelang Nazeri, als er die Produktionsfirma der Schauspielerin Angelina Jolie kontaktierte. Der Filmstar produzierte den Animationsfilm "The Breadwinner", der von einem kleinen Mädchen aus Afghanistan handelt, das sich als Junge verkleiden muss, um ihre Familie zu ernähren. "Vielleicht gelingt es uns sogar, Angelina Jolie zum Festival nach Ladenburg zu holen", meint der stets optimistische Festivalleiter, der im Rahmen einer Pressekonferenz noch weitere Überraschungen präsentierte.
So hat unter anderem der bekannte Filmregisseur Stefan Gieren einen Film beim Ladenburger Festival eingereicht. Der in Afghanistan und Deutschland produziert Streifen "Kunduz" war bereits bei seiner Uraufführung beim Hamburger Filmfest ein Riesenerfolg. Der Film wurde mit dem Studenten-Oscar ausgezeichnet und ist sicherlich einer der Höhepunkte des Ladenburger Festivals.
Auch der afghanische Regisseur und Golden-Globe-Gewinner Siddiq Bermak wird nach Ladenburg kommen, um ein Seminar über Filme des afghanischen Kinos abzuhalten. Aber natürlich sind nicht nur Experten aus der Filmbranche zum Seminar eingeladen. Auch Menschen, die Interesse an Afghanistan haben, sind herzlich willkommen.
Eröffnet wird das Festival WaLa am Freitag, 20. Juli, vom Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Kabul, Mirco Günther, der extra aus Afghanistan einfliegen wird. Er bringt einen Dokumentarfilm mit, der durchleuchtet, wie es Flüchtlingen geht, die nach ihrer Ablehnung in Deutschland wieder nach Afghanistan zurückkehren mussten.
Als Schirmherr konnte Ladenburgs Bürgermeister Stefan Schmutz gewonnen werden. Er sagte Nazeri logistische Unterstützung zu und hilft bei organisatorischen Problemen. Für die Finanzierung des Festivals wurde eigens ein Förderverein gegründet und auch Altbürgermeister Rainer Ziegler hilft dabei Spenden zu akquirieren. Rund 50.000 Euro werden für die Organisation des hochwertigen Festivals benötigt. "Wenn es weniger wird, kommen wir auch zurecht", bleibt der Festivalmacher optimistisch. "Ich traue Hassan alles zu - sogar, dass Angelina Jolie nach Ladenburg kommt", meint Sabine Weil, Vorsitzende des Fördervereins, die auf die Webseite www.walaiff.ladenburg.world sowie auf das dort zu findende Spendenkonto hinweist.
Beim Festival werden für die Siegerfilme übrigens keine Geldpreise ausgeschüttet. Es gibt vielmehr handgeknüpfte Teppiche, die von der Hilfsorganisation Simabaf gespendet wurden. Die Organisation hat Straßenkinder in ihrer Obhut, die die Kunst des Teppichknüpfens erlernen. Verbunden mit der Ausbildung ist das Erreichen eines Schulabschlusses, denn auch in Afghanistan haben Menschen ohne Schulabschluss keine gute Lebensperspektive.