1225 Jahre Dühren: Lässt sich das Dorfjubiläum stemmen?
Von Tim Kegel
Sinsheim-Dühren. Die Ideen sprudeln wie die Erlenbuschquelle, eine von etlichen Quellen auf Dührener Gemarkung. Ob die Vorschläge fürs Programm der Festtage verwirklicht werden können, hänge ganz entscheidend davon ab, wie viele Dührener mithelfen, wenn der Ort im nächsten Jahr sein 1225. Jubiläum feiert.
Zum Abschluss könnte ein Feuer übergeben werden, die Flamme weitergereicht werden wie bei Olympia, nach Sinsheim, in die Heimattage-Stadt 2020. "Das wäre immer noch ein Traum", sagt Alexander Speer, Dührens Ortsvorsteher. Voraus gehen könnte ein Jahr mit Veranstaltungen und Spezialitäten, liebenswert, die Gemeinschaft stärkend, ja sogar nachhaltig. "Ideen gibt’s viele", sagt Speer und reißt einige an. Er wolle aber "den Vereinen nicht vorgreifen", die sich im März treffen, um sich zu beratschlagen, wie es weiter geht.
Im Gespräch ist, das Fachwerk der früheren Dührener Synagoge wieder aufzubauen. Das Gebäude wurde vor wenigen Jahren abgebrochen, Ehrenamtliche und der Handwerksbetrieb von Peter Keil aus Dühren hatten es geschafft, das Tragwerk zu retten und einzulagern. Was daraus entstehen könnte, nennt Alexander Speer "Arbeitstitel Kulturscheune". Pläne, die zeigen, wie so etwas aussehen könnte, seien in Arbeit. Das Projekt mache in Speers Augen aber "nur Sinn, wenn es von Leuten aus Dühren gemeinsam aufgebaut und gestaltet" werde. Dann jedoch seien Finanzierung und Zuschussverfahren schwierig.
So hätten viele der fürs Jubiläum denkbaren Projekte einen Haken - den der Beteiligung. Über Festbeiträge gesprochen wird im ganzen Ort: Die Rede ist vom Bau eines Modells der alten Dorfkapelle an deren ursprünglichem Standort ausgangs der Karl-Schumacher-Straße oder einem historischen Ortsrundgang, bei dem die in Dühren noch relativ reichlich vorhandene alte Bausubstanz datiert und beschildert wird. Dass Dreschgemeinschaft, "Manschettenbauern", Obst- und Gartenbau- und Turn- und Sportverein ihren Teil zum Gelingen der Festtage beitragen würden, ist zu vermuten. Und auch den Anfang einer "Dühren-Saga", eines Theaterstücks zur Dorfentwicklung, hat der frühere Ortspfarrer Dr. Dietmar Coors schon geschrieben.
Außerdem könnten Notizen und Tonaufnahmen älterer oder bereits verstorbener Dührener in einem Heimatbuch zusammengefasst werden. "Alleine", sagt der Ortsvorsteher, "tippe ich dann die nächsten fünf Jahre lang Berichte ab."
"Alles steht und fällt mit denen, die dabei helfen", sagt Alexander Speer. Es lebten 2200 Menschen in Dühren, doch nur etwa ein Zehntel von ihnen - vielleicht auch einige mehr - brächten sich regelmäßig in die nicht gerade wenigen Dührener Veranstaltungen ein. Für viele Bürger sei Dühren jedoch ausschließlich Wohn- und Schlafstätte. Unter den Ehrenamtlichen häuften sich allerdings auch Stimmen, dass man "nicht noch mehr und noch mehr" stemmen könne.
Deutlich einfacher: Das Projekt Dühren-Wurst mit Dühren-Senf, aus eigenen Küchen und von eigenen Feldern. Landwirt Klaus Abele würde den Senf anbauen und ernten, Metzgermeister René Ohr sich um den Rest kümmern.
Eine Hürde sei auch die Bürokratie: Ein Bürgerverein für Heimat und Kultur sei im Hinblick aufs Dorfjubiläum in Gründung - das Eintragungsverfahren sei "wegen der Zentralisierung der Registergerichte in Mannheim ein ewiges Hin und Her", sagt Speer.
Alles in allem plädiert Speer für "kleinere Veranstaltungen, verteilt über das Jahr", auch um Ressourcen zu schonen. Für ein Jubiläum im größeren Stil mit opulentem Festwochenende, wie im Jahr 2016 in Adersbach, reichten die örtlichen womöglich nicht. "Adersbach mit seinen 800 Einwohnern sitzt näher beisammen", denkt Speer.
Dass die 1225-Jahr-Feier in Dühren von den Landesheimattagen 2020 "geschluckt wird", befürchten einige im Ort, wie etwa Alt-Gemeinderat Friedhelm Brehm. Der Ortsvorsteher denkt das Gegenteil: "Nach den Heimattagen sind die Leute eher müde und die Ressourcen erschöpft."
Im Rathaus bietet man Dühren Hilfe an: "Der Impuls muss aus der Ortschaft kommen", sagte Oberbürgermeister Jörg Albrecht auf RNZ-Nachfrage. Vor allem eine Unterstützung in Sachen Vermarktung, in Rechtsfragen oder Hilfen durch den Bauhof seien möglich; finanzielle Anliegen wolle man vom konkreten Projekt abhängig machen, sie seien jedoch verhandelbar.
Einen Rückgang ehrenamtlichen Engagements erkennt auch Albrecht. Für ihn stehe dieser Rückgang in direkter Verbindung mit steigenden behördlichen Auflagen durch "immer kompliziertere Richtlinien und Verordnungen". Albrecht hatte dies immer wieder kritisiert, zuletzt beim Neujahrsempfang der Stadtverwaltung. "Irgendwann macht’s einfach keinen Spaß mehr."