Stromverteilerkästen in Sinsheim: Bunte Heimat statt verschmiertem Grau
Von Christian Beck
Sinsheim. Wer durch die Stadt läuft, findet fast kein unverschmiertes Exemplar. Die Rede ist von Dutzenden grauen Kästen - besprüht, beklebt oder schlicht verdreckt. Seit Jahren setzt sich Adolf Skrobanek dafür ein, dass sie verschönert werden - beispielsweise so, wie der bunt angemalte Kasten am Burgplatz. "Es tut sich nichts!", schimpft er. Mehrere RNZ-Anrufe bei der Stadtverwaltung ergaben: Es tut sich durchaus etwas bei dem Thema, man sieht es nur noch nicht. Doch in einigen Monaten sollen auf die Pläne auch Taten folgen. Und zwar passend zu den Heimattagen.
"Wir sind dran an dem Thema." Das sagen sowohl Oberbürgermeister Jörg Albrecht als auch Carmen Eckert-Leutz, Leiterin des Amts für Bildung, Familie und Soziales. Dass bislang keiner der Kästen verschönert wurde, liege schlicht daran, dass die Angelegenheit recht kompliziert sei. Erstens gehe es um die Besitzverhältnisse: Denn was oft als Stromverteilerkasten bezeichnet wird, hat zuweilen gar nichts mit der Energieversorgung zu tun. Was sich mancherorts hinter grauen Türen findet, dient auch der Ampelschaltung oder als Ablage für Briefträger. Dementsprechend mussten zunächst die Eigentumsverhältnisse der Kästen geklärt werden.
Doch hier ergab sich die nächste Hürde: Nicht jedes Unternehmen stimme sofort zu, dass aus grau bunt werden soll, erklärt Carmen Eckert-Leutz: "Manche wollen vorher Skizzen und Motive sehen." Und dann stellen sich noch ganz praktische Fragen: Wer reinigt die Kästen zunächst? Wer soll sie verschönern? Welche Farbe ist dafür geeignet? Und wer bezahlt die ganze Aktion? Wir haben da im Vorfeld viel an Energie investiert", berichtet Eckert-Leutz.
Doch mittlerweile gibt es offenbar Fortschritte: "Es gibt Gespräche mit interessierten Vertretern von Schulen", erklärt Eckert-Leutz. So plane das Wilhelmi-Gymnasium, sich im Juli im Rahmen einer Projektwoche einzubringen. Die Albert-Schweitzer-Schule, die Carl-Orff-Schule sowie eine Grundschule hätten ebenfalls Interesse signalisiert. Aktuell suche man nach Betreuern für die Aktion. Carmen Eckert-Leutz denkt hier unter anderem an Kunstlehrer der beteiligten Schulen. Denn eines ist der Leiterin des Amts für Bildung, Familie und Soziales wichtig: "Es soll gut werden." Auch, damit die Kunstwerke nicht sofort wieder beschmiert werden.
Hier sind wir schließlich beim Thema Motiv: Passend zu den Landesheimattagen im Jahr 2020 soll sich alles rund um Heimat drehen. In Stil von Pop-Art oder Graffiti könnten beispielsweise das Auto- und Technik-Museum oder die Burg Steinsberg auf den Kästen landen. "Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt", findet Eckert-Leutz. Anfangen will man bei den Kästen in städtischem Eigentum, unter anderem am Marktplatz vor der Bäckerei Frick, im Wiesental in der Nähe der Elsenzhalle oder am Burgplatz. Weitere Kästen sollen später ebenfalls verschönert werden, wenn die Eigentümer zugestimmt haben. Eine weitere Hürde kommt außerdem bei den Kästen vor dem Stadtmuseum hinzu - vor allem deren Zustand hatte Skrobanek immer wieder kritisiert. "Aber da wird’s ganz schwierig, denn hier hat das Denkmalamt noch ein Wörtchen mitzureden", erklärt der OB. Denn bunte Kästen könnten das historische Gebäude in seiner Wirkung beeinflussen.
Wer sich bei der Verschönerung einbringen will, kann sich bei Klaus Winkelmann, dem Leiter der Carl-Orff-Schule, per E-Mail melden unter: carl-orff-schule@sinsheim.de