Heidelberger Frühling 2018: Geheimnisumwobene Momente mit dem Minetti Quartett
Von Simon Scherer
Heidelberg. Eine äußerst gehaltvolle Stückauswahl hatte sich das Minetti Quartett vorgenommen. Gleich drei prominente Streichquartette standen auf dem Programm des Heidelberger Frühling in Kooperation mit den Musik- und Kunstfreunden, von denen op. 108 Schokstakowitschs definitiv den Höhepunkt darstellte.
Den Auftakt bildete Haydns op. 33,2 in Es-Dur, wofür die Vier aus Österreich leichte Beschwingtheit mit gehaltvollem Strich paarten und Primaria Maria Ehmer mit solch tiefer Sonorität verblüffte, wie man sonst nur vom Cello kennt. So genussvoll sie dabei sämtliche Bahnen in voller Breite auskostete, mutierte sie schnell zur Solistin, der die zweite Geige Anna Knopp lediglich spitzbübische Echos entgegenzusetzen hatte. Erst im Scherzando kam das Geschehen im Duo von Cello (Leonhard Roczek) und Bratsche (Milan Milojicic) etwas zur Ruhe, wo sich auch Hintergründiges auftat. Schade, dass es nicht mehr dieser geheimnisumwobenen Momente gab. Auch die vorwitzige Gestaltung bestimmter Motive hätte man ruhig an weiteren Stellen einbauen können.
Schostakowitschs Siebtes Quartett (fis-Moll) begann so, wie man den Komponisten kennt: rätselhaft, runterziehend, undurchschaubar. All das wurde vom ersten Ton an großartig eingefangen, sodass der Besucher in der ausverkauften Alten Aula augenblicklich in dieses befremdliche Szenario hineingeworfen wurde. Hier gab es auch keine Solistin mit Trio, sondern nur eine Vierereinheit auf Augenhöhe.
Glanzleistungen waren etwa im Geigen-Duo die Angst einflößenden Melodien im Lento, die niemals den Weg zu einer Lösung aufzeigen würden. Einen großen Auftritt hatte dort ebenso die Bratsche mit ihrem ans Selbstzerstörerische grenzenden Geschrumme. Unglaublich, dieses Gemetzel, wo plötzlich ein paar Töne zeigten, dass es doch noch ein Woanders gibt.
Schuberts G-Dur-Quartett (Nr. 15, D 887) versprach ein weiteres Highlight zu werden. Nach einem schonungslos rigorosen Aufstrich zu Beginn fehlte für den gedankenverlorenen Gegenpart jedoch die nötige Ruhe und Sensibilität. So konnte das unscheinbare, in seiner Wirkung einzigartige Motiv leider seine Magie nur im Ansatz entfalten. Im weiteren Verlauf wurde mehr Feingespür entwickelt, um den berühmten Passagen ihren spezifischen Gehalt zu verleihen. Gerade wenn sich im Andante Melodien noch im Anfangsstadium befanden, wurde exakt die richtige Hintergrund-Aura kreiert, bevor für die Schlusssätze die Konzentration etwas nachließ.