Warnstreiks ausgesetzt: Warum am Uniklinikum Heidelberg doch gearbeitet wird
Von Birgit Sommer
Heidelberg. Der Warnstreik der Pflegekräfte am Donnerstag und Freitag im Uniklinikum Heidelberg ist abgesagt. Etwa halb so viele Operationen wie normalerweise können an diesen Tagen nun stattfinden. Am Dienstag gab es Fortschritte bei den Verhandlungen des Arbeitgeberverbands der vier baden-württembergischen Uniklinika mit der Gewerkschaft Verdi über einen Tarifvertrag zu Personalmindestbesetzungen und Konsequenzenmanagement. "Eine Einigung ist erstmals in Sichtweite", hieß es am Mittwoch bei Verdi Rhein-Neckar. Darüber werden die Gewerkschaftsmitglieder am heutigen Donnerstag in Heidelberg informiert und können die Ergebnisse diskutieren; die große Tarifkommission will am 11. April entscheiden.
Fraglich war bei den langwierigen Verhandlungen letztlich noch, wie Stationen besetzt sein müssen und wer bei Ausfällen die Besetzung bestimmen kann. "Die Kliniken sehen, dass sie Stellen aufbauen müssen, damit die Pflege funktioniert", sagte Gewerkschaftssekretärin Silke Hansen. Das Management des Personals bei Ausfällen durch Krankheit und Urlaub bleibe bei den Arbeitgebern, doch wenn Vorschriften nicht eingehalten würden, seien Meldungen der Mitarbeiter an den Klinikumsvorstand vorgeschrieben. "Es ist ein Tarifvertrag auf Bewährung, er ist nach sechs Monaten mit dreimonatiger Frist kündbar", meinte Hansen zudem. "Wir haben genau unter Beobachtung, was passiert."
Für das Uniklinikum Heidelberg und dessen Pflegedirektor Edgar Reisch sind die Verhandlungsergebnisse in Ordnung. Was die vier Uniklinika des Landes laut Tarifvertrag angehen müssen, ist allerdings in Heidelberg oft schon verwirklicht.
> Zwei qualifizierte Pflegekräfte sollen den Nachtdienst in einer Station absolvieren. Die Aussage "Keine Nacht alleine" sei richtig, meint Reisch. Auf Klinikstationen mit 30 bis 34 Betten arbeiteten in Heidelberg jetzt schon zwei Fachkräfte. In anderen Uniklinika gebe es auch kleinere Stationen, die nachts von nur einer Person betreut worden seien.
> Eine Personalbedarfsberechnung entsprechend den Schweregraden der Erkrankung der Patienten existiert in Heidelberg bereits. Die anderen Uniklinika werden nachziehen und teilweise sogar das Heidelberger System übernehmen. Daraus, so Reisch, soll nun auch eine Regelbesetzung für jede Station abgeleitet werden: "Wir fangen mit 20 von 50 Stationen an und weiten dann auf alle aus."
> 120 Vollkräfte sollen den Personalbestand aller vier Uniklinika verstärken. Heidelberg hat in seinem Budget 2018 bereits 67 neue Stellen ausgewiesen.
> Jeder Standort soll einen Springerpool einführen, aus dem Personalausfälle kompensiert werden. Heidelberg hat einen Springerpool mit 70 Mitarbeitern (43 Vollzeitkräfte) eingerichtet.
> Wenn die Regelbesetzung einer Station unterschritten wird, tritt in allen Universitätskliniken das Ausfallmanagement in Kraft. Dies solle mit dem neuen Tarifvertrag verbindlich festgeschrieben werden, erklärte Reisch.
Trotz Pflegekräftemangel sei es in Heidelberg noch möglich, genügend Mitarbeiter zu finden, meinte der Pflegedirektor auf RNZ-Anfrage. Dazu tragen neben eigener Ausbildung auch ausländische Schwestern bei, die mit dem Programm "Triple Win" nach Deutschland kommen.